Nach Amok-Lauf mit Axt: 37-Jäh­ri­ger vor Ge­richt

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF -

(wuk) In rund sechs Wo­chen star­tet beim Land­ge­richt die Ver­hand­lung über den Amok­lauf ei­nes 37-Jäh­ri­gen am Haupt­bahn­hof. Mit blind­wü­ti­gen Axt-Atta­cken hat­te der Mann im März wahl­los Men­schen im Bahn­hofs­be­reich ver­letzt. Neun Op­fer sind do­ku­men­tiert, vier von ih­nen er­lit­ten schwers­te Kopf­ver­let­zun­gen.

Dem psy­chisch kran­ken An­grei­fer, der bei sei­ner Flucht über ei­ne Bahn­brü­cke am Wor­rin­ger Platz auf die dar­un­ter lie­gen­de Fahr­bahn ge­sprun­gen war und sich da­bei eben­falls er­heb­lich ver­letzt hat­te, droht jetzt aber kei­ne Haft­stra­fe, son­dern die dau­er­haf­te Un­ter­brin­gung in ei­ner ge­schlos­se­nen Psych­ia­trie-Kli­nik. Das hat die Staats­an­walt­schaft be­an­tragt.

Laut Gut­ach­ten sol­len in­ne­re Stim­men ihm den Amok-Lauf be­foh­len ha­ben. Der 37-Jäh­ri­ge lei­det seit Jah­ren an in­zwi­schen chro­ni­fi­zier­ter, pa­ra­no­ider Schi­zo­phre­nie, ei­ner schwe­ren, krank­haf­ten Be­wusst­seins­stö­rung. Er wur­de zwar meist durch sei­ne Fa­mi­lie, spe­zi­ell durch den Bru­der be­treut. Sei­ne Kran­ken­ak­te weist aber meh­re­re sta­tio­nä­re Auf­ent­hal­te in Psych­ia­trie-Kli­ni­ken auf.

Weil er sich in sei­ner Angst vor Ver­fol­gung auch in sei­ner Woh­nung zu­letzt nicht mehr si­cher ge­fühlt ha­be, hat­te der Mann laut den Er­mitt­lun­gen Wo­chen vor der Blut­tat je­ne Axt in ei­nem Bau­markt ge­kauft.

Am Tat­tag nahm er die Waf­fe dann mit zum Haupt­bahn­hof, schlug da­mit im Ein­gangs­be­reich ei­nes S-Bahn-Wa­gens plötz­lich wahl­los um sich. Der Lok­füh­rer je­ner S 28 ver­hin­der­te wo­mög­lich noch weit­aus schlim­me­re Fol­gen, in­dem er die Tü­ren des Zu­ges so­fort ver­schloss, nach­dem Pas­sa­gie­re den Axt-An­grei­fer auf den Bahn­steig ge­sto­ßen hat­ten. Der 37-Jäh­ri­ge setz­te sei­ne An­grif­fe auf dem Gleis und in der tie­fer ge­le­ge­nen Bahn­hofs­hal­le fort. Die Po­li­zei lös­te Amok-Alarm aus und mo­bi­li­sier­te hun­der­te Be­am­te, dar­un­ter auch Ein­satz­kräf­te ei­nes Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos.

Neun Rei­sen­de wur­den durch die Ax­t­hie­be er­heb­lich ver­letzt, dar­un­ter ein 13-jäh­ri­ges Mäd­chen und zwei ita­lie­ni­sche Tou­ris­tin­nen. Das Land­ge­richt gab nicht nur ei­ne psych­ia­tri­sche Be­wer­tung der Schuld­fä­hig­keit des 37-Jäh­ri­gen in Auf­trag, son­dern will klä­ren las­sen, wie es den Amok-Op­fern in­zwi­schen geht. Das sol­len Spe­zia­lis­ten der Rechts­me­di­zin be­ant­wor­ten. Für die Ver­hand­lung über die An­trags­schrift der Staats­an­walt­schaft hat das Land­ge­richt ab 5. Sep­tem­ber neun Pro­zess­ter­mi­ne re­ser­viert.

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