Fech­ter sind heiß auf die Heim-WM

Mor­gen be­gin­nen die Welt­meis­ter­schaf­ten in Leip­zig – sie­ben Dor­ma­ge­ner stel­len den größ­ten Teil des deut­schen Sä­bel-Auf­ge­bots.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - SPORT IM RHEIN-KREIS - VON VOL­KER KOCH

DOR­MA­GEN Seit 2009 sind die deut­schen Sä­bel­fech­ter nur ein Mal oh­ne Me­dail­le von ei­ner Welt­meis­ter­schaft heim­ge­kehrt. Das war ein Jahr nach den olym­pi­schen Spie­len von Lon­don, als so­wohl Max Har­tung (14:15 ge­gen We­nia­min Re­schet­ni­kow) als auch die Mann­schaft (43:45 ge­gen Russ­land) im Vier­tel­fi­na­le von Bu­da­pest an den spä­te­ren Ti­tel­trä­gern schei­ter­ten.

Mor­gen um 12.30 Uhr be­gin­nen mit den Pool­kämp­fen der Sä­bel­fech­ter die Welt­meis­ter­schaf­ten in Leip­zig, die bis zum kom­men­den Mitt­woch (26. Ju­li) dau­ern. Wie 2013 ist es ein nach-olym­pi­sches Jahr, wes­halb für Vil­mos Sz­abo (52) „die Heim-WM ei­gent­lich ein Jahr zu früh“kommt. Denn nach den olym­pi­schen Spie­len von Rio, sagt der seit knapp ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert in Dor­ma­gen an­säs­si­ge Sä­bel-Bun­des­trai­ner, hät­ten vie­le Fech­ter Aus­bil­dung und Stu­di­um Vor­rang vor dem Trai­ning ein­ge­räumt.

Zu­min­dest gilt das für die deut­schen Ath­le­ten. Sz­abos Sohn Ma­ty­as (25), in Rio als Ach­ter best­plat­zier­ter deut­scher Fech­ter, hat vor Wo­chen­frist sei­ne Ba­che­l­or­ar­beit ab­ge­ge­ben. Auch der zwei Jah­re äl­te­re Max Har­tung hat sei­nen Stu­di­en­gang Po­li­tik, So­zi­al­wis­sen­schaf­ten und Öko­no­mie an der Zep­pe­linU­ni­ver­si­tät Fried­richs­ha­fen mit dem Ba­che­lor ab­ge­schlos­sen – was den Dor­ma­ge­ner nicht dar­an hin­der­te, sich vor knapp vier Wo­chen die Kro­ne des Ein­zel-Eu­ro­pa­meis­ters auf­zu­set­zen.

Als Nach­fol­ger von Be­ne­dikt „Pe­ter“Wa­gner (27). Das Trio bil­det zu­sam­men mit Richard Hübers (24) die rein Dor­ma­ge­ner Ver­eins­mann­schaft in­ner­halb der 137 Sä­bel­fech­ter, die für die WM ge­mel­det ha­ben. Der jüngs­te im Quar­tett ist nach ei­ner Me­nis­kus-Ver­let­zung, die ihn die EM-Teil­nah­me kos­te­te, ge­ra­de recht­zei­tig für die Ti­tel­kämp­fe wie­der fit ge­wor­den.

„Heiß“sind sie al­le auf die HeimWM. „Weil ich es geil fin­de, vor hei­mi­schem Pu­bli­kum ei­ne Me­dail­le zu ge­win­nen“, sagt Be­ne­dikt Wa­gner im Vi­deo-Wer­be­spot auf die Fra­ge, war­um er sich auf die WM in Leip­zig freue. Für Max Har­tung liegt der Reiz dar­in, „dass Freun­de und Ver­wand­te im Pu­bli­kum sit­zen, das ha­ben wir nur ganz sel­ten.“Be­son­de­ren Druck ver­spürt der 27-Jäh­ri­ge trotz­dem nicht, auch wenn er nach dem Sieg bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft, wo er im Fi­na­le den zwei­ma­li­gen Olym­pia­sie­ger Aa­ron Szi­la­gyi (Un­garn) mit 15:7 re­gel­recht de­klas­sier­te, sich selbst „zum Kreis der­je­ni­gen“zählt, „die ei­ne Chan­ce auf den Ti­tel ha­ben.“

Das sieht auch Vil­mos Sz­abo so: „Max hat ei­ne Chan­ce“, auch wenn zur star­ken eu­ro­päi­schen Kon­kur- renz noch die Fech­ter aus den USA und Süd­ko­rea hin­zu­kä­men. Die stel­len im Olym­pia­zwei­ten Da­ryl Ho­mer (3.), in Rio End­sta­ti­on so­wohl für Har­tung als auch im Vier­tel­fi­na­le für Ma­ty­as Sz­abo, Jungw­han Kim (2.) und Bon­gil Gu (4.) gleich drei der ers­ten Vier auf der von Aa­ron Szi­la­gyi an­ge­führ­ten Welt­rang­lis­te. Hin­ter Lu­ca Cu­ra­to­li (Ita­li­en) und Vin­cent An­stett (Frank­reich) folgt Max Har­tung auf Rang sie­ben. Ma­ty­as Sz­abo ist 18., Be­ne­dikt Wa­gner 27., Richard Hübers folgt mit ge­büh­ren­dem Ab­stand auf Platz 49.

