Star­ke Be­zie­hung der Kin­der zum No­tall-Ku­schel­tier

Nordwest-Zeitung - - IM NORDWESTEN - VON SASCHA SE­BAS­TI­AN RÜHL

FRA­GE: War­um ha­ben Sie die Deut­sche Ted­dy-Stif­tung ge­grün­det? AND­RATZ­KE: Es gibt da ein Schlüs­sel­er­leb­nis aus mei­ner Zeit als Po­li­zei­be­am­ter. Wir hat­ten ein sie­ben­jäh­ri­ges Mäd­chen, das Op­fer ei­ner Ent­füh­rung ge­wor­den war. Es saß ein­ge­schüch­tert in der Di­enst­stel­le. Ich ha­be dann von zu Hau­se ein Ku­schel­tier mei­ner Kin­der ge­holt. Dann fing das Mäd­chen an, sich da­mit zu un­ter­hal­ten. Erst dann sind wir an In­for­ma­tio­nen ge­kom­men. Da wur­de mir klar, dass die Kin­der zur Ent­span­nung in Not­si­tua­tio­nen ein Ku­schel­tier brau­chen, um ab­ge­lenkt zu wer­den. FRA­GE: Nun lie­fern Sie Ted­dy­bä­ren nach ganz Deutsch­land. AND­RATZ­KE: Ja, wir ha­ben viel er­reicht. Wir be­kom­men fort­lau­fend Dank­schrei­ben und auch ge­mal­te Bil­der von den Kin­dern, wo die er­leb­te Si­tua­ti­on dar­ge­stellt wird. Das Ku­schel­tier wird nach so ei­ner Schlüs­sel­si­tua­ti­on zu ei­nem lang­jäh­ri­gen Be­glei­ter. Ich ha­be ge­ra­de ei­ne Mail von ei­ner Mut­ter be­kom­men, wo der Ted­dy ver­lo­ren ge­gan­gen ist. Wir ha­ben so­fort kos­ten­los Er­satz los­ge­schickt. Es gibt da ei­ne star­ke Bin­dung und Be­zie­hung der Kin­der zum Trös­te­ted­dy. FRA­GE: Wie fi­nan­zie­ren sie es, Ret­tungs­diens­te, Kran­ken­häu­ser und Po­li­zis­ten mit Ted­dy­bä­ren aus­zu­stat­ten? AND­RATZ­KE: Wir be­kom­men zum Bei­spiel von Ge­rich­ten Geld­bu­ßen zu­ge­wie­sen. Der Ort des Ge­rich­tes be­kommt dann Teddys. Wenn zum Bei­spiel das Amts­ge­richt Ol­den­burg 385 Eu­ro Geld­bu­ße ver­hängt, dann be­kommt die Be­rufs­feu­er­wehr Ol­den­burg – die wir schon lan­ge be­lie­fern – 100 Teddys. Au­ßer­dem sind wir auf Spen­den an­ge­wie­sen. Je­der Eu­ro, der ge­spen­det wird, wird zu 100 Pro­zent in Teddys um­ge­rech­net. Da­für be­kommt der Spen­der auch ei­ne Pa­ten­schafts-Ur­kun­de. Den Rest fi­nan­zie­ren wir durch die Stif­tungs­mas­se. FRA­GE: Wird ge­nug ge­spen­det, um den Be­darf zu de­cken? AND­RATZ­KE: Im ver­gan­ge­nen Jahr ha­ben wir 30 000 Teddys ver­schickt, aber der Be­darf ist im­mens hoch. Wir könn­ten be­stimmt dop­pelt so vie­le ver­tei­len, so dass wirk­lich je­des Kind, das ei­nen Ted­dy braucht, auch ei­nen be­kommt.

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