SPD: CDU ver­zö­gert Bar­rie­re­frei­heit

Bis 2022 sol­len al­le Hal­te­stel­len in Neuss bar­rie­re­frei sein. Die Stadt strebt Aus­nah­me­re­ge­lun­gen an – und die po­li­ti­sche De­bat­te zieht sich.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - MEDIEN - VON ANDRE­AS BUCHBAUER

NEUSS Die Stadt steht vor ei­ner Mam­mut­auf­ga­be – und hofft da­bei auf den Fak­tor Zeit. Bis zum 1. Ja­nu­ar 2022 sol­len al­le Bus­hal­te­stel­len in Neuss bar­rie­re­frei sein. Laut Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz soll der Nah­ver­kehrs­plan die Um­set­zung re­geln. Und der bie­tet ei­ne Aus­nah­me: Die Frist gilt nicht, wenn Aus­nah­men im Nah­ver­kehrs­plan kon­kret be­nannt und be­grün­det wer­den. An ei­ner ent­spre­chen­den Prio­ri­sie­rung wird der­zeit ge­ar­bei­tet, auch, um beim Aus­bau et­was Luft zu ha­ben. Laut Pla­nungs­de­zer­nent Chris­toph Höl­ters sind in Neuss ak­tu­ell 137 der 224 Hal­te­stel­len noch nicht bar­rie­re­frei. „Die Hälf­te da­von wird al­ler­dings eher sel­ten fre­quen­tiert“, sagt Höl­ters. Das könn­te Spiel­raum bie­ten, um die bar­rie­re­freie Ge­stal­tung erst spä­ter um­zu­set­zen. Die 70 nicht stark fre­quen­tier­ten Hal­te­stel­len sol­len da­her erst nach 2022 bar­rie­re­frei wer­den.

Das wür­de die Stadt beim Aus­bau ent­las­ten. Al­les bis 2022 zu stem­men, sei laut Ver­wal­tung al­lei­ne aus Ka­pa­zi­täts­grün­den nicht mach­bar. Ein Pro­blem ist je­doch nicht nur die bau­li­che Um­set­zung der Maß­nah­me, son­dern auch die Fi­nan­zie­rung. Pro Hal­te­stel­le müs­se – je nach Grö­ße der Um­ge­stal­tung – mit Kos­ten ab 50.000 Eu­ro ge­rech­net wer­den, man sei auch schnell im Be­reich über 100.000 Eu­ro. Ei­nen Groß­teil da­von muss die Stadt schul­tern. „Es gibt zwar För­der­mit­tel vom Land, al­ler­dings liegt der ma­xi­ma­le Be­trag bei 25.000 Eu­ro je Hal­te­stel­le“, er­klärt Höl­ters.

Karl Heinz Baum (CDU) ha­dert mit den Kos­ten. Der Vor­sit­zen­de des Pla­nungs­aus­schus­ses ver­weist auf die Fi­nan­zie­rungs­fra­ge. „Wenn es ei­ne ver­bind­li­che Ver­pflich­tung sei­tens des Lan­des zum Um­bau gibt, müss­te die För­de­rung mei­nes Erach­tens viel hö­her sein“, be­tont er. Und er sieht Klä­rungs­be­darf, wie die Bar­rie­re­frei­heit im je­wei­li­gen Ein­zel­fall bau­lich um­ge­setzt wer­den soll. „Wir sind für Bar­rie­re­frei­heit – aber das darf nicht zu­las­ten ei­nes ver­stärk­ten Rück­baus von Bus­buch­ten ge­hen“, warnt Baum. Der Um­bau müs­se den flie­ßen­den Ver­kehr be­rück­sich­ti­gen. Im Ju­ni hat­te die CDU da­her zum Bei­spiel noch ein­mal kurz­fris­tig er­neu­ten Prüf­be­darf im Fall der Hal­te­stel­le „Sport­ha­fen“an der Köl­ner Stra­ße an­ge­mel­det, so dass ei­ne Ent­schei­dung erst in der Ju­li-Sit­zung des Ra­tes ge­fällt wur­de.

Die SPD ha­dert mit sol­chem Vor­ge­hen. „Bar­rie­re­frei­heit ist in Neuss viel zu lan­ge ver­nach­läs­sigt wor­den. Das Hin und Her kos­tet nur noch mehr Zeit“, sagt Sa­scha Kar­bo­wi­ak (SPD). Die CDU be­trei­be ei­ne Art Zeit­spiel. „Es ist nicht nach­voll­zieh­bar, dass wir hier wie­der und wie­der über längst Be­spro­che­nes dis­ku­tie­ren müs­sen.“Baum weist den Vor­wurf zu­rück. Es ge­he sch­licht dar­um, die bes­te Lö­sung zu fin­den. Im Fall der Hal­te­stel­le „Sport­ha­fen“ha­be man der „Kom­pro­miss-Lö­sung“dann auch zu­ge­stimmt.

Die Fra­ge ist nun, wie vie­le Hal­te­stel­len bis 2022 um­ge­rüs­tet wer­den kön­nen. Karl Heinz Baum hat der Ver­wal­tung jetzt ei­nen Fra­gen­ka­ta­log ge­schickt, in dem es um Rah­men­be­din­gun­gen und Aus­nah­men für den bar­rie­re­frei­en Aus­bau bis zum Stich­tag 1. Ja­nu­ar 2022 geht – und um die wei­te­re Be­hand­lung in den po­li­ti­schen Gre­mi­en.

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