Kommt die gro­ße Krö­ten­wan­de­rung?

Ban­ken dre­hen an Ge­büh­ren – Kun­de klagt über 50 Pro­zent mehr – Wech­sel ein­fach wie nie

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON RÜ­DI­GER ZU KLAMPEN

Kos­ten­lo­se Kon­to­füh­rung gibt es im­mer sel­te­ner. Beim Wech­sel ist ei­ni­ges zu be­ach­ten.

OL­DEN­BURG – Mil­lio­nen Kun­den der Post­bank ha­ben Post be­kom­men: Wer bis­her ein kos­ten­lo­ses Gi­ro­kon­to hat­te, soll künf­tig mo­nat­lich 3,90 Eu­ro be­rap­pen, so­fern er nicht 3000 (bis­her 1000) Eu­ro an mo­nat­li­chem Zah­lungs­ein­gang hat. Das wird nicht nur Rent­ner tref­fen. Die­se Wen­dung mar­kiert – ge­mes­sen an der Kun­den­zahl – ei­nen Hö­he­punkt im lau­fen­den Me­ga-Trend: Ban­ken und Spar­kas­sen dre­hen beim Gi­ro­kon­to an der Ge­büh­ren­schrau­be – auch in der Re­gi­on.

Der Hintergrund ist klar: Dem Bank­ge­wer­be bre­chen die Er­trä­ge weg. In der Nied­rig­zins­ära der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) wird der klas­si­sche Bank-Pro­fit zwi­schen Aus­lei­hun­gen (Kre­dit­zin­sen) ei­ner­seits und Ein­la­gen (Gut­ha­ben-Zin­sen für die Kun­den) zer­drückt. Die Kos­ten aber blei­ben, für Per­so­nal und Fi­lia­len. Ja, sie stei­gen so­gar noch. So müs­sen die Ban­ken nun Ge­büh­ren an die EZB zah­len, wenn sie – wie üb­lich – ih­re Geld­be­stän­de über Nacht dort zen­tral la­gern. Das macht Zin­sen auf dem Gi­ro­kon­to uto­pisch. Und: Die Not macht er­fin­de­risch.

Kos­ten­los auf Rück­zug

Auch re­gio­nal läuft ei­ne Wel­le von Ge­büh­ren­er­hö­hun­gen für Gi­ro­kon­ten. Die über­schau­ba­re Raiff­ei­sen­bank Ol­den­burg et­wa hat ihr kos­ten­lo­ses Gi­ro­kon­to eben­so ab­ge­schafft wie die gro­ße Lan­des­spar­kas­se zu Ol­den­burg (LzO).

LzO-Kun­den be­klag­ten ge­gen­über die­ser Zei­tung, dass sich die neu­en Kon­to­füh­rungs-Pau­scha­len (drei Eu­ro oder sechs Eu­ro pro Mo­nat) im Kreis der Fa­mi­li­en­mit­glie­der nun auf „eher 200 als 100 Eu­ro“ad­dier­ten. Ein Kun­de wet­ter­te: „Die an­ge­kün­dig­te Stei­ge­rung be­trägt 50 Pro­zent“, näm­lich bei ihm von vier auf sechs Eu­ro pro Mo­nat. Bei der LzO selbst weist man dar­auf hin, dass die Mo­del­le bei ei­ni­gen Kun­den güns­ti­ger sein kön­nen als bis­her.

Der Trend ist aber ein­deu­tig. „Kos­ten­los“oh­ne Be­din­gun­gen gibt es kaum noch – au­ßer (al­ler­meis­tens) für Schü­ler, Stu­die­ren­de und Azu­bis. Fast al­le In­sti­tu­te, die noch kos­ten­lo­se Va­ri­an­ten bie­ten, for­dern an­sons­ten ei­nen Min­dest-Zah­lungs­ein­gang. So­gar die Spar­da-Bank, einst oh­ne Be­din­gun­gen bei Spar­füch­sen be­son­ders be­liebt, for­dert den mo­nat­li­chen Ein­gang ei­nes Ge­halts oder staat­li­chen Trans­fers. An­de­re bis­her freie Gi­ro­kon­ten wur­den mit ei­ner Ge­bühr be­legt.

Die In­sti­tu­te be­we­gen sich auf dün­nem Eis. Denn noch nie war es so ein­fach, die Bank­ver­bin­dung zu wech­seln. Bis­her lie­ßen sich wohl selbst man­che Pfen­nig­fuch­ser vom ho­hen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand ab­schre­cken. Doch seit dem 18. Sep­tem­ber müs­sen die In­sti­tu­te per Ge­setz für Wechs­ler ei­ne ein­fa­che Lö­sung pa­rat hal­ten: Al­le Dau­er­auf­trä­ge und Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen kön­nen blitz­schnell vom neu­en In­sti­tut elek­tro­nisch über­nom­men wer­den (theo­re­tisch ist al­ler­dings ei­ne Ge­bühr mög­lich).

