Schöf­fen­ge­richt glaubt nicht an Zu­fäl­le

Ein­bruch in Bret­torf: 45-Jäh­ri­ge zu ei­ner Stra­fe von zwei Jah­ren und sechs Mo­na­ten ver­ur­teilt

Nordwest-Zeitung - - BLICK IN DIE NACHBARSCHAFT - VON STE­FAN IDEL

Der Mann war aus der JVA in Ol­den­burg ge­flo­hen. Als er in Del­men­horst auf­ge­grif­fen wur­de, fand die Po­li­zei das Tat­werk­zeug und ein Rad.

BRET­TORF/WIL­DES­HAU­SEN – Das Tat­werk­zeug im Zim­mer des An­ge­klag­ten; das ge­stoh­le­ne Fahr­rad am Tat­ort: So vie­le Zu­fäl­le kann es gar nicht ge­ben, war das Schöf­fen­ge­richt Wil­des­hau­sen über­zeugt. Nach drei Ver­hand­lungs­ta­gen ver­ur­teil­te es ei­nen 45-jäh­ri­gen Mann zu ei­ner Haft­stra­fe von ins­ge­samt zwei Jah­ren und sechs Mo­na­ten.

Doch der Rei­he nach: Am 20. Ju­ni 2015 bricht ein Un­be­kann­ter in das Haus ei­ner 82Jäh­ri­gen in Bret­torf ein. Der Tä­ter ent­wen­det rund 300 Eu­ro an Bar­geld, da­zu Fa­mi­li­en­schmuck und Ehe­rin­ge – auch den Ring des ver­stor­be­nen Man­nes. Die Ge­schä­dig­te ha­be im­mer noch Angst bei je­dem Ge­räusch im Haus, so der Staats­an­walt in der Ver­hand­lung am Amts­ge­richt. Nach dem Ein­bruch stell­te die Po­li­zei Spu­ren si­cher, die auf ei­nen be­stimm­ten Schrau­ben­dre­her schlie­ßen las­sen.

Aus­ge­rech­net der Schrau­ben­dre­her, der laut Gut­ach­ter „zwei­fels­frei die Spu­ren“ver­ur­sacht hat, so­wie ein Paar Hand­schu­he, das of­fen­kun­dig eben­falls bei dem Ein­bruch zum Ein­satz kam, wur­den bei dem An­ge­klag­ten ge­fun­den, als die­ser am 29. Ju­ni 2015 in ei­ner Del­men­hors­ter Pen­si­on fest­ge­nom­men wur­de. Der 45-Jäh­ri­ge saß, mit Un­ter­bre­chun­gen, seit 1989 in der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt (JVA) Ol­den­burg ein und war seit dem 5. Mai 2015 auf der Flucht.

Auch ein in St­ein­feld (Kreis Vech­ta) ge­stoh­le­nes Fahr­rad stell­ten die Po­li­zis­ten bei der Fest­nah­me in der Pen­si­on si­cher. Vor Ge­richt gab er an, ei­ne Pro­sti­tu­ier­te in Bre­men ha­be ihm das Rad ge­schenkt. Bei der Po­li­zei hat­te der An­ge­klag­te an­ge­ge­ben, er ha­be es vom Floh­markt, er­läu­ter­te die Wil­des­hau­ser Amts­rich­te­rin. Ei­ne Zeu­gin hat­te das auf­fäl­li­ge wei­ße Moun­tain­bike am Tat­tag vor dem Haus des Op­fers in Bret­torf ge­se­hen.

Auch die Darstel­lung des An­ge­klag­ten, er ha­be das Tat­werk­zeug auf dem Bahn­steig ge­fun­den, über­zeug­te das Schöf­fen­ge­richt nicht. Es folg­te der For­de­rung der Staats­an­walt­schaft und ver­ur­teil­te den 45-Jäh­ri­gen zu ei­ner Ge­samt­stra­fe von zwei Jah­ren und sechs Mo­na­ten – oh­ne Be­wäh­rung. „Dass Sie die Sa­chen ge­fun­den und ge­schenkt be­kom­men ha­ben – an sol­che Zu­fäl­le glau­ben wir nicht“, so die Rich­te­rin. Sie for­der­te den Mann auf, an sei­ner Re­so­zia­li­sie­rung zu ar­bei­ten. Der Ver­tei­di­ger poch­te dar­auf, dass letzt­lich nur In­di­zi­en ge­gen sei­nen Man­da­ten auf­ge­führt wor­den sei­en. Die­ser ha­be nie ei­ne rich­ti­ge Chan­ce ge­habt, ein Le­ben in Frei­heit und mit Ei­gen­ver­ant­wor­tung zu füh­ren, plä­dier­te der Ver­tei­di­ger auf Frei­spruch. Un­mit­tel­bar nach dem Ur­teil kün­dig­te der 45-jäh­ri­ge Ol­den­bur­ger an, Be­ru­fung ein­zu­le­gen.

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