An­walt­li­ches Rän­ke­spiel

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - STIMME DES WESTENS - VON HEN­NING RA­SCHE

Rechts­an­wäl­te ver­su­chen das Bes­te für ih­re Man­dan­ten. Das ist nicht nur ihr gu­tes Recht, das ist auch ih­re Auf­ga­be. Die­ser Auf­ga­be wer­den die Ver­tei­di­ger der An­ge­klag­ten im NSU-Pro­zess nicht ge­recht. Sie er­rei­chen nicht das Bes­te für ih­re Man­dan­ten, sie er­rei­chen gar nichts. Sie ver­zö­gern, sie blo­ckie­ren, sie ver­hin­dern. Das ist ein an­walt­li­ches Rän­ke­spiel und kei­ne Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie.

Was sich am 374. Ver­hand­lungs­tag im Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen bot, war ein­mal mehr ein sa­gen­haf­tes Trau­er­spiel. Es sit­zen dort 71 Ne­ben­klä­ger, die ge­lieb­te Men­schen ver­lo­ren ha­ben, weil sie von Ter­ro­ris­ten ge­tö­tet wur­den. Sie war­ten dort auf Ge­rech­tig­keit, auf ein En­de die­ses nicht en­den wol­len­den Ver­fah­rens. Und was sie er­le­ben müs­sen ist, dass ein paar Rechts­an­wäl­te so auf der Kla­via­tur der Be­fan­gen­heits- und Ver­zö­ge­rungs­an­trä­ge der Straf­pro­zess­ord­nung zu spie­len wis­sen, dass die Jus­tiz ei­nem ohn­mäch­tig vor­kommt. An­ge­klag­te ha­ben frei­lich Rech­te, die will ih­nen nie­mand neh­men. Aber wenn das Ziel der Ver­tei­di­gung ist, ein En­de des Pro­zes­ses zu ver­zö­gern, dann dient das bloß ih­rem Geld­beu­tel. BE­RICHT NSU-PRO­ZESS: PLÄ­DOY­ERS NACH STREIT . . ., TI­TEL­SEI­TE

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.