Zwei Voll­for­ma­te im Du­ell

NikonBIBEL - - INHALTSVERZEICHNIS -

Ca­non EOS 6D Mk II ge­gen Ni­kon D750

DAS DU­ELL | Ist das ein fai­rer Zwei­kampf? Wir las­sen ei­ne brand­neue CA­NON-DSLR ge­gen ein drei Jah­re al­tes Ni­kon-pen­dant an­tre­ten. Drei Jah­re Tech­no­lo­gie­vor­sprung. Das ist ein leich­tes Spiel für die Ca­non – soll­te man mei­nen. Doch dem ist nicht so. War­um, be­weist un­ser di­rek­ter Ver­gleich bei­der Ka­me­ras. Los geht’s!

Lan­ge ha­ben am­bi­tio­nier­te Ca­non-fo­to­gra­fen auf die EOS 6D Mark II ge­war­tet. Rund fünf Jah­re nach Ein­füh­rung der EOS 6D ist sie nun da – die neue Ein­stei­ger­ka­me­ra mit Voll­for­mat­sen­sor im Ca­non-seg­ment. Der ja­pa­ni­sche Her­stel­ler lässt sich den Ein­stieg ins Voll­for­mat vom Fo­to­gra­fen al­ler­dings teu­er be­zah­len. Mit ei­nem ak­tu­el­len Han­dels­preis von rund 2.100 Eu­ro darf es aber auch ver­ständ­li­cher­wei­se ho­he Er­war­tun­gen an die Ka­me­ra ge­ben.

Im di­rek­ten Ver­gleich ist das Kon­kur­renz­mo­dell von Ni­kon der­zeit für deut­lich we­ni­ger Geld zu ha­ben: Die D750 ging für et­wa 2.150 Eu­ro an den Ver­kaufs­start und liegt mo­men­tan bei ei­nem Han­dels­preis von rund 1.750 Eu­ro in On­li­ne­shops. Das ent­spricht ei­ner Er­spar­nis von et­wa 350 Eu­ro. Dass die Ni­kon auf­grund ih­res Al­ters güns­ti­ger ist, ver­wun­dert nicht. Den­noch stellt sich die Fra­ge: Was lohnt sich mehr? Die Er­spar­nis der D750 oder der Auf­preis zur EOS 6D Mark II? Und genau die­se Fra­ge wol­len wir im Fol­gen­den klä­ren.

Schau­en wir uns zu­nächst die Sen­so­ren im Ver­gleich an. Bei bei­den Ka­me­ras han­delt es sich um Voll­for­mat­sen­so­ren, sprich bei­de Ka­me­ras sind für pro­fes­sio­nel­le Ob­jek­ti­ve des je­wei­li­gen Her­stel­lers kon­zi­piert. Doch die Ni­kon D750 ist als Fx-ka­me­ra auch mit Dx-ob­jek­ti­ven kom­pa­ti­bel. Ein gro­ßer Vor­teil für Fo­to­gra­fen, die be­reits in ei­ne Hand­voll Aps-c-ob­jek­ti­ve in­ves­tiert ha­ben und die­se nun trotz Ka­me­ra-up­date wei­ter nut­zen wol­len. Der Cmos-sen­sor der Ni­kon D750 löst 24,3 Me­ga­pi­xel auf. Da­ge­gen bie­tet die Ca­non EOS 6D Mark II mit 26,2 Me­ga­pi­xeln nur ein we­nig mehr. Bei­de Her­stel­ler set­zen bei den Ka­me­ras auf ei­nen in­te­grier­ten Tief­pass­fil­ter. Un­ser La­b­or­test er­gab, dass die Bild­qua­li­tät auf Au­gen­hö­he ist, die Ca­non aber letzt­lich doch den Kür­ze­ren ge­gen­über der Ni­kon zieht (90 % vs. 90,51 %). Der Licht­emp­find­lich­keits­be­reich der Ni­kon D750 reicht bis ISO 51.200. Die Ca­non EOS 6D Mark II bie­tet mit ISO 102.400 gleich ei­nen dop­pelt so gro­ßen Spiel­raum. Auf die ma­xi­ma­le Licht­emp­find­lich­keit soll­te man aber nur in Aus­nah­me­fäl­len zu­rück­kom­men. Bei­de Ka­me­ras lie­fern bis ein­schließ­lich ISO 3200 rau­scharme Er­geb­nis­se. Ab ISO 6400 ist das Far­b­rau­schen dann bei bei­den Mo­del­len deut-

lich mess- und auch sicht­bar. In un­se­rem di­rek­ten Ver­gleich ha­ben wir ein­zel­ne Iso-wer­te aus un­se­rem Pra­xis­test ne­ben­ein­an­der­ge­stellt. Auf der nächs­ten Sei­te fin­den Sie au­ßer­dem ein wei­te­res Pra­xis­bild für ei­nen bes­se­ren Ver­gleich mit ei­ner ge­cropp­ten 100%-An­sicht.

