Hüsch star­tet am RLT mit gro­ßer Auf­ga­be

Als der Rechts­an­walt Cor­nel Hüsch zum neu­en Vor­sit­zen­den des RLT-Trä­ger­ver­eins ge­wählt wur­de, ahn­te er nicht, dass gleich ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung auf ihn war­tet: die Su­che nach ei­nem neu­en Thea­ter­in­ten­dan­ten.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KULTUR IN NEUSS - VON HEL­GA BITT­NER

NEUSS Wenn je­mand vor gut ei­nem Jahr dem Rechts­an­walt Cor­nel Hüsch ge­sagt hät­te, dass er ei­nes Ta­ges wie­der als Prak­ti­kant un­ter­wegs ist, hät­te er ver­mut­lich nur ein mü­des Lä­cheln ge­ern­tet. Da wuss­te der Neus­ser mit Kanz­lei im Kopf­ge­bäu­de am Neus­ser Ha­fen auch noch nicht, dass er Vor­sit­zen­der des RLTTrä­ger­ver­eins sein wür­de. Er woll­te schon, denn schließ­lich hat sein Vor­gän­ger Ber­told Reinartz sich früh um ei­nen mög­li­chen Nach­fol­ger ge­küm­mert, aber ge­wählt wer­den muss­te er noch.

Die­se Hür­de hat Cor­nel Hüsch eben­so sou­ve­rän ge­nom­men wie sein plötz­li­ches Da­sein als Prak­ti­kant. Letz­te­res hielt auch nur ei­nen Tag, denn Hüsch ge­hör­te für die­se Zeit zum Tech­nik­team des Thea­ters auf ei­ner Gast­spiel­fahrt der Sha­ke­speare-Ins­ze­nie­rung „Wie es euch ge­fällt“nach Ra­de­vorm­wald, ei­ner dem Trä­ger­ver­ein an­ge­schlos­se­nen und sehr treu zum RLT ste­hen­den Kom­mu­ne.

Dass Thea­ter­ma­chen viel Ar­beit ist, wuss­te Hüsch im­mer aus der Per­spek­ti­ve des Zu­schau­ers, aber sie von un­ten zu be­trach­ten, aus der Sicht je­ner, die jen­seits des künst­le­ri­schen die Auf­füh­rung mög­lich ma­chen, passt auch zu sei­ner Auf­fas­sung der neu­en Auf­ga­be: „Ich se­he in dem Vor­sitz ei­ne die­nen­de Funk­ti­on, aber weiß auch, dass er das Zeug hat, die Neus­ser Kul­tur­land­schaft zu prä­gen.“Und so ur­teilt er auch nach sei­nem Ein-Ta­ge­sPrak­ti­kum: „Gu­te Un­ter­hal­tung ist har­te Ar­beit. Ich ha­be ei­nen enor­men Re­spekt vor der Leis­tung al­ler Mit­ar­bei­ter, die für ei­nen rund zwei­stün­di­gen Abend ins­ge­samt vier­zehn St­un­den im Ein­satz wa­ren.“

Aber auch von Hüsch wur­de sehr schnell ein Ein­satz ver­langt, den er nicht ab­ge­se­hen hat. We­ni­ge Wo- chen nach sei­nem Amts­an­tritt zu Be­ginn des Jah­res gab In­ten­dan­tin Bet­ti­na Jahn­ke be­kannt, dass sie Neuss ver­lässt, weil sie die In­ten­danz des Hans-Ot­to-Thea­ters in Pots­dam über­nimmt. Dass das kei­ne schö­ne Über­ra­schung war, will Hüsch nicht in Abre­de stel­len: „Ich ha­be mir nicht ge­wünscht, gleich in die Cham­pi­ons­le­ague ein­zu­stei­gen“, sagt er lä­chelnd und er­gänzt: „Ich lie­be zwar Her­aus­for­de­run­gen, aber die­se hat gleich mei­nen kom­plet­ten Ka­len­der um­ge­krem­pelt.“Aber na­tür­lich weiß auch er, „dass Frau Jahn­ke die­ses An­ge­bot an­neh­men muss­te“.

