Lau­fend der Tris­tesse ent­flie­hen

Ex­trem­sport­ler Micha­el Groth star­tet mit Flücht­lings­grup­pe

Nordwest-Zeitung - - SPORT IN OLDENBURG - VON BERND TEU­BER

Beim Lauf­spek­ta­kel am 23. Ok­to­ber geht es ge­mein­sam auf die 10-Ki­lo­me­ter-Dis­tanz. Groths Schütz­lin­ge kom­men aus Sy­ri­en und dem Irak.

OL­DEN­BURG – Die In­te­gra­ti­ons­kraft des Sports ist nicht nur für Micha­el Groth ei­ne ganz spe­zi­el­le, doch der Ol­den­bur­ger füllt sie mit gro­ßer In­ten­si­tät. Seit 2015 be­sucht der 44jäh­ri­ge Ex­trem­sport­ler re­gel­mä­ßig Flücht­lings­un­ter­künf­te in Ol­den­burg, um die Be­woh­ner zur Be­we­gung mit sei­ner Trai­nings­grup­pe zu ani­mie­ren. Im­mer wie­der ist er mit sei­nen Schütz­lin­gen bei Lauf­ver­an­stal­tun­gen an­zu­tref­fen. Den Ol­den­burg Ma­ra­thon am Sonn­tag, 23. Ok­to­ber, las­sen sie sich als Lauf­spek­ta­kel na­tür­lich nicht ent­ge­hen.

„Zu Micha­el sind wir ge­gan­gen, weil wir Spaß am Sport ha­ben und zu­gleich Deutsch ler­nen wol­len“, er­zählt Wissam Zewora (24). Er kommt wie sein Bru­der Hus­sam (20) aus der Stadt Ba­schi­qa im Irak. Als Je­si­den wur­den sie in ih­rer Hei­mat ver­folgt.

Mit da­bei auf der Stre­cke ist auch wie­der der Sy­rer Mahmoud Bas­mah­ji (28) aus Alep­po, den Groth in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten nicht nur sport­lich be­treut, son­dern auch bei Be­hör­den­gän­gen be­glei­tet hat. Aus dem Trai­nerS­port­ler-Ver­hält­nis ist ei­ne tie­fe Freund­schaft ge­wor­den.

Auch Fi­ras Rad­wan (30) ist Sy­rer, aus As-Su­wai­da im Sü­den, dem Sied­lungs­ge­biet der sy­ri­schen Dru­sen. Da auch die­se von der Ter­ror-Mi­liz IS ver­folgt wer­den, hat­te er sich mit sei­nen drei Brü­dern zur Flucht ent­schlos­sen. Über den Li­ba­non, Tür­kei, Grie­chen­land, Ma­ze­do­ni­en, Ser­bi­en, Un­garn und Ös­ter­reich ging es nach Ol­den­burg.

„Ich bin zu Micha­el in die Grup­pe ge­gan­gen, um dem All­tag im Camp zu ent­flie­hen, Spaß zu ha­ben, Kon­takt zu Deut­schen zu ha­ben und et­was für mei­ne Ge­sund­heit zu tun“, sagt der 30-Jäh­ri­ge, der seit Ju­ni bei Groth trai­niert. In Sy­ri­en hat­te er sich mit Ka­ra­te und Bo­xen fit­ge­hal­ten.

Auch Hus­sam Zewora mach­te in sei­ner Hei­mat Ka­ra­te. Ein­zig sein Bru­der hat­te schon läu­fe­ri­sche Er­fah­run­gen, als er im Ju­ni zu Groths Trai­nings­grup­pe stieß. „Ich bin schon im­mer ger­ne ge­lau­fen oder in den Ber­gen mei­ner Hei­mat ge­wan­dert“, er­zählt der Äl­te­re der bei­den Ira­kis, die im Ge­gen­satz zu Rad­wan, der noch im Flie­ger­horst un­ter­ge­bracht ist, mitt­ler­wei­le ei­ne Woh­nung in Ol­den­burg be­zie­hen konn­ten.

Mit Ja­l­al Si­no ge­hört ein wei­te­rer Je­si­de aus dem Irak zur Grup­pe. „Ent­ge­gen sei­nen Trai­nings­ka­me­ra­den spricht er aber kein ara­bisch, son­dern kur­disch, was die Ver­stän­di­gung un­ter­ein­an­der et­was schwie­rig macht“, be­rich­tet Groth, der beim Ol­den­burg Ma­ra­thon mit sei­nen Schütz­lin­gen un­ter dem Te­am­na­men „In­te­gra­ti­on läuft“die 10 Ki­lo­me­ter ab­sol­vie­ren wird.

Auch aus an­de­ren Ol­den­bur­ger Trai­nings­grup­pen wer­den an die­sem Tag Flücht­lin­ge un­ter die­sem Na­men star­ten. Hier­bei han­delt es sich um ei­ne Initia­ti­ve des Ro­ta­ry Clubs, die die In­te­gra­ti­on von Flücht­lin­gen in Ol­den­burg för­dern soll (die Ð be­rich­te­te). Auch vom Stadt­sport­bund er­hält Groth über das Pro­jekt „OlaF“Un­ter­stüt­zung.

Zu Micha­el sind wir ge­gan­gen, weil wir Spaß am Sport ha­ben und zu­gleich Deutsch ler­nen wol­len“

WISSAM ZEWORA

BILD: GROTH

Sel­fie ei­nes Lauf-Quin­tetts: (von links) Fi­ras Rad­wan, Wissam Zewora, Micha­el Groth, Mahmoud Bas­mah­ji und Hus­sam Zewora

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