Un­ter­schied­li­che Aus­stat­tung

Wenn sich bei­de Ka­me­ras schon nicht in der Bild­qua­li­tät mas­siv un­ter­schei­den, dann viel­leicht in der Aus­stat­tung? Genau so ist es! Im Ver­gleich des Au­to­fo­kus­sys­tems er­ge­ben sich grö­ße­re Un­ter­schie­de. Die Ni­kon D750 bie­tet 51 Mess­fel­der, da­von sind nur 15 Kreuz­sen­so­ren. Die Ca­non EOS 6D Mark II bie­tet mit 45 Mess­fel­dern zwar ent­schei­dend we­ni­ger, da­für sind al­le Mess­fel­der Kreuz­sen­so­ren. Klas­se! Im De­tail ent­spricht der Du­al-pi­xel-cmos-au­to­fo­kus der CA­NON-DSRL ei­nem be­reits be­kann­ten Schwes­ter­mo­dell: und zwar dem Au­to­fo­kus­sys­tem der EOS 80D. Die Du­al-pi­xel-cmos-tech­no­lo­gie eig­net sich auch her­vor­ra­gend für Vi­deo­auf­zeich­nung und wei­che Schär­fe­ver­läu­fe. Dass die EOS 6D Mark II aber nicht gera­de dem Wunsch ei­nes Fil­mers ent­spricht, klä­ren wir gleich.

Der Expeed-4-bild­ver­ar­bei­tungs­pro­zes­sor der Ni­kon D750 ist zwar mitt­ler­wei­le in die Jah­re ge­kom­men, den­noch nach wie vor zü­gig. Der neue Di­gic-7-pro­zes­sor er­mög­licht in der Ca­non-neu­heit eben­falls ei­ne ho­he Ver­ar­bei­tungs­ge­schwin­dig­keit. Wie für se­mi­pro­fes­sio­nel­le DSLRS üb­lich, ver­fü­gen so­wohl die Ca­non EOS 6D Mark II als auch die Ni­kon D750 über ein Schul­ter­dis­play. Toll, für ei­nen kur­zen Blick

Die drei Jah­re al­te D750 bie­tet im Ver­gleich ei­ne bes­se­re Aus­stat­tung als die brand­neue Ca­non EOS 6D Mark II. Tim Her­pers, Test & Tech­nik

auf die Ein­stel­lun­gen, wenn die Ka­me­ra auf Brust­hö­he ge­hal­ten wird oder bo­den­nah po­si­tio­niert ist. Bei­de Ka­me­ras ver­fü­gen über ei­nen Pen­ta­pris­ma-su­cher. Das er­mög­licht ein hel­les, kla­res Su­cher­bild. Doch der Su­cher der Ca­non deckt im Ge­gen­satz zur Ni­kon nicht das ge­sam­te Bild­feld ab (98 % vs. 100 %). Punkt für die Ni­kon.

Wer­fen wir ei­nen Blick auf das je­wei­li­ge rück­sei­ti­ge Dis­play der Ka­me­ras, er­ge­ben sich eben­falls Un­ter­schie­de. Der kipp­ba­re Mo­ni­tor der Ni­kon D750 ist mit ei­ner Dia­go­na­len von 3,2 Zoll grö­ßer und hö­her auf­ge­löst als der 3-Zoll-mo­ni­tor der EOS 6D Mark II. Da­für ist das Dis­play der Ca­non touch­fä­hig, da­zu dreh- und schwenk­bar. Ein gro­ßer Vor­teil der Ca­non. Die Über­sicht über den Mo­ni­tor im Live-view-mo­dus ist bei bei­den Ka­me­ras gut. Wer ger­ne filmt, er­war­tet bei der Eos-6d-neu­heit si­cher Vi­deo­auf­lö­sung in 4K. Ca­non sieht das an­ders. Wie die drei Jah­re al­te Ni­kon D750 bie­tet die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on der EOS 6D ma­xi­mal Full-hd-auf­lö­sung mit 60 Bil­dern pro Se­kun­de. An­ge­sichts des Prei­ses ist es er­neut er­nüch­ternd, dass Ca­non hier auf mo­der­ne Vi­deo­auf­lö­sung ver­zich­tet und die­se erst im nächst pro­fes­sio­nel­le­rem Mo­dell, der EOS 5D Mark IV, er­mög­licht. Die Ca­non EOS 6D Mark II ist dank Wi-fi, Blue­tooth und GPS den­noch gut aus­ge­stat­tet. Der Ni­kon fehlt ein in­te­grier­tes Gps­mo­dul. Die­ses ist nur op­tio­nal er­hält­lich. Wer ger­ne mit ei­nem Auf­klapp­blitz fo­to­gra­fiert, schaut bei der Ca­non in die Röh­re. Die Ka­me­ra ver­fügt – an­ders als die Ni­kon – nicht über ei­nen in­te­grier­ten Blitz. Eben­so gibt es ei­nen Un­ter­schied in der Blitz­syn­chron­zeit: Die­se ist bei der Ni­kon mit 1/200 Se­kun­de et­was kür­zer als die der EOS 6D Mark II (1/180 Se­kun­de). Ne­ben dem Auf­klapp­blitz bie­tet die D750 ein in­te­grier­tes Ste­reo­mi­kro­fon. Die­ses ist bei der Ca­non nur op­tio­nal als ex­ter­nes Ge­rät er­hält­lich. Bei der Da­ten­si­che­rung hat die Ca­non er­neut das Nach­se­hen: Sie ver­fügt nur über ei­nen Sd-kar­ten­slot, wäh­rend die Ni­kon gleich zwei bie­tet. In der Aus­stat­tung zei­gen sich mehr Vor- als Nach­tei­le der D750 ge­gen­über der Ca­non EOS 6D Mark II, was an­ge­sichts des Al­ters er­staun­lich ist.

