Ge­büh­ren für Bank-SMS blei­ben er­laubt

Der Bun­des­ge­richts­hof schränkt al­ler­dings ein, dass nur für die­je­ni­gen Trans­ak­ti­ons­num­mern Ge­büh­ren ver­langt wer­den dür­fen, die auch tat­säch­lich ver­wen­det wur­den. Das stellt die Ban­ken vor gro­ße Her­aus­for­de­run­gen.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - WIRTSCHAFT - VON MAXIMILIAN PLÜCK

DÜS­SEL­DORF Mit dem Sie­ges­zug der Di­gi­ta­li­sie­rung ha­ben die Ban­ken und Spar­kas­sen auch ei­ne neue Ge­le­gen­heit ent­deckt, Ge­büh­ren von ih­ren Kun­den zu ver­lan­gen. Denn wer sich sei­ne Trans­ak­ti­ons­num­mer (Tan), al­so den mehr­stel­li­gen Si­cher­heits-Co­de für die On­li­neÜber­wei­sung, per SMS schi­cken lässt, der muss bei ei­ni­gen Geld­in­sti­tu­ten da­für be­zah­len. Oft zu­sätz­lich zu den oh­ne­hin an­fal­len­den Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren. Die­se Pra­xis sei rech­tens, ent­schied ges­tern der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) in Karls­ru­he (Az.: XI ZR 260/15). Wir be­ant­wor­ten die wich­tigs­ten Fra­gen rund um das Ver­fah­ren. Wer hat ge­klagt? Der Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band (VZ­BV) hat­te stell­ver­tre­tend die Kreis­spar­kas­se Groß-Gerau (Hes­sen) ver­klagt. Die Ar­gu­men­ta­ti­on der Ver­brau­cher­schüt­zer: Ih­rer An­sicht nach müss­ten mit den Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren al­le Kos­ten ab­ge­deckt sein, al­so auch die­je­ni­gen für die Tan. Der VZ­BV be­män­gel­te, die Ban­ken wür­den Kos­ten für ihr An­ge­bot in im­mer klein­tei­li­ge­re Ent­gel­te auf­tei­len. Für den Kun­den sei es schwie­ri­ger, den Über­blick zu be­hal­ten. Die be­klag­te Spar­kas­se hat­te für das On­li­ne-Kon­to zwei Eu­ro Ge­büh­ren im Mo­nat ver­langt. Je­de SMS-Tan stell­te sie zu­sätz­lich mit zehn Cent in Rech­nung. Was ge­nau be­sagt das Ur­teil? Die Karls­ru­her Rich­ter er­klär­ten die Pra­xis, Ge­büh­ren für ei­ne SMS-Tan zu ver­lan­gen, grund­sätz­lich für zu- läs­sig, mach­ten zu­gleich aber ei­ne Ein­schrän­kung: Ban­ken und Spar­kas­sen dür­fen nur Geld für die­je­ni­gen Tan-Num­mern ver­lan­gen, die tat­säch­lich auch für ei­ne Trans­ak­ti­on ver­wen­det wur­den. Ei­ne pau­scha­le Ge­bühr für je­de ver­schick­te Tan ist hin­ge­gen nicht zu­läs­sig. Was be­deu­tet das Ur­teil für die Bank­kun­den? Ver­brau­cher­schüt­zer ra­ten den Kun­den da­zu, den Ver­sand ei­ner Trans­ak­ti­ons­num­mer per SMS zu do­ku­men­tie­ren. Sie soll­ten die TanSMS al­so nicht lö­schen und sich zu­sätz­lich ge­nau no­tie­ren, für wel­che Trans­ak­ti­on sie die Num­mern ver­wen­det ha­ben. Zu­dem zei­gen man­che Ban­ken auf der Be­nut­zer­ober­flä­che des On­li­ne-Ban­kings die für ei­ne Trans­ak­ti­on ge­nutz­ten Tan an. Hier­von kön­nen Nut­zer Bild­schirm­fo­tos ma­chen oder – falls mög­lich – die Über­sicht ab­spei­chern. Der VZ­BV rät al­len Bank­kun­den, sich mit Ver­weis auf das Ur­teil (Az.: XI ZR 260/15) an ihr In­sti­tut zu wen­den und über die Ge­büh­ren zu ver­han­deln. Wel­che Fol­gen hat das Ur­teil für die Ban­ken? Die­se müs­sen künf­tig nach­ver­fol­gen kön­nen, ob die von ih­nen ver­sand­ten Tans auch tat­säch­lich für ei­ne Trans­ak­ti­on ein­ge­setzt wur­den. Ist dies mit den ak­tu­ell be­ste­hen­den Sys­te­men noch nicht mög­lich, müs­sen die Ban­ken nach­rüs­ten. Wie re­agiert die Bran­che? Ver­hal­ten. Die Kre­dit­wirt­schaft ist ent­täuscht, hat­ten doch die Vo­rin- stan­zen die Ein­schrän­kung nicht ge­macht, dass nur für tat­säch­lich be­nutz­te Tans ei­ne Ge­bühr ver­langt wer­den darf. Den­noch be­grüß­te der Ver­band der Kre­dit­wirt­schaft, dass der BGH „die ei­nen Zah­lungs­dienst aus­lö­sen­de SMS-Tan für ent­gelt­fä­hig hält“. Wie für je­den Pri­vat­kun­den ent­stün­den auch für Kre­dit­in­sti­tu­te beim Ver­sen­den ei­ner SMS Kos­ten und Auf­wand, er­klär­te der Ver­band. Wie vie­le Nut­zer las­sen sich ih­re Tan per SMS schi­cken? Et­wa ein Drit­tel der Kun­den beim Deut­schen Spar­kas­sen- und Gi­ro­ver­band (DSGV) setzt noch auf SMS-Tan. Zah­len der an­de­ren In­sti­tu­te gibt es nicht. Wel­che wei­te­ren Ver­fah­ren zur TanÜber­mitt­lung gibt es? Der Tan-Ge­ne­ra­tor ist dem DSGV zu­fol­ge die meist­ge­nutz­te Va­ri­an­te. Ein klei­nes Ge­rät er­zeugt die Num­mer, die dann mit­hil­fe der Gi­ro­kar­te ab­ge­le­sen wird. Für das Er­stel­len fal­len kei­ne Ge­büh­ren an, die Ge­rä­te kos­ten um die zehn Eu­ro.

Ein wei­te­res Ver­fah­ren ist die TanApp für Smart­pho­ne-Nut­zer. Sie kön­nen die Tan di­rekt auf dem Smart­pho­ne ab­le­sen. Vor­teil: Kun­den brau­chen kein zu­sätz­li­ches Ge­rät. Die App ist kos­ten­los.

Bei der Tan-Über­mitt­lung per Post er­hält der Kun­de ei­ne per­sön­li­che Lis­te mit Num­mern und da­zu­ge­hö­ri­gen Tans. Bei je­der Trans­ak­ti­on be­kommt er an­schlie­ßend ei­ne Num­mer aus dem Do­ku­ment ge­nannt und muss die pas­sen­de Num­mer beim On­li­ne-Ban­king ein­tra­gen.

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