Im­mer mehr Be­dürf­ti­ge nut­zen die Ta­fel

Seit zwei Jah­ren ver­teilt die Neus­ser Ta­fel in Klei­nen­broich Le­bens­mit­tel. Die Nach­fra­ge steigt ste­tig.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST / KORSCHENBROICH - VON MA­RI­ON LISKEN-PRUSS

KLEI­NEN­BROICH Di­ens­tag kurz vor 15 Uhr. Rund 30 Be­su­cher war­ten ge­dul­dig dar­auf, dass sich die Tü­ren der „Klei­nen­broi­cher Ta­fel“in der Stra­ße „Am Hal­len­bad“öff­nen. Drin­nen ha­ben sie­ben eh­ren­amt­li­che Hel­fer be­reits Kis­ten mit Le­bens­mit­teln auf Ti­schen be­reit­ge­stellt: Kar­tof­feln gibt es, Paprika, Ba­na­nen und Pflau­men. Wei­ter hin­ten fol­gen fri­sche Bröt­chen, Jo­ghurt und Wurst­wa­ren, auf­ge­teilt in Wurst mit und oh­ne Schwei­ne­fleisch. Auf dem letz­ten Tisch ste­hen so­gar Blu­men­sträu­ße. Seit zwei Jah­ren öff­net die Neus­ser Ta­fel re­gel­mä­ßig di­ens­tags in Klei­nen­broich ih­re Tü­ren. „Die Le­bens­mit­tel, die Su­per­märk­te zu­vor ge­spen­det ha­ben, wer­den von der Ta­fel an­ge­lie­fert“, er­läu­tert Ulrich Lan­ge für die Neus­ser Ta­fel die Vor­ge­hens­wei­se.

Vor­ne an der Tür lässt Ju­li­us Osa­gie (26) je­weils fünf Per­so­nen auf ein­mal hin­ein. Er ist aus Ni­ge­ria ge- flo­hen und hilft beim Ver­tei­len der Le­bens­mit­tel. Die Be­su­cher zei­gen ei­ne Kar­tei­kar­te vor und zah­len zwei Eu­ro. „Wir möch­ten ih­nen auf die­se Wei­se ver­mit­teln, dass die Wa­ren ei­nen Wert ha­ben“, sagt Heinz- Jo­sef Dack­wei­ler, der eh­ren­amt­lich mit­hilft. Dann er­hält je­der ei­nen klei­nen Plas­tik­korb, den die Eh­ren­amt­ler nach den Wün­schen der Be­dürf­ti­gen be­fül­len. „Der Be­darf ist selbst in wohl­ha­ben­den Ge­mein­den wie Kor­schen­broich vor­han­den“, sagt Mo­ni­ka Luchs von der Neus­ser Ta­fel.

Ge­gen 15.30 Uhr wa­ren be­reits 50 Kun­den da. Es sind über­wie­gend Flücht­lin­ge, die sich auf Eng­lisch oder in ge­bro­che­nem Deutsch ver­stän­di­gen. Es kom­men aber auch im­mer mehr alt­ein­ge­ses­se­ne und jün­ge­re Kor­schen­broi­cher, die auf das Ta­fel-An­ge­bot an­ge­wie­sen sind.

Su­san­ne Hu­ber (30) ist ei­ne von ih­nen. Sie hat ei­nen gro­ßen Ki­osk in Köln ge­habt, sich aber dann von ih­rem Mann ge­trennt. Das Job­cen­ter hat sie jetzt zur Ta­fel ge­schickt. „Das ist ein un­an­ge­neh­mes Ge­fühl, wenn man be­reits für sich selbst ge­sorgt hat“, sagt sie. Doch sie ist op­ti­mis­tisch: „Die Ta­fel ist nur ei­ne Pha­se in mei­nem Le­ben.“Ge­drän­ge gibt es bei der Aus­ga­be nicht, das ha­ben die Eh­ren­amt­li­chen gut ge­re­gelt. Wer um 15 Uhr da war und freie Aus­wahl hat­te, darf das nächs­te Mal erst spä­ter kom­men und um­ge­kehrt. Sa­bi­ne Wolf (Na­me von der Red. ge­än­dert) kommt eben­falls re­gel­mä­ßig zur Ta­fel. Sie be­zieht Be­rufs­un­fä­hig­keits­ren­te. Die sei nicht hoch in ih­rem Al­ter, be­dau­ert die 32-Jäh­ri­ge.

Es ist mitt­ler­wei­le 16 Uhr: Der Korb mit Schwei­ne­fleisch ist noch gut ge­füllt. „Vie­le der Flücht­lin­ge las­sen das Schwei­ne­fleisch aus re­li­giö­sen Grün­den lie­gen“, er­klärt Edith Cars­jens, die eben­falls eh­ren­amt­lich zu­packt. Da­für be­füllt sie Sa­bi­ne Wolfs Körb­chen reich­lich mit Schin­ken­wurst und Sa­la­mi.

Ein jun­ger Flücht­ling kehrt noch ein­mal zu­rück. Ob noch Blu­men da wä­ren, möch­te er wis­sen. Doch ge­gen 16 Uhr sind die meis­ten Kis­ten leer. Brot ist noch üb­rig – und ein Schäl­chen mit Him­bee­ren. Der Fah­rer der Neus­ser Ta­fel wird die Res­te spä­ter wie­der ab­ho­len.

FO­TO: IL­G­NER

Je­den Di­ens­tag öff­net die Ta­fel in Klei­nen­broich.

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