Wirt­schaft braucht star­ken Nach­wuchs

Im Rhein-Kreis Neuss gibt es we­ni­ger Aus­zu­bil­den­de als im Vor­jahr – da­für aber mehr Aus­bil­dungs­stel­len. Jun­ge Men­schen soll­ten die Be­rufs­welt früh ken­nen­ler­nen, zum Bei­spiel durch Be­rufs­fel­der­kun­dun­gen und Prak­ti­ka.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT IM RHEIN-KREIS - VON ANDRE­AS BUCHBAUER

RHEIN-KREIS Die Zah­len ma­chen deut­lich, dass der Wett­be­werb beim Kampf um ad­äqua­ten Nach­wuchs zu­nimmt. So we­nig Aus­zu­bil­den­de wie nie zähl­te das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt IT.NRW im ver­gan­ge­nen Jahr. En­de 2016 be­fan­den sich dem­nach 297.219 jun­ge Men­schen in NRW in ei­ner Aus­bil­dung – 2,1 Pro­zent we­ni­ger als ein Jahr zu­vor und der his­to­ri­sche Tief­punkt seit Be­ginn der Auf­zeich­nun­gen der Be­rufs­bil­dungs­sta­tis­tik im Jahr 1976. Ein Trend, der auch vor dem RheinK­reis Neuss nicht Halt macht. In den acht Städ­ten und Kom­mu­nen wa­ren es 6021 Aus­zu­bil­den­de (Stich­tag: 31. De­zem­ber 2016) und da­mit 1,5 Pro­zent we­ni­ger als ein Jahr zu­vor. Da­mit setzt sich ei­ne Ent­wick­lung fort, die zu­neh­mend zum Pro­blem wer­den könn­te.

Die Wirt­schaft im Rhein-Kreis Neuss ist schließ­lich stark und auf Nach­wuchs an­ge­wie­sen. Ins­be­son­de­re der ver­stärk­te Trend zur Aka­de­mi­sie­rung sorgt für Kopf­zer­bre­chen, denn er geht zu­las­ten der be­ruf­li­chen Bil­dung. Dass es Stra­te­gi­en ge­gen den Fach­kräf­te­man­gel be­darf, hat kürz­lich auch ei­ne Son­der­um­fra­ge der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer (IHK) Mitt­le­rer Nie­der­rhein er­ge­ben. Denn die Jobs sind da. Das be­tont auch Wolf­gang Dra­e­ger, Ge­schäfts­füh­rer ope­ra­tiv der Agen­tur für Ar­beit Mön­chen­glad­bach: „Das Aus­bil­dungs­an­ge­bot im Rhein-Kreis Neuss ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich leicht ge­stie­gen. Das heißt, der Be­darf an Aus­zu­bil­den­den für die hei­mi­sche Wirt­schaft ist da.“Nichts­des­to­trotz sinkt die Zahl der Aus­zu­bil­den­den im Rhein-Kreis – wenn auch nicht so stark wie im Lan­des­schnitt. „Das liegt dar­an, dass viel mehr Ju­gend­li­che auf ei­ne wei­ter­füh­ren­de Schu­le ge­hen“, meint Dra­e­ger. „Es gibt seit Jah­ren den Trend zu ei­nem hö­he­ren Bil­dungs­schluss, was auf den ers­ten Blick ja auch sehr gut ist. Nur ist es nicht für je­den Ju­gend­li­chen der bes­te Weg.“

Dra­e­ger emp­fiehlt jun­gen Men­schen da­her, sich mög­lichst früh ein Bild von den be­ruf­li­chen Mög­lich­kei­ten zu ma­chen. Da­zu zäh­le na- tür­lich die Be­rufs­be­ra­tung. Aber vor al­lem soll­ten sich jun­ge Men­schen die Ar­beits- und Be­rufs­welt kon­kret an­schau­en. „Das kann beim Fe­ri­en­job sein, bei ei­nem Prak­ti­kum, über ein Ehrenamt, bei Check In Be­rufs­welt oder den Be­rufs­fel­der­kun­dungs­ta­gen der Lan­des­in­itia­ti­ve ,Kein Ab­schluss oh­ne An­schluss’“.

Auch Paul Neu­kir­chen, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der Kreis­hand­wer­ker­schaft Nie­der­rhein, er­mu­tigt jun­ge Men­schen, ins Be­rufs­le­ben rein­zu­schnup­pern. „Ein­fach ma­chen“, emp­fiehlt er. An­ge­sichts der Zah­len von IT.NRW möch­te er nicht all­zu schwarz in die Zu­kunft se­hen. Neu­kir­chen geht von ei­nem Aus­rei­ßer aus. „Die Kon­junk­tur im RheinK­reis Neuss ist sehr gut“, er­klärt er. Für 2017 er­war­tet er so­gar ei­nen Zu­wachs bei den Aus­zu­bil­den­den im Hand­werk. „Zum Stich­tag 30. Ju­ni hat­ten wir im Be­reich Kreis­hand­wer­ker­schaft Nie­der­rhein 205 neu ab­ge­schlos­se­ne Aus­bil­dungs­ver­hält­nis­se – das sind 30 mehr als zum glei­chen Zeit­punkt 2016.“Es gel­te, jun­gen Men­schen Per­spek­ti­ven zu zei­gen. „Vie­le Be­trie­be, die ak­tiv auf jun­ge Men­schen zu­ge­hen, ha­ben gro­ßen Er­folg in der Aus­bil­dung.“

AR­CHIV-FO­TO: DPA

Ein Aus­zu­bil­den­der setzt ei­ne Schweiß­naht an ein Me­tall­teil, wäh­rend ein Ex­per­te zu­schaut und Tipps gibt. Vie­le jun­ge Men­schen wis­sen je­doch zu we­nig über die be­ruf­li­chen Per­spek­ti­ven, die die dua­le Aus­bil­dung bie­tet.

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