Wäh­ler in der Pflicht

Neuss-Grevenbroicher Zeitung (Neuss) - - VORDERSEITE -

Die schwarz-gel­be Ko­ali­ti­on be­rei­tet die Ab­schaf­fung der kom­mu­na­len Stich­wah­len vor. Künf­tig soll für die Wahl von Bür­ger­meis­tern und Land­rä­ten die ein­fa­che Mehr­heit im ers­tenWahl­gang ge­nü­gen. Das Ar­gu­ment, Stich­wah­len wür­den zu­sätz­li­chen Kos­ten ver­ur­sa­chen, ist vor­ge­scho­ben. In Wahr­heit ver­spricht sich vor al­lem die CDU ei­nen stra­te­gi­schen Vor­teil. Sie sieht ih­re Kan­di­da­ten we­gen der struk­tu­rel­len SPD-Kri­se bei ein­fa­chen Mehr­heits­wah­len ten­den­zi­ell vor­ne. Zu­gleich fürch­tet sie die Un­wäg­bar­kei­ten ei­nes Kopf-an-Kopf-Ren­nens, bei dem die Wäh­ler der aus­ge­schie­de­nen Kan­di­da­ten sich in ei­nem kaum kal­ku­lier­ba­ren Pro­zess auch dem CDU-Ge­gen­kan­di­da­ten an­schlie­ßen könn­ten.

Man darf sol­che tak­ti­schen Er­wä­gun­gen kri­ti­sie­ren. ZurWahr­heit ge­hört aber auch: Bei den jüngs­ten Stich­wah­len ging im Schnitt nur je­der drit­te Wäh­ler zur Ur­ne. Da­mit lie­fern die Bür­ger selbst der Po­li­tik ei­ne Steil­vor­la­ge für die Ab­schaf­fung der Stich­wahl. Die Leh­re dar­aus: Wah­len, zu de­nen kaum je­mand geht, sind in Le­bens­ge­fahr. Das gilt auch und ge­ra­de für die be­vor­ste­hen­de Eu­ro­pa­wahl.

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