Ge­gen­wind aus der Hei­mat

Nie­der­sach­sens Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te ge­gen Kanz­ler­kan­di­da­tur Ga­b­ri­els

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON R;SMUS BUCH­STEI­NER, BÜ­RO BERLIN

BERLIN – „Wir müs­sen dar­über re­den, Thomas!“, hat­te SPDMann Lars Kling­beil be­gon­nen. Was folg­te, war ei­ne hef­ti­ge Debatte über Sig­mar Ga­b­ri­el, ver­bun­den mit vie­len Vor­be­hal­ten und Zwei­feln, ob der SPD-Chef der rich­ti­ge Kanz­ler­kan­di­dat wä­re. Das Tref­fen der nie­der­säch­si­schen SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten mit Frak­ti­ons­chef Thomas Op­per­mann in Berlin, ei­gent­lich ein Rou­ti­ne­ter­min, wur­de zum Scher­ben­ge­richt. Mit Ga­b­ri­el sei die Wahl nicht zu ge­win­nen. Die­ser Te­nor wur­de un­se­rer Ber­li­ner Re­dak­ti­on am Frei­tag von Teil­neh­mern der Sit­zung be­stä­tigt.

Hef­ti­ger Ge­gen­wind für Ga­b­ri­el – und zwar aus­ge­rech­net aus sei­nem Hei­mat-Lan­des­ver­band Nie­der­sach­sen. Die Ge­nos­sen dort ste­hen im­mer noch un­ter dem Ein­druck ih­rer deut­li­chen Ver­lus­te bei der Kom­mu­nal­wahl am 11. Sep­tem­ber.

Der Frak­ti­ons­chef war es ge­we­sen, der ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Klä­rung der K-Fra­ge ins Ge­spräch ge­bracht hat­te. Den Sturm der Kri­tik ha­be Op­per­mann ru­hig zur Kennt­nis ge­nom­men, hieß es.

In der SPD wird die K-Fra­ge kon­tro­vers dis­ku­tiert. Wei­ter­hin wer­den EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz und Ham­burgs Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz als mög­li­che Al­ter­na­tiv-Kan­di­da­ten ge­nannt. Of­fi­zi­ell lau­tet der Fahr­plan, dass die K-Fra­ge An­fang kom­men­den Jah­res ge­löst wer­den soll. Ziel sei es, schon deut­lich vor der wich­ti­gen Wahl in Nord­rhein-West­fa­len im Mai fest­zu­le­gen, wer die SPD in den Bun­des­tags­wahl­kampf füh­ren soll. No­mi­niert wer­de der Kan­di­dat dann von ei­nem Bun­des­par­tei­tag nach der Wahl an Rhein und Ruhr, hieß es zu­letzt.

Kommt jetzt Be­we­gung in die Sa­che? Im­mer wenn er auf die Kanz­ler­kan­di­da­tur an­ge­spro­chen wird, lässt Ga­b­ri­el die Fra­ge ab­trop­fen, hält den rich­ti­gen Zeit­punkt wohl noch nicht für ge­kom­men. Spe­ku­liert wird auch über ei­nen mög­li­chen Rück­zug Ga­b­ri­els aus dem Bun­des­ka­bi­nett, um als Kanz­ler­kan­di­dat „mehr Bein­frei­heit“zu ha­ben. Über­le­gun­gen, die von der SPD-Par­tei­zen­tra­le schon mehr­fach als „Quatsch“de­men­tiert wur­den.

Dem Vor­sit­zen­den war ein „hei­ßer Sep­tem­ber“vor­ge­sagt wor­den, doch hat er den Mo­nat weit­ge­hend ohne Bles­su­ren hin­ter sich ge­bracht. Die Wahl in Meck­len­burg-Vor­pom­mern ver­buch­te er als Er­folg für sich, eben­so die in Berlin. In­tern noch viel wich­ti­ger war für Ga­b­ri­el, dass er im Streit um das eu­ro­päisch­ka­na­di­sche Frei­han­dels­ab­kom­men Ce­ta ei­ne Ba­sis-Re­bel­li­on ver­hin­dern konn­te. Nach der Zwei­drit­tel­mehr­heit beim Par­tei­kon­vent zoll­ten ihm selbst sei­ne schärfs­ten Kri­ti­ker Re­spekt. Vie­le Ge­nos­sen sind im Üb­ri­gen der Über­zeu­gung, dass es 2017 mit ei­nem an­de­ren Kan­di­da­ten auch nicht viel an­ders aus­ge­hen wür­de als mit Ga­b­ri­el.

Die Vor­be­hal­te aus Nie­der­sach­sen kom­men nur auf den ers­ten Blick über­ra­schend. Die Ent­frem­dung zwi­schen Ga­b­ri­el und „sei­nem“Lan­des­ver­band ist be­reits seit Län­ge­rem deut­lich spür­bar. Im April war er beim Lan­des­par­tei­tag in Braun­schweig von ei­nem Kri­ti­kern hef­tig at­ta­ckiert wor­den. „Wenn Du glaubst, das liegt am Vor­sit­zen­den, dann wäh­le doch ei­nen an­de­ren“, kon­ter­te Ga­b­ri­el.

DP;-BILD: NIETFELD

;ls Kanz­ler ge­eig­net? SPD-Vor­sit­zen­der Sig­mar Ga­b­ri­el

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