US-Wahl­kampf un­ter der Gür­tel­li­nie

PO­LIT-SCHLACHT Acht Wo­chen vor Ur­nen­gang geht es vor al­lem um Sex­af­fä­ren

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON MICHA­EL DONHAUSER

WA­SHING­TON – Po­li­ti­sche Wahl­kämp­fe dre­hen sich häu­fig um Fra­gen wie die Steu­er­po­li­tik, Ver­spre­chen an Rent­ner oder den Streit um So­zi­al­leis­tun­gen. Kin­der­geld et­wa oder El­tern­zeit. In den USA dreht sich der Wahl­kampf knapp vier Wo­chen vor dem Ur­nen­gang am 8. No­vem­ber vor al­lem um ein The­ma – Sex. Wer hat wann mit wem? Und vor al­lem: Hät­te er das dür­fen? Im­mer mehr äl­te­re Frau­en er­in­nern sich öf­fent­lich an ih­re Ju­gen­d­er­leb­nis­se mit dem Re­pu­bli­ka­ner-Kan­di­da­ten Do­nald Trump. An­de­re an die mit Ex-Prä­si­dent Bill Cl­in­ton.

Die Wahl­kampfla­ger von Hil­la­ry Cl­in­ton und Do­nald Trump ver­su­chen das ge­gen­sei­tig seit Ta­gen aus­zu­schlach­ten. Das Wahl­volk stöhnt auf.

Die 74-jäh­ri­ge Jes­si­ca Leeds sag­te der „New York Ti­mes“, Trump ha­be ihr vor drei Jahr­zehn­ten wäh­rend ei­nes Flu­ges an die Brüs­te ge­fasst und ver­sucht, un­ter ih­ren Rock zu grei­fen. Ei­ne zwei­te Frau, Ra­chel Crooks, er­klär­te, Trump ha­be sie 2005 in ei­nem Auf­zug auf den Mund ge­küsst.

„Al­les ge­lo­gen“, sagt Trump. Die Sto­ry der „New York Ti­mes“sei ge­fälscht. Es sei ei­ne Ge­schich­te in ei­ner ge­schei­ter­ten Zei­tung, wü­te­te er auf „Twit­ter“.

Trump stol­pert jetzt über Sün­den der Ver­gan­gen­heit, wie groß die­se auch im­mer ge­we­sen sein mö­gen. Ge­si­chert er­scheint, dass er da­mals das Frau­en­the­ma of­fen­sicht­lich be­wusst in die Öf­fent­lich­keit spiel­te, um sei­nen Be­kannt­heits­grad zu er­hö­hen. An ei­ner Stel­le brach­te er so­gar Car­la Br­uni, spä­te­re Prä­si­dent­schafts­gat­tin in Frank­reich, ins Spiel. Er de­men­tier­te, nach­dem sie de­men­tier­te.

