Brau­chen mehr Geld aus Haus­halt für Ren­ten­kas­se

Nordwest-Zeitung - - NACHRICHTEN - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER, BÜ­RO BER­LIN

FRA­GE: Die Ko­ali­ti­on ringt um die Zu­kunft der Al­ters­si­che­rung. Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) kün­digt „Hal­t­el­i­ni­en“beim Ren­ten­ni­veau an. Wie groß ist der Hand­lungs­be­darf? MÜNTEFERING: Es ist sinn­voll, dar­über jetzt zu spre­chen. Denn es wer­den ge­ra­de die Wei­chen für die Ent­wick­lung der Renten bis 2045 ge­stellt. Das Ren­ten­ni­veau ist bis­her nicht so stark ge­sun­ken, wie man zu An­fang des Jahr­tau­sends ge­glaubt hat. Bis zum Jahr 2030 darf es laut Ge­setz nicht un­ter 43 Pro­zent ge­hen. Was da­nach ge­schieht, muss jetzt ge­klärt wer­den. Oh­ne ei­ne Re­form wür­de das Ren­ten­ni­veau wei­ter nach unten rut­schen. FRA­GE: Müs­sen wir, um das Ren­ten­ni­veau zu hal­ten, hö­he­re Bei­trä­ge zah­len? MÜNTEFERING: Es gibt ver­schie­de­ne Stell­schrau­ben. Das Ren­ten­ni­veau hängt auch da­mit zu­sam­men, wie vie­le Menschen Ar­beit ha­ben und wie hoch die Löh­ne sind. Na­tür­lich spielt die Bei­trags­hö­he auch ei­ne Rol­le. Auch die Fra­ge, wie lan­ge wir ar­bei­ten, ist von Be­lang. Fest steht aber: Wir brau­chen Hal­t­el­i­ni­en beim Ren­ten­ni­veau. FRA­GE: Wä­ren Sie im Zwei­fel für hö­he­re Bei­trä­ge? MÜNTEFERING: Der Bei­trags­satz darf bis 2020 nicht über 20 Pro­zent stei­gen und bis 2030 nicht über 22 Pro­zent. Viel stär­ker kann man den Bei­trag nicht er­hö­hen, wenn die Ar­beit in Deutsch­land nicht über Ge­bühr ver­teu­ert wer­den soll. Des­halb müs­sen wir dar­über nach­den­ken, mehr Geld aus dem Bun­des­haus­halt in die Ren­ten­kas­se zu ge­ben. Das ist aus Grün­den der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung durch­aus mög­lich. Ziel muss sein, dass die Be­las­tun­gen nicht ex­trem stei­gen. Eben­so wich­tig wie die Bei­trä­ge ist die Hö­he der Löh­ne. Da gibt es in vie­len Bran­chen Nach­hol­be­darf. FRA­GE: Wer­den die Deut­schen noch län­ger ar­bei­ten müs­sen, um das Ren­ten­ni­veau zu sta­bi­li­sie­ren? MÜNTEFERING: Ich hal­te nichts von ei­ner wei­te­ren pau­scha­len An­he­bung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters. Wir brau­chen ei­ne stär­ke­re Fle­xi­bi­li­sie­rung. Die Al­ters­gren­ze ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich er­höht wor­den, sie wird bis 2029 auf 67 Jah­re stei­gen. Für die Zu­kunft muss stär­ker be­rück­sich­tigt wer­den, dass die Menschen un­ter­schied­lich sind und un­ter­schied­lich lan­ge im Be­ruf blei­ben kön­nen.

Franz Müntefering (76) aus Arnsberg war Bun­des­ar­beits­mi­nis­ter und Vor­sit­zen­der sei­ner Par­tei, der SPD.

DPA-BILD: STACHE

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