Für ihn und den Trä­ger­ver­ein hieß das aber, rasch die Nach­fol­ge zu re­geln. Rasch des­we­gen, weil Jahn­ke ein Jahr frü­her aus ih­rem Neus­ser Ver­trag ent­las­sen wer­den muss­te, denn sie geht zum En­de der nächs­ten Sai­son, wird aber wohl we­gen der Vor­be­rei­tun­gen für Pots­dam ab Be­ginn nächs­ten Jah­res we­ni­ger Zeit für die Neus­ser Büh­ne ha­ben. Die Re­gie für das Ab­schluss­stück im Mai 2018 hat sie da­her schon ab­ge­ge­ben, das Auf­takt­stück zu ih­rer letz­ten Sai­son in Neuss wird sie aber noch in­sze­nie­ren.

Hüsch ist froh, dass die In­te­rims­zeit bis zur Be­stel­lung ei­nes neu­en RLT-In­ten­dan­ten 2019/20 mit dem der­zei­ti­gen Chef­dra­ma­tur­gen Rei­nar Ort­mann gut be­setzt ist. Über­haupt lobt er, dass er schon mit die­sem Ent­schluss nicht al­lein stand: „Ob Ver­wal­tungs­di­rek­tor Dirk Gon- de­sen, Ort­mann selbst oder der Vor­stand des Trä­ger­ver­eins – es gab ei­ne un­glaub­li­che Loya­li­tät.“

Die­se Per­so­nal­ent­schei­dung ver­schafft al­len Be­tei­lig­ten vor al­lem Zeit. Un­ter Hüschs Vor­sitz hat sich ei­ne Fin­dungs­kom­mis­si­on ge­bil­det, die sich be­reits über die Mo­da­li­tä­ten für die Aus­schrei­bung be­ra­ten hat. 13 Mit­glie­der hat das Gre­mi­um, un­ter an­de­rem die Neus­ser Kul­tur­de­zer­nen­tin Chris­tia­ne Zangs, ihr Pen­dant auf Kreis­ebe­ne, Till­mann Lon­nes, der (neue) Neus­ser Kul­tur­aus­schuss-Vor­sit­zen­de samt Stell­ver­tre­ter, der Ge­ne­ral­in­ten­dant des Thea­ters Aa­chen, Micha­el Schmit­zAuf­ter­beck, der ehe­ma­li­ge Di­rek­tor des Deut­schen Büh­nen­ver­eins, Rolf Bol­win, und ein Ver­tre­ter des Lan­des NRW. Der Zeit­plan sieht vor, dass die Aus­schrei­bung En­de Sep­tem­ber/An­fang Ok­to­ber ver­öf­fent­licht wird und die Be­wer­bungs­frist mit dem Herbs­ten­de zu­sam­men­fällt. „Das müss­te ge­nug Zeit für po­ten­zi­el­le Kan­di­da­ten sein“, sagt Hüsch.

Und was muss der neue In­ten­dant kön­nen? „Wir wol­len kei­ne zwei­te Bet­ti­na Jahn­ke“, sagt Hüsch prompt, aber schiebt so­gleich hin­ter­her: „Das ist bei­lei­be kei­ne Kri­tik. Sie hat ei­ne tol­le Ar­beit ge­macht, hin­ter­lässt ein kol­le­gi­al ge­führ­tes Thea­ter, das Pu­bli­kum und En­sem­ble mit­reißt. Aber ihr Weg­gang öff­net auch ei­ne Chan­ce, das RLT neu zu po­si­tio­nie­ren und da­bei die kul­tu­rel­le Ent­wick­lung im Blick be­hal­ten.“

Nicht nur des­we­gen ist er glück­lich dar­über, in der Fin­dungs­kom­mis­si­on den po­li­ti­schen wie auch den künst­le­ri­schen Rat ver­tre­ten zu ha­ben. „Das RLT ist im Raum Düs­sel­dorf/Köln ein sehr in­ter­es­san­tes Haus“, meint er und ist da­von über­zeugt, dass die Zahl der In­ter­es­sen­ten nicht nur groß, son­dern qua­li­ta­tiv auch hoch sein wird.

FO­TO: MO­RITZ PE­TERS

Als Ein-Ta­ges-Prak­ti­kant hat der neue Vor­sit­zen­de des RLT-Trä­ger­ver­eins, Cor­nel Hüsch (2.v.l.), bei ei­nem Ab­ste­cher in Ra­de­vorm­wald auch Thea­ter­ar­beit hin­ter den Ku­lis­sen er­lebt.

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