„Fi­nanz­test“rät in sei­nem Ok­to­ber-Heft: „Wenn Sie für Ihr Gi­ro­kon­to mehr als 60 Eu­ro pro Jahr in­klu­si­ve Bu­chun­gen und Gi­ro­card be­zah­len, soll­ten sie ei­nen Kon­to­wech­sel prü­fen.“Ei­ne An­lei­tung gibt es un­ter www.test.de/kon­to­wech­sel. Kommt jetzt al­so die gro­ße „Krö­ten“-Wan­de­rung“? Im­mer­hin lässt sich ein Gi­ro­kon­to qua­si oh­ne Frist auf­lö­sen.

Lei­der sind die mit Pau­scha­len ar­bei­ten­den Kon­to­mo­del­le der vie­len Ban­ken sehr un­ter­schied­lich – und da­mit vom Ge­samt­auf­wand her schwer ver­gleich­bar. Das wird auf die Spit­ze ge­trie­ben, wenn man Un­ge­wöhn­li­ches tut, al­so et­wa ge­le­gent­lich ei­nen Pa­pier-Über­wei­sungs­trä­ger, be­nutzt.

Die gro­ße Her­aus­for­de­rung wer­de sein, ei­ne bes­se­re Bank zu fin­den als die bis­he­ri­ge, mein­te Andre­as Gernt, Fi­nanz­dienst­leis­tungs-Ex­per­te bei der Ver­brau­cher­zen­tra­le Nie­der­sach­sen, ge­gen­über die­ser Zei­tung. Man müs­se sich „sel­ber ori­en­tie­ren“. Et­wa an Preis­aus­hän­gen oder on­line. 2017 sol­len zer­ti­fi­zier­te Ver­gleich­spor­ta­le ein­ge­rich­tet wer­den, teil­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le mit.

Tat­säch­lich zeig­te sich bei ei­ner Un­ter­su­chung von „Fi­nanz­test“mit 104 Ban­ken und 241 Kon­to­mo­del­len: Das Gra­tis­kon­to oh­ne Wenn und Aber wird sel­ten. Die Tes­ter fan­den es 25 Mal. Das wa­ren fünf we­ni­ger als 2014. Ver­ab­schie­det vom kos­ten­lo­sen Kon­to oh­ne Be­din­gun­gen hät­ten sich et­wa die Targo­bank und die PSD Nord, bei­de sind auch in Ol­den­burg ver­tre­ten. Und vie­le Ban­ken woll­ten ih­re Prei­se noch 2016 ver­än­dern. Das dürf­te nicht nur für die Kon­to­füh­rung gel­ten.

Als güns­ti­ge Aus­we­ge er­wei­sen sich laut „Fi­nanz­test“oft Di­rekt­ban­ken (Con­sors, Com­di­rect), aus­län­di­sche In­sti­tu­te (Santan­der, ING) oder On­line-Kon­ten tra­di­tio­nel­ler Ban­ken (wie in der Re­gi­on et­wa Ol­den­bur­gi­sche Lan­des­bank). Al­ler­dings: Vor ei­nem Wech­sel soll­te man sich fra­gen: Wie viel spart man am En­de über­haupt? Da­zu soll­te man auch et­wa Ge­büh­ren für Bu­chun­gen, EC-Kar­te, Über­wei­sun­gen per Pa­pierFor­mu­lar oder auch die Kre­dit­kar­te ein­be­zie­hen. Und: Ist mir ei­ne Fi­lia­le in der Nä­he wich­tig? Oder: Wo gibt es noch kos­ten­los Bar­geld? Hier sind üb­ri­gens Spar­kas­sen (25700 Au­to­ma­ten) und Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken (19 400) kaum zu schla­gen. Sie ha­ben auch mit Ab­stand die meis­ten Fi­lia­len.

Ge­nau hin­schau­en

Man­cher macht sich auch zu viel Sor­gen, et­wa: Wenn ich bei ei­ner Bank ein Bau­dar­le­hen lau­fen ha­be, kann ich dann den­noch das Gi­ro­kon­to auf­lö­sen? Die Ra­ten kön­nen aber prin­zi­pi­ell auch von ei­ner an­de­ren Bank aus ge­leis­tet wer­den. Ein Son­der­kün­di­gungs­recht für ei­nen sol­chen Kre­dit gibt es bei Kon­to­wech­sel al­ler­dings nicht, er­läu­ter­te Chris­tel Loh­rey von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ol­den­burg auf An­fra­ge die­ser Zei­tung.

Be­vor man wech­selt, soll­te man bei der bis­he­ri­gen Bank al­le Mög­lich­kei­ten aus­lo­ten, ra­ten Ex­per­ten. Al­so: das güns­tigs­te Kon­to­mo­dell im An­ge­bot wäh­len. „Fi­nanz­test“fand et­wa bei der Ost­säch­si­schen Spar­kas­se Jah­res­ge­büh­ren für Gi­ro­kon­ten (mit ei­ni­gen Zu­satz­leis­tun­gen) zwi­schen 46,80 und 154,80 Eu­ro.

BILD: AR­CHIV

Ei­ne Krö­te be­gibt sich auf Wan­der­schaft.

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