Köln: 65 Men­schen in Gon­deln ge­fan­gen

Weil sich ges­tern Nach­mit­tag ei­ne Gon­del der Köl­ner Seil­bahn ver­hak­te, muss­ten die Pas­sa­gie­re von Hö­hen­ret­tern be­freit wer­den. Da­bei spiel­ten sich dra­ma­ti­sche Sze­nen ab. Ur­sa­che des Un­falls war wohl ein tech­ni­scher Feh­ler.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON JÖRG ISRINGHAUS UND MAR­TIN OVERSOHL

KÖLN Auf der Gon­del pran­gen WDRMaus und Ele­fant, doch nach La­chen ist den zwei Er­wach­se­nen und zwei Kin­dern in der Ka­bi­ne ges­tern Nach­mit­tag nicht zu Mu­te. Ge­gen 15.20 Uhr wi­ckelt sich das Hilfs­seil, das zwi­schen den vier Sei­len der Gon­del hängt, um ei­nes der an­de­ren Sei­le. Als Fol­ge ver­keilt sich die Gon­del am ers­ten Pfei­ler auf der links­rhei­ni­schen Sei­te und bleibt in Schräg­la­ge hän­gen. Weil da­mit der au­to­ma­ti­sche Not­stopp für die Seil­bahn ak­ti­viert wird, stockt der ge­sam­te Be­trieb. 32 Gon­deln sind zu die­ser Zeit im Um­lauf. Man ge­he da­von aus, dass 76 Men­schen in den Gon­deln ge­fan­gen sind, heißt es zu­nächst bei den Köl­ner Ver­kehrs Be­trie­ben (KVB), spä­ter mel­det die Stadt Köln dann 65 Be­trof­fe­ne, da­von 20 Kin­der. Sie al­le müs­sen ban­ge St­un­den er­le­ben – am Abend gibt die Feu­er­wehr be­kannt, dass al­le Fahr­gäs­te wie­der am Bo­den sind. „In die­ser Grö­ßen­ord­nung ist das noch nie pas­siert“, sagt ein Feu­er­wehr-Spre­cher. Beim letz­ten Ein­satz Spre­cher Feu­er­wehr Köln Ge­schäfts­füh­rer der Köl­ner Seil­bahn-Ge­sell­schaft, bis­lang nur rät­seln: „Mor­gen schaut sich der TÜV das an, bis­lang wis­sen wir es nicht.“

Im Herbst 2014 saß ei­ne Fa­mi­lie vier St­un­den in ei­ner Gon­del fest, weil ein Rad bei Sturm aus der Füh­rung ge­sprun­gen war. Hö­hen­ret­ter seil­ten die Fa­mi­lie aus 40 Me­tern Hö­he auf ein Boot im Rhein ab. Da­mals war die Seil­bahn trotz ei­ner Sturm­war­nung des Deut­schen Wet­ter­diens­tes am Mor­gen in Be­trieb ge­nom­men wor­den.

Dass War­nun­gen igno­riert wor­den sei­en, ver­nein­te Ge­schäfts­füh­rer Mie­bach da­mals ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on. „Die Wind­böe traf die Seil­bahn, als wir sie ge­ra­de rein­ho­len woll­ten“, sag­te er. In den Vor­her­sa­gen sei von so ho­hen Wind­ge­schwin­dig­kei­ten nicht die Re­de ge­we­sen, mein­te er. Die Seil­bahn ver­fügt über spe­zi­el­le Wind-Mes­ser an den Py­lo­nen. Sie über­prü­fen stän­dig, ob der Be­trieb noch auf­recht­er­hal­ten wer­den kann. „Wird es zu win­dig, schla­gen sie Alarm, und wir ho­len die Ka­bi­nen rein“, so Mie­bach da­mals.

Die Seil­bahn ist ei­ne Toch­ter der Köl­ner Ver­kehrs-Be­trie­be AG. Die Ka­bi­nen que­ren nicht nur den Rhein, son­dern schwe­ben auch ein Stück über die Zoo­brü­cke und ei­ne viel be­fah­re­ne Ver­kehrs­ader der Dom­stadt. Auf­merk­sam dürf­te der Zwi­schen­fall auch in Wup­per­tal und Bonn ver­folgt wer­den. Dort gibt es Plä­ne, Seil­bah­nen im Nah­ver­kehr ein­zu­set­zen. In Bonn hat ein Gut­ach­ten er­ge­ben, dass ei­ne Seil­bahn tech­nisch mach­bar ist. Sie soll vom UN-Cam­pus an der Mu­se­ums­mei­le hoch zur Uni­k­li­nik auf dem Ve­nus­berg füh­ren, mit Op­ti­on ei­ner Ver­län­ge­rung über den Rhein. Al­ler­dings hat sich in Bonn eben­so wie in Wup­per­tal Wi­der­stand ge­gen die Plä­ne for­miert.

„In die­ser Grö­ßen­ord­nung ist das noch nie pas­siert“

FO­TO: KRAS­NI­QI

Aus der Gon­del, bei der sich das Hilfs­seil um ei­nes der an­de­ren Sei­le ge­wi­ckelt hat­te, wer­den ei­ne Frau und ein Kind ab­ge­seilt. Die Be­trof­fe­nen sei­en auf­ge­wühlt, aber wohl­auf, hieß es sei­tens der Feu­er­wehr.

FOTOS: DPA

Ein Mann wird aus rund 40 Me­ter Hö­he über dem Rhein auf ein Schiff der Feu­er­wehr ab­ge­seilt.

Auch mit Dreh­lei­tern wur­den Pas­sa­gie­re aus den Gon­deln ge­ret­tet.

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