Im Ge­gen­satz zu ih­nen le­ben und trai­nie­ren die in der Welt­rang­lis­te füh­ren­den Fech­ter un­ter Pro­fi-Be­din­gun­gen. Das gilt vor al­lem für Ko­rea­ner und Ita­lie­ner, die mit je­weils vier Fech­tern un­ter den TopZwan­zig ver­tre­ten sind – dar­un­ter Alt­meis­ter Al­do Mon­ta­no (15.). Der Olym­pia­sie­ger von At­hen 2004 wird im No­vem­ber 39 Jah­re alt, steht in Leip­zig auf der Plan­che und will noch bis zu den Olym­pi­schen Spie­len 2020 in To­kio wei­ter­ma­chen – in Deutsch­land kaum denk­bar.

Trotz der nur we­ni­gen Trai­nings­mo­na­te, die sei­ne Ath­le­ten seit Rio be­strit­ten ha­ben, trotz der im Ver­gleich zu ei­nem Groß­teil der Kon­kur­renz eher schwie­ri­gen Be­din­gun­gen sagt Vil­mos Sz­abo: „Wir wol­len trotz­dem ver­su­chen, ei­ne Me­dail­le zu ho­len.“Es wä­re sei­ne sieb­te bei ei­ner WM als Bun­des­trai- ner nach Gold für Ni­co­las Lim­bach 2009 in An­ta­lya, des­sen zwei­ten Plät­zen in Pa­ris 2010 und Ca­ta­nia 2011, Bron­ze durch Max Har­tung und die Mann­schaft 2015 in Mos­kau und dem Ti­tel­ge­winn des Teams (Lim­bach, Har­tung, Wa­gner, Sz­abo) 2014 in Ka­zan.

We­sent­lich be­schei­de­ner sind die Er­war­tun­gen bei den Sä­bel­fech­te­rin­nen, wo der TSV Bay­er Dor­ma­gen in An­na Lim­bach (28), Lea Krü­ger (21) und La­ris­sa Eif­ler (18) drei der 110 Teil­neh­me­rin­nen stellt. Vier­te im Auf­ge­bot des Deut­schen Fech­ter­bun­des, das erst­mals bei ei­ner WM von neu­en, am Stütz­punkt in Dor­ma­gen ar­bei­ten­den Bun­des­trai­ner Pier­re Guichot – der 54 Jah­re al­te Fran­zo­se war zu­vor (1999 bis 2008) Chef­trai­ner der fran­zö­si­schen Fech­ter und be­treu­te zu­letzt drei Jah­re lang die Bri­ten – be­treut wird, ist die Eis­lin­ge­rin Ann-So­phie Kind­ler (21). La­ris­sa Eif­ler rück­te für ih­re Ver­eins­kol­le­gin Ju­dith Ku­si­an (22) ins Auf­ge­bot, die sich nach der EM ei­nen dop­pel­ten Bän­der­riss zu­zog. „Die Hoff­nun­gen auf ei­ne Top-Plat­zie­rung ru­hen auf An­na Lim­bach“, sagt Dor­ma­gens Fecht-Ko­or­di­na­tor Max Har­tung, „die an­de­ren sol­len Er­fah­run­gen sam­meln.“Por­trät Max Har­tung Sei­te B 6

Nach dem Auf­takt­sieg des TC BW Neuss in der 2. Ten­nis-Bun­des­li­ga wird klar, war­um vie­le Zweit­li­gis­ten nicht auf­stei­gen woll­ten in der Ver­gan­gen­heit.

FO­TOS: A. BIZZI/FACE­BOOK

Sie „bren­nen“auf und für die Heim-WM: die Dor­ma­ge­ner Sä­bel­fech­ter Richard Hübers, Be­ne­dikt Wa­gner, Max Har­tung und Ma­ty­as Sz­abo (lin­kes Bild v.l.). Im Kampf um Gold könn­te es in Leip­zig ei­ne Neu­auf­la­ge des EM-Fi­na­les ge­ben, das Max Har­tung 15:7 ge­gen Aa­ron Szi­la­gyi (obe­res Bild v.l.) ge­wann.

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