Schwarz/Rot un­ter ei­nem Dach

Re­gie­rungs­par­tei­en wol­len Si­gnal der Hand­lungs­fä­hig­keit sen­den

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER, BÜ­RO BER­LIN

BER­LIN – Nach­her herrscht auf bei­den Sei­ten Har­mo­nie. „Kon­zen­triert“, „ernst­haft“und „sehr freund­lich“sei­en die Ver­hand­lun­gen ge­we­sen, gibt sich SPD-Frak­ti­ons­chef Thomas Op­per­mann zu­frie­den. „Kon­struk­tiv“und „lö­sungs­ori­en­tiert“ha­be man mit­ein­an­der ge­spro­chen, zieht CSU-Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt am spä­ten Don­ners­tag Bi­lanz.

Vier­ein­halb St­un­den hat­ten Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), CSU-Chef Horst See­ho­fer und Vi­ze­kanz­ler Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) zu­vor mit den Frak­ti­ons­chefs der schwarz­ro­ten Ko­ali­ti­on über die ver­blei­ben­den ge­mein­sa­men Pro­jek­te be­ra­ten. Lan­ge Zeit be­schäf­tigt sich die Run­de mit der La­ge in Sy­ri­en und der hu­ma­ni­tä­ren La­ge in und um Alep­po. In­nen­po­li­tisch gibt es viel Klein-Klein mit ei­ni­gen Ei­ni­gun­gen.

Es ge­he um den Nach­weis, „dass wir ge­mein­sam noch et­was schaf­fen kön­nen“, hieß es schon vor dem Ko­ali­ti­ons­gip­fel aus Ver­hand­lungs­krei­sen. Be­vor sich Mer­kel und Ga­b­ri­el ins Kanz­ler­amt zu­rück­zo­gen, zeig­ten sie sich ent­schlos­sen. Man wer­de jetzt „klei­ne­re Steu­er­ent­las­tun­gen“auf den Weg brin­gen, die sich bis 2018 im­mer­hin auf sechs Mil­li­ar­den Eu­ro sum­mie­ren wür­den. „Wir wer­den auch das The­ma der kal­ten Pro­gres­si­on an­ge­hen“, ver­spricht die Kanz­le­rin beim „Tag der Deut­schen In­dus­trie“ei­ne Mini-Ent­las­tung für die Steu­er­zah­ler. Der Vi­ze­kanz­ler spricht da­ge­gen von „so­zia­len Ve­rän­de­run­gen“.

Noch ein­mal tagt der Ko­ali­ti­ons­aus­schuss: Qua­si die letz­te Chan­ce, noch Vor­ha­ben auf den Weg zu brin­gen, die vor der Wahl um­ge­setzt wer­den kön­nen. Gro­ßer Wurf oder kleins­ter ge­mein­sa­mer Nen­ner? Steu­ern, Kin­der­zu­schlag, Ren­te, Unterhaltsvorschuss, Lohn­ge­rech­tig­keit zwi­schen Män­nern und Frau­en, Innere Si­cher­heit – die Lis­te der The­men beim nach­mit­täg­li­chen Gip­fel war lang.

Die Chefs von CDU, CSU, SPD wie­der ein­mal an ei­nem Tisch, da­zu die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den aus dem Bun­des­tag, die Run­de will un­be­dingt den Ein­druck ver­mei­den, dass der Bun­des­tags­wahl­kampf schon be­gon­nen hat. Ru­hi­ge Sach­ar­beit statt Par­tei­en­streit, so zu­min­dest das Ziel. Für die Ko­ali­ti­on ging es um ein Si­gnal der Hand­lungs­fä­hig­keit.

Zwar war Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) am Don­ners­tag nicht mit von der Par­tie, weil er bei der IWF-Jah­res­ta­gung in Wa­shing­ton weilt. Doch vie­les, was fi­nanz­re­le­vant sei, ha­be man im Vor­feld klä­ren kön­nen, hieß es in Ko­ali­ti­ons­krei­sen.

Das heik­le Renten-The­ma wird je­doch ver­tagt. Vor dem Gip­fel hat­te es noch ein­mal Nach­for­de­run­gen aus Bay­ern ge­ge­ben. In­ner­halb der nächs­ten drei Wo­chen wol­le die Ko­ali­ti­on klä­ren, auf wel­che Renten-Re­for­men man sich ver­stän­di­ge kön­ne, kün­digt Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) an.

Klar ist al­len: Was nicht in die­sem Herbst auf den Weg ge­bracht wird, wird im Su­per­wahl­jahr 2017 nicht mehr um­ge­setzt.

DPA-BILD: JEN­SEN

Ver­ein­te Ko­ali­ti­on: Uni­ons-Frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (links, CDU), CSU-Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt und SPD-Frak­ti­ons­chef Thomas Op­per­mann

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