Re­gie­rung will we­nig Wir­bel um hö­he­re Zu­satz­bei­trä­ge

DAS THE­MA: ZU­SATZ­BEI­TRÄ­GE

Nordwest-Zeitung - - NACHRICHTEN - VON LA­RIS­SA KOCH, BÜ­RO BER­LIN

FRA­GE: Der durch­schnitt­li­che Zu­satz­bei­trag der Ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen soll 2017 nicht stei­gen. Ei­gent­lich war ein deut­li­cher An­stieg vor­her­ge­sagt wor­den. Ha­ben sich al­le Ex­per­ten ge­irrt? LITSCH: Nein. Auf­ge­scho­ben ist nicht auf­ge­ho­ben. Die Ent­wick­lung der bei­trags­pflich­ti­gen Ein­nah­men ist die­ses Jahr deut­lich po­si­ti­ver aus­ge­fal­len als an­ge­nom­men, was mich sehr freut. Doch be­reits 2017 wer­den die fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen der ge­sund­heits­po­li­ti­schen Re­for­men wirk­sam. Al­lein die Kran­ken­häu­ser er­hal­ten nächs­tes Jahr rund sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro mehr. Der ak­tu­el­le Ka­bi­netts­ent­wurf des GKV-Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gungs­stär­kungs­ge­set­zes sieht dar­über hin­aus fi­nan­zi­el­le Ge­schen­ke an Apo­the­ker und Phar­ma­fir­men vor, die eben­falls be­reits 2017 grei­fen. FRA­GE: Wie wer­den sich die Zu­satz­bei­trä­ge für die AOKVer­si­cher­ten ent­wi­ckeln? LITSCH: Die Fest­le­gung der Zu­satz­bei­trä­ge ist Sa­che der Ver­wal­tungs­rä­te in den Kas­sen, die erst im Lau­fe der nächs­ten Mo­na­te ih­re Ent­schei­dun­gen tref­fen wer­den. Aber ins­ge­samt ge­he ich da­von aus, dass die AOKs ih­ren Kun­den auch im nächs­ten Jahr Sta­bi­li­tät bie­ten. FRA­GE: Wer­den Mehr­be­las­tun­gen auf die Zeit nach der Bun­des­tags­wahl ver­scho­ben? LITSCH: Ja, die vie­len kost­spie­li­gen Ge­set­ze wer­den deut­lich ins Kon­tor der GKV schla­gen. Um den Wir­bel um stei­gen­de Zu­satz­bei­trä­ge im Wahl­jahr mög­lichst klein zu hal­ten, schüt­tet die Bun­des­re­gie­rung 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro aus der Li­qui­di­täts­re­ser­ve an die Kran­ken­kas­sen aus. FRA­GE: Der Ar­beit­ge­ber­an­teil soll bei 7,3 Pro­zent ein­ge­fro­ren blei­ben. Aus­ga­ben­stei­ge­run­gen sind von den Ver­si­cher­ten zu tra­gen. Ei­ne Un­ge­rech­tig­keit? LITSCH: Das ist letzt­lich ei­ne po­li­ti­sche Fra­ge. Wich­ti­ger als die Fra­ge, ob wir zur Pa­ri­tät zu­rück­keh­ren, ist aus mei­ner Sicht, wie wir die Aus­ga­ben in Schach hal­ten. FRA­GE: Ist es Zeit für ei­ne Aus­ga­ben­brem­se? LITSCH: Je­den­falls soll­te stär­ker auf die Fi­nan­zier­bar­keit des Ge­samt­sys­tems ge­ach­tet wer­den. Sonst sto­ßen wir an Gren­zen. Re­for­men dür­fen nicht nur Wirt­schafts­kraft und Stand­ort­fra­gen im Blick ha­ben. Sie müs­sen deut­lich mehr als bis­her die Ver­si­cher­ten­und Pa­ti­en­ten­per­spek­ti­ve in den Mit­tel­punkt stel­len. Das be­trifft die Arz­nei­mit­tel­ver­sor­gung ge­nau­so wie das Zu­sam­men­spiel von am­bu­lan­ter und sta­tio­nä­rer Ver­sor­gung.

Mar­tin Litsch (56) aus Tri­er ist Vor­stands­vor­sit­zen­der des AOK-Bun­des­ver­ban­des.

BILD: GAM­BA­RI­NI

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