Noch viel zu tun bis zur nächs­ten Wahl

Was für die nächs­ten Mo­na­te im Ar­beits­pro­gramm steht

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER, BÜ­RO BER­LIN

BER­LIN – 134 Sei­ten um­fasst er, der schwarz-ro­te Ko­ali­ti­ons­ver­trag: Er gilt als weit­ge­hend ab­ge­ar­bei­tet, doch ei­ni­ge Punk­te sind noch of­fen. Knapp ein Jahr vor der nächs­ten Bun­des­tags­wahl ha­ben Uni­on und SPD am Don­ners­tag bei ei­nem Spit­zen­tref­fen im Kanz­ler­amt ver­sucht, das Ar­beits­pro­gramm für die nächs­ten Wo­chen und Mo­na­te ab­zu­ste­cken. 

STEU­ERN

Es wird ei­ne klei­ne Steuerreform ge­ben. Der Gr­und­frei­be­trag, der­zeit sind es 8652 Eu­ro für Singles, soll in zwei Schrit­ten an­ge­passt wer­den, 2017 um 170 Eu­ro, 2018 um wei­te­re 200 Eu­ro. Das be­deu­tet: Der Be­trag steigt, ab dem die Ein­kom­men­steu­er greift. Für Ehe­paa­re und ein­ge­tra­ge­ne Le­bens­part­ner ver­dop­pelt sich der ge­mein­sa­me Frei­be­trag auf 17 644 Eu­ro. Der Kin­der­frei­be­trag, der ak­tu­ell 7248 Eu­ro be­trägt, wird 2017 zu­nächst um 110 Eu­ro, 2018 um wei­te­re 100 Eu­ro er­höht. Au­ßer­dem sol­len Kor­rek­tu­ren am Ein­kom­men­steu­er­ta­rif vor­ge­nom­men wer­den – die Eck­wer­te wer­den 2017 um 0,7 Pro­zent an­ge­ho­ben, um den Ef­fekt der kal­ten Pro­gres­si­on ab­zu­dämp­fen. Das Vo­lu­men: 6,3 Mil­li­ar­den Eu­ro.

 FA­MI­LI­EN

Die Re­gie­rung will das Kin­der­geld an­he­ben – um zwei Eu­ro mo­nat­lich. Bis­her liegt es bei mo­nat­lich 190 Eu­ro für die ers­ten bei­den Kin­der, 196 Eu­ro für das drit­te und je 221 Eu­ro ab dem vier­ten Kind. Die SPD setz­te sich mit ih­rer For­de­rung durch, den Kin­der­zu­schlag um zehn Eu­ro auf 170 Eu­ro mo­nat­lich an­zu­he­ben. Der wird ge­zahlt, um zu ver­hin­dern, dass Ar­beit­neh­mer mit ge­rin­gen Löh­nen al­lein des­halb, weil sie Kin­der zu ver­sor­gen ha­ben, in Hartz IV rut­schen. Der Unterhaltsvorschuss für Al­lein­er­zie­hen­de soll aus­ge­wei­tet wer­den. Die Ko­ali­ti­on will die Zah­lung nicht mehr auf sechs Jah­re be­schrän­ken und bis zur Voll­jäh­rig­keit er­mög­li­chen.  REN­TE Die Ko­ali­ti­on hat sich noch nicht auf neue Ziel­mar­ken für das ge­setz­li­che Ren­ten­ni­veau und den Bei­trags­satz fest­ge­legt. Hier­zu will Ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD) in Kür­ze Vor­schlä­ge prä­sen­tie­ren. En­de des Mo­nats soll dar­über in der Ko­ali­ti­on be­ra­ten wer­den. Bei der ge­plan­ten Ost-West-Ren­ten­an­glei­chung gab es bis zu­letzt ein zä­hes Rin­gen. CSU-Chef Horst See­ho­fer hat­te vor dem Gip­fel im Ge­gen­zug zu ei­ner Zu­stim­mung ei­ne Aus­wei­tung der „Müt­ter­ren­te“ver­langt. 

INNERE SI­CHER­HEIT

Schwarz/Rot will bis En­de Ok­to­ber ein klei­nes Si­cher­heits­pa­ket schnü­ren. Un­ter an­de­rem zur Ter­ror­ab­wehr und zur Be­kämp­fung von Dieb­stäh­len soll die Vi­deo­über­wa­chung deut­lich aus­ge­wei­tet wer­den. Zu­dem plant die Ko­ali­ti­on Tau­sen­de zu­sätz­li­che Stel­len bei Bun­des­kri­mi­nal­amt, Ver­fas­sungs­schutz und Bun­des­po­li­zei. Dar­über hin­aus soll es schär­fe­re Stra­fen für An­grif­fe auf Ein­satz­kräf­te ge­ben.  LOHN­GLEICH­HEIT Lan­ge wa­ren die Plä­ne von Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) zur Ver­klei­ne­rung der Lohn­lü­cke zwi­schen Män­nern und Frau­en um­strit­ten. Ar­beit­neh­mer sol­len künf­tig er­fah­ren kön­nen, was Kol­le­gen des an­de­ren Ge­schlechts bei glei­cher Tä­tig­keit ver­die­nen. Die An­ga­ben sol­len je­doch an­ony­mi­siert wer­den. Die Aus­kunfts­an­sprü­che sol­len auf Be­trie­be mit mehr als 200 Mit­ar­bei­tern be­schränkt blei­ben.

 MIET­PREIS­BREM­SE

Die Plä­ne für ei­ne Ver­schär­fung der Miet­preis­brem­se blei­ben in der Ko­ali­ti­on um­strit­ten. Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) hat­te Kor­rek­tu­ren vor­ge­schla­gen, zu de­nen ein Rechts­an­spruch zählt, bei Neu­ver­mie­tun­gen die bis­he­ri­ge Miet­hö­he zu er­fah­ren. Die Miet­preis­brem­se war in der Ko­ali­ti­on ein Pres­ti­ge­pro­jekt der SPD. Zahl­rei­che Stu­di­en ha­ben je­doch er­ge­ben, dass sie dort, wo sie um­ge­setzt wur­de, weit­ge­hend wir­kungs­los ge­blie­ben ist.

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