Kor­ri­do­re für die Strom­au­to­bahn

Am­pri­on stell­te ges­tern Va­ri­an­ten der Strom­tras­sen für A-Nord bis Os­terath vor. Von dort muss der Strom dann in den um­strit­te­nen Dop­pel­kon­ver­ter, den das Un­ter­neh­men am liebs­ten auf der Kaars­ter Drei­ecks­flä­che bau­en wür­de.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - KAARST - VON THO­MAS HES­SE UND DAG­MAR FISCH­BACH

KAARST/WE­SEL Der Dort­mun­der Über­tra­gungs­netz­werk­be­trei­ber Am­pri­on hat ges­tern im Um­spann­werk We­sel die Kor­ri­do­re für die ANord-Tras­se zwi­schen Em­den an der Nord­see und Os­terath vor­ge­stellt. Dort soll es ei­nen Netz­ver­knüp­fungs­punkt ge­ben – und mög­lichst dicht dar­an der Stand­ort des Dop­pel­kon­ver­ters sein, weil die An­bin­dung über Erd­ka­bel er­folgt. So möch­te es das Un­ter­neh­men, das die so­ge­nann­te „Drei­ecks­flä­che“in Kaarst – zwi­schen Bahn­schie­nen, A 57 und L30 – fa­vo­ri­siert. Dort ist aber auch nach dem ak­tu­el­len Ent­wurf des Re­gio­nal­plans Kies­ab­bau vor­ge­se­hen. „Das heißt aber noch lan­ge nicht, dass der Stand­ort aus dem Ren­nen ist. Am­pri­on hat im­mer noch die Mög­lich­keit, die Drei­ecks­flä­che durch­zu­set­zen – et­wa über ein Ziel­ab­wei­chungs­ver­fah­ren“, sagt Gui­do Ot­ter­bein von der Initia­ti­ve „Kein Dop­pel­kon­ver­ter in Kaarst und Neuss“.

Die Tras­sen­kor­ri­do­re, die jetzt in We­sel vor­ge­stellt wur­den, be­schrei­ben in un­ter­schied­li­chen, sich häu­fig ver­zwei­gen­den Va­ri­an­ten die mög­li­chen Ver­läu­fe der mehr als 300 Ki­lo­me­ter lan­gen Tras­se, die vor­wie­gend als Erd­ka­bel aus­ge­führt wer­den soll und über­schüs­si­gen Wind­strom aus dem Nor­den Nie­der­sach­sen in die Bal­lungs­räu­me von NRW lei­tet. Von Nor­den aus ge­se­hen bis ins länd­li­che Bor­ken ist die Strom­au­to­bahn re­la­tiv un­pro­ble­ma­tisch. Von dort aus mei­det die Tras­se das dicht be­sie­del­te Ruhr­ge­biet, durch­zieht mit vier mög­li­chen Rhein­un­ter­que­run­gen den Nie­der- rhein, um­geht links­rhei­nisch Städ­te wie Kre­feld und en­det am Kon­ver­ter, der den Gleich- in Wech­sel­strom um­wan­delt. Die Kor­ri­dor-Vor­schlä­ge, die ei­nen Ki­lo­me­ter breit sind, sich mehr­fach spal­ten und wie­der zu­sam­men­fin­den, be­rüh­ren die Be­lan­ge zahl­rei­cher Kom­mu­nen und ha­ben des­halb Kon­flikt­po­ten­zi­al. In acht Bür­ger­ver­an­stal­tun­gen in der Re­gi­on so­wie wei­te­ren In­fo­ak­tio­nen will Am­pri­on nun Ak­zep­tanz schaf­fen und Ve­rän­de­rungs­be­darf er­kun­den, um im März 2018 ei­nen Tras­sen­an­trag bei der Bun­des­netz­agen­tur zu stel­len. Ab 2021 soll ge­baut wer­den, 2025 soll die Hoch­leis­tungs­tras­se fer­tig sein. Kos­ten­punkt samt Kon­ver­ter: zwei Mil­li­ar­den Eu­ro. Die A-Nord-Tras­se ist der süd­li­che Teil des so­ge­nann­ten Ul­tra­nets, das in Phil­ipps­burg in Ba­denWürt­tem­berg en­det. Die Tras­sen­kor­ri­do­re sind nach der letz­ten Be­wer­tung ei­ner Mas­ter­stu­die ge­ra­de eben fest­ge­legt wor­den, um in die Fein­pla­nung und den Bür­ger­di­alog zu ge­hen. Im Au­gust und Sep­tem­ber be­gin­nen die Ver­an­stal­tun­gen in dich­ter Rei­hen­fol­ge. Der Zeit­plan ist am­bi­tio­niert. Im Ver­fah­ren, an des­sen En­de der Netz­be­trei­ber sei­nen Vor­zugs­kor­ri­dor be­nennt, kön­nen Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge und Pri­vat­per­so­nen bei An­trags­kon­fe­ren­zen ih­re Vor­schlä­ge für wei­te­re zu prü­fen­de Kor­ri­do­re ein­brin­gen. Das heißt: Die ver­schie­de­nen Tras­sen sind ver­än­der­bar, gleich­wohl wur­de ges­tern die vor­lie­gen­de Pla­nung als „ro­bust“be­zeich­net. „Wir ha­ben von An­fang an ge­sagt, dass wir trans­pa­rent un­ter­wegs sind. Nach der ers­ten Dia­log­pha­se mit den Trä­gern öf­fent­li­cher Be­lan­ge folgt nun der in­ten­si­ve Dia­log mit den Bür­gern“, be­ton­te A-Nord-Pro­jekt­lei­ter Klaus We­we­ring.

Der Pro­test ge­gen den Kon­ver­ter ist groß. Bis Os­terath soll der Strom von der Nord­see durch Erd­ka­bel in Tras­sen trans­por­tiert wer­den.

FO­TOS: KI-, AM­PRI­ON, WEIH­RAUCH

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.