Miss­ach­tung

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON ALEX­AN­DER WILL

Je­des Jahr im Herbst das glei­che Ri­tu­al: Der Bund der Steu­er­zah­ler ver­öf­fent­licht ei­ne Samm­lung schlimms­ter staat­li­cher Ver­schwen­dung. Es folgt kurz auf­bran­den­de öf­fent­li­che Em­pö­rung, dann kehrt bis zum nächs­ten Jahr wie­der Ru­he ein. Kon­se­quen­zen gibt es so gut wie nie – und das ist min­des­tens eben­so em­pö­rend wie die Fund­stü­cke der Steu­er­ge­werk­schaft.

Was da Jahr um Jahr durch In­kom­pe­tenz, Des­in­ter­es­se, Gleich­gül­tig­keit, Grö­ßen­wahn und wohl auch schlich­te Dumm­heit an Steu­er­geld ver­si­ckert, ist nichts we­ni­ger als der Schweiß des deut­schen Steu­er­zah­lers. Je­der Eu­ro, den der Staat sei­nem Bür­ger ab­nimmt, muss vor­her von ihm er­ar­bei­tet wer­den. Steu­ern sind al­so im Grun­de nichts an­de­res als in Geld ge­ron­ne­ne Ar­beit, die sich der Staat mit die­ser und je­ner Recht­fer­ti­gung an­eig­net. Wenn die Früch­te der Pla­cke­rei der Menschen dann der­art ver­schwen­det wer­den, zeugt das eben auch von pro­fun­der Miss­ach­tung des Steu­er­bür­gers. Er ist es ja, der sich für Staat und Bü­ro­kra­tie krumm­le­gen muss. Er ist es, der Wer­te schöpft – und eben nicht der Staat, der nur ab­schöpft.

Ab­hil­fe ver­sprä­che zwei­er­lei: Zum ei­nen müss­ten po­li­tisch Ver­ant­wort­li­che für öf­fent­li­che Bau­rui­nen oder ab­sur­de Ka­vi­ar-Sub­ven­tio­nen zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den kön­nen. Wer Kon­se­quen­zen fürch­ten muss, über­legt sich in der Re­gel gründ­li­cher, was er tut. Zum an­de­ren aber sind die bes­ten Pil­len ge­gen staat­li­che Miss­wirt­schaft noch im­mer mas­si­ve Steu­er­sen­kun­gen.

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Will@in­fo­au­tor.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.