Zwei­mal Top-hand­ling

Fehlt nun noch ein Blick auf das Hand­ling: Zwei­fel­los lie­gen bei­de DSLRS gut in der Hand. Mit ei­nem Leer­ge­wicht von 688 Gramm hat die Ca­non EOS 6D Mark II ge­gen­über der Ni­kon D750 (750 Gramm) ei­nen Ge­wichts­vor­teil. Bei­de Ka­me­ras über­zeu­gen mit grif­fi­gen Be­dien­ele­men­ten und ei­ner tol­len Ver­ar­bei­tung. Bei der Ca­non ge­fal­len das funk­ti­ons­rei­che Dau­men­rad und die in­tui­ti­ve Me­nü­füh­rung. Doch auch die Ni­kon kann mit ei­nem auf­ge­räum­ten Be­di­en­feld über­zeu­gen. Hin­zu sind bei­de Ka­me­ras auf Zack:

Die Se­ri­en­bild­ge­schwin­dig­keit ist bei der Ni­kon mit 6 Bil­dern pro Se­kun­de und bei der Ca­non mit rund 6,5 Bil­dern pro Se­kun­de an­ge­ge­ben. Un­ser Test er­gab, dass die Ni­kon in­ner­halb der ers­ten Se­kun­de so­gar bis zu 8 Fo­tos schießt und sich dann der an­ge­ge­be­nen Ge­schwin­dig­keit an­nä­hert. Im Test der EOS 6D Mark II konn­ten wir mit 6,2 Bil­dern zwar nicht ganz die Her­stel­ler­an­ga­be mes­sen, den­noch ist die Ca­non schnell un­ter­wegs. Bei­de Ka­me­ras bie­ten üb­ri­gens ei­ne mi­ni­ma­le Ver­schluss­zeit von 1/4000 Se­kun­de. So­wohl Ni­kon als auch Ca­non be­hal­ten Be­lich­tungs­zei­ten von bis zu 1/8000 Se­kun­de den je­weils nächst grö­ße­ren Dslr-schwes­ter­mo­del­len vor.

SU­PER vs. SEHR GUT

Die Ni­kon zieht in der Sum­me mit dem Su­per­test­lo­go da­von. Sie ist trotz ih­res Al­ters ei­ne wei­ter­hin emp­feh­lens­wer­te und im Ver­gleich zur Ca­non EOS 6D Mark II güns­ti­ge Se­mi­pro­fidslr. Zwar wird in kur­zer Zeit die Ni­kon D850 mit tech­ni­schen Da­ten vor­ge­stellt, an­ge­sichts der der­zei­ti­gen Spe­ku­la­tio­nen über den Funk­ti­ons­um­fang der PRO­FI-DSLR (sie­he Sei­te 13) ist mit ei­nem weit­aus hö­he­ren Preis zu rech­nen. Den­noch wä­re es mit Blick auf den Pro­dukt­zy­klus nicht ver­wun­der­lich, wenn Ni­kon bald ei­nen Nach­fol­ger der D750 vor­stellt. Die D810, sprich die Vor­gän­ge­rin der gera­de er­schie­ne­nen D850, war näm­lich nur drei Mo­na­te vor Er­schei­nen der Ni­kon D750 auf dem Markt er­hält­lich.

Die EOS 6D Mark II kommt als Nach­fol­ge­mo­dell der kleins­ten Voll­for­mat­ka­me­ra des ja­pa­ni­schen Her­stel­lers da­her. Zu­dem macht sie das dreh- und schwenk­ba­re Dis­play end­lich in der Welt der Voll­for­mat-dslrs sa­lon­fä­hig. Schön, dass das nütz­li­che Fea­tu­re nun auch bei den pro­fes­sio­nel­len DSLRS Ein­zug hält. Hin­zu­kom­men ein tol­les Au­to­fo­kus­sys­tem und ein ge­wohnt klas­se Hand­ling. Doch reicht das aus, um ei­nen Preis von der­zeit 2.100 Eu­ro zu ver­lan­gen? Wir hät­ten für die ver­gleich­bar ho­hen Kos­ten de­fi­ni­tiv ei­ne bes­se­re Ge­samt­leis­tung er­war­tet.  (th)

Die High­lights:>> 24,3-Mp-voll­for­mat­sen­sor>> In­te­grier­tes Ste­reo-mi­kro­fon>> Gran­dio­ses Hand­ling Zwei Kon­kur­renz­mo­del­le im Test Die High­lights:>> 26,2-Mp-voll­for­mat­sen­sor>> DU­AL-CMOS-AF>> Dreh- und schwenk­ba­res Dis­play

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