Ra­bia­ter Fahr­gast er­hält Be­wäh­rungs­stra­fe

Amts­ge­richt ver­ur­teilt 59-Jäh­ri­gen we­gen ver­such­ter ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - LANDESHAUPTSTADT DÜSSELDORF - VON WULF KANNEGIESSER

Die Ge­waltat­ta­cke ei­nes Rhein­bahn-Pas­sa­giers (59) hät­te für ei­nen Bus­fah­rer der Li­nie 733 im Ok­to­ber 2016 töd­lich en­den kön­nen. Das stell­te ein Amts­rich­ter ges­tern im Pro­zess ge­gen den ra­bia­ten Fahr­gast fest. Und doch hat­te die Staats­an­walt­schaft den An­griff auf den Bus­fah­rer (52) mit ei­nem lan­gen Schrau­ben­dre­her nicht als Tö­tungs­ver­such ge­wer­tet und an­ge­klagt, son­dern war nur von ei­ner ver­such­ten ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung aus­ge­gan­gen. Al­so be­schränk­te sich der Rich­ter dar­auf nun im Ur­teil. Der ge­stän­di­ge Tä­ter wur­de nach 20 Vor­stra­fen zu 14 Mo­na­ten Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt.

Er ha­be schon bei der Ab­fahrt des Bus­ses am Mör­sen­broi­cher Weg „ei­ne ro­te Wol­ke um sich ge­habt“, ließ der An­ge­klag­te über sei­nen Ver­tei­di­ger vor­tra­gen. Als sich dann (nach et­li­chen Vor­stra­fen, auch we­gen Schwarz­fahr­ten) noch ein Dis­put mit dem Bus­fah­rer um die Gül­tig­keit sei­nes Ti­ckets er­gab, hat­te der An­ge­klag­te den Rhein­bah­ner an­ge­herrscht: „Willst Du ster­ben? Ich wer­de Dich tö­ten!“Der Bus­fah- rer ges­tern im Zeu­gen­stand: „Al­so ha­be ich die Hand­brem­se an­ge­zo­gen, bin vom Sitz auf­ge­stan­den und hab‘ ge­sagt: ‚Ok, bring‘ mich um!’“

Doch da zog der An­ge­klag­te, wie er zu­gab, ei­nen 20 Zen­ti­me­ter lan­gen Schrau­ben­dre­her, ha­be da­mit vor dem Fah­rer her­um­ge­fuch­telt. Der Fah­rer er­zähl­te al­ler­dings: „Er ver­such­te, da­mit in mei­ne Bauch­ge­gend ste­chen, ich konn­te sei­ne Hand aber fest­hal­ten“– und die Waf­fe nach kur­zem Ger­an­gel dem An­ge­klag­ten ab­neh­men. „Ein sol­cher Schrau­ben­dre­her ist durch­aus ge­eig­net, töd­li­che Ver­let­zun­gen bei- zu­brin­gen“, merk­te der Rich­ter an. Und da beim An­ge­klag­ten da­nach nur ge­rin­ge Res­te von Rauch­gift­kon­sum fest­ge­stellt wor­den sind, sah der Rich­ter kei­nen Grund, an des­sen Schuld­fä­hig­keit zu zwei­feln.

Der 59-Jäh­ri­ge hat­te sich schon vor dem Pro­zess um ein An­ti-Ag­gres­si­vi­täts-Trai­ning be­müht. Al­so ent­ließ der Rich­ter ihn mit 14 Mo­na­ten Be­wäh­rungs­stra­fe für frü­he­re Schwarz­fahr­ten und den An­griff auf den Bus­fah­rer. Als Auf­la­ge muss der An­ge­klag­te das Trai­ning durch­ste­hen. Zu­dem soll er 100 St­un­den So­zi­al­ar­beit leis­ten.

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