Der Papst muss eher Seel­sor­ger sein

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - VORDERSEITE -

Die Hal­tung der ka­tho­li­schen Kir­che zur Ab­trei­bung ist ein­deu­tig. Sie ist Un­recht. Päps­te und Bi­schö­fe ver­tre­ten die­se Hal­tung mit gro­ßer Ve­he­menz und scheu­en sich nicht, sie als Mord zu ver­dam­men. Jetzt nennt Papst Fran­zis­kus sie so­gar Auf­trags­mord. Manch­mal wünscht man sich, die glei­che Wucht in der Sa­che, nicht in der Wort­wahl hät­te die Kir­che beim mas­sen­haf­ten Miss­brauch in den ei­ge­nen Rei­hen an den Tag ge­legt.

Dass Ab­trei­bung Un­recht ist, sagt auch der deut­sche Ge­setz­ge­ber. Aber er ist klug ge­nug, das nicht wie ein Ver­bre­chen zu ver­fol­gen. Denn in den meis­ten Fäl­len se­hen sich Frau­en da­zu ge­nö­tigt, weil sie kei­nen an­de­ren Aus­weg mehr se­hen. Wer­den­des Le­ben zu zer­stö­ren, fällt nie­man­dem leicht. Und auch die mit­be­tei­lig­ten Män­ner tra­gen gro­ße Ver­ant­wor­tung.

Wenn die Kir­che ih­ren Ein­satz für das Le­ben ernst neh­men will, muss sie sich auf ih­re hel­fen­de Rol­le be­sin­nen. Auch der Papst ist zu­erst Seel­sor­ger. Im Sin­ne der Ver­ant­wor­tungs­ethik, die an­ders als die Ge­sin­nungs­ethik die Be­grenzt­heit der Men­schen an­er­kennt, muss er sich da­für ein­set­zen, die Zahl der Ab­trei­bun­gen zu ver­min­dern. Das un­nö­ti­ge Wort des Auf­trags­mords hilft da we­nig.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.