Zwei Men­schen­ma­ler un­ter sich

Bre­mer Mu­se­ums­di­rek­tor zu Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker und Emil Nol­de

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON RE­GI­NA JERICHOW

Die Schau ist in den Mu­se­en Bött­cher­stra­ße zu se­hen. Di­rek­tor Frank Schmidt (46) hat­te die Idee zu die­ser Ge­gen­über­stel­lung der Ma­ler.

FRA­GE: Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker (1876–1907) und Emil Nol­de (1867–1956) – war­um ist vor Ih­nen noch nie­mand auf die Idee ge­kom­men, sie mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren? SCHMIDT: Auf den ers­ten Blick, wenn man sich die spä­ten Wer­ke an­schaut, springt es ei­nem nicht gleich ins Au­ge, dass sie et­was mit­ein­an­der zu tun ha­ben könn­ten. Dass sie sich im Jahr 1900 be­geg­net sind, ist den we­nigs­ten be­kannt. Und dass Nol­de in Pa­ris war, wird in des­sen Au­to­bio­gra­fie nicht ins Zen­trum ge­stellt. Für die meis­ten be­ginnt das Nol­de-Werk oh­ne­hin erst 1907/1908. FRA­GE: War­um aber ist es Ih­nen auf­ge­fal­len? SCHMIDT: Ich woll­te gern ei­ne Aus­stel­lung ma­chen, in der ich Nol­de und Mo­der­sohnBe­cker ge­gen­über­stel­le, weil ich fin­de, dass es Par­al­le­len im Menschen- und Fi­gu­ren­bild der bei­den Künst­ler gibt. Bei der Re­cher­che bin ich dar­auf ge­sto­ßen, dass sie sich kann­ten. Als ich mir in der Nol­deStif­tung in See­büll die Wer­ke an­ge­schaut ha­be, die der Ma­ler um 1900 ge­schaf­fen hat, war es ei­ne gro­ße Über­ra­schung. Denn die kann­te ich nicht, und die kann­te auch kaum je­mand, weil sie noch nie aus­ge­stellt wa­ren. FRA­GE: In Bre­men sind sie jetzt erst­mals zu se­hen? SCHMIDT: Das ist das Span­nen­de: Sie end­lich mal im Ori­gi­nal zu se­hen. Es gibt im Werk­ver­zeich­nis zwar Ab­bil­dun­gen in Schwarz-weiß, aber bis­her hat sich of­fen­bar noch nie je­mand für Nol­des Zeit in Pa­ris in­ter­es­siert. Die Bil­der Pau­la Mo­der­sohn-Be­ckers aus je­ner Zeit da­ge­gen ge­hö­ren zum Teil zu un­se­rer Samm­lung und sind im­mer wie­der zu se­hen. Bei Nol­de aber ist es ein No­vum. FRA­GE: Weiß man, was sie von­ein­an­der ge­hal­ten ha­ben? SCHMIDT: Pau­la Mo­der­sohnBe­cker schrieb 1900 ih­rer Schwes­ter Mil­ly, „ei­ne neue Er­run­gen­schaft“sei der Ma­ler Han­sen. Er nahm erst spä­ter den Na­men Nol­de an. Sie lässt sich ziem­lich lang über ihn aus. Er schreibt rück­bli­ckend, so um 1931 in sei­nen Le­ben­s­er­in­ne­run­gen, dass er „zwei selt­sa­me deut­sche Mäd­chen“in Pa­ris ken­nen­ge­lernt ha­be – Cla­ra West­hoff und Pau­la Be­cker – bei­de wa­ren noch un­ver­hei­ra­tet – und be­schreibt sie ein biss­chen. Sie ha­ben viel­leicht Aus­flü­ge zu­sam­men un­ter­nom­men oder sich im Lou­vre ge­trof­fen, doch die Wer­ke des je­weils an­de­ren kann­ten sie nicht. Nol­de be­schrieb die Bil­der sei­ner Kol­le­gin erst nach de­ren Tod: „Wäh­rend we­ni­ger Jah­re mal­te sie ein­fach und schön und mensch­lich in­nig emp­fun­de­ne Bil­der.“FRA­GE: Wie „tref­fen“sich die bei­den in der Aus­stel­lung? SCHMIDT: Wir ha­ben das in The­men­räu­men auf­ge­löst. Es gibt et­wa ei­nen Raum mit Kin­der­bild­nis­sen, ei­nen mit Bil­dern, auf de­nen Fi­gu­ren vor oder mit Blu­men zu se­hen sind, ei­nen an­de­ren, in de­nen die re­du­zier­ten mas­ken­haf­ten Por­träts im Zen­trum ste­hen. FRA­GE: War denn Emil Nol­de in glei­chem Ma­ße wie Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker an Fi­gu­ren und Menschen in­ter­es­siert? SCHMIDT: Durch­aus, das hat er selbst ge­schrie­ben. Das tritt aber im­mer et­was in den Hintergrund, da man beim Na­men Emil Nol­de im­mer an Blu­men und Land­schaf­ten denkt. Aber er hat auch vie­le Fi­gu­ren ge­malt, die bei ihm oft ins Gro­tes­ke ge­stei­gert wur­den. Bei al­ler Ver­schie­den­heit wer­den bei­de Künst­ler in der Ge­gen­über­stel­lung als Men­schen­ma­ler prä­sen­tiert. FRA­GE: Ist es die ers­te Ko­ope­ra­ti­on der Mu­se­en Bött­cher­stra­ße mit der Nol­de-Stif­tun­gSee­büll? SCHMIDT: Es ist die zwei­te Zu­sam­men­ar­beit. Vor zehn Jah­ren wur­den bei uns die „un­ge­mal­ten Bil­der“von Nol­de ge­zeigt. FRA­GE: Für Sie ist es aber ei­ne Pre­mie­re: die ers­te gro­ße Aus­stel­lung in Bre­men, nach­dem Sie von der Em­der Kunst­hal­le zu den Mu­se­en Bött­cher­stra­ße nach Bre­men ge­wech­selt sind. SCHMIDT: Zu­vor hat­ten wir die Bild­haue­rin Lau­ra Eckert als Som­mer­gast ein­ge­la­den. Aber das ist jetzt die ers­te gro­ße über­grei­fen­de Schau mit et­wa 70 Wer­ken. Das wird auch un­ser Mo­dus sein: Je­weils im Herbst und Win­ter soll ei­ne gro­ße Aus­stel­lung zu se­hen sein.

BIL­DER: NOL­DE STIF­TUNG SEE­BÜLL/PAU­LA-MO­DER­SOHN-BE­CKER-STIF­TUNG/MU­SE­EN BÖTT­CHER­STRA­ßE

Men­schen­bil­der mit Ähn­lich­kei­ten und Un­ter­schie­den (von links): „Mäd­chen­bild­nis“von Emil Nol­de (1913) und „Selbst­bild­nis mit Blu­me“von Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker (1907), „Zwei Mäd­chen“von Nol­de (oh­ne Da­tie­rung) und „Zwei Mäd­chen an ei­nem Bir­ken­stamm ste­hend“von Mo­der­sohn-Be­cker (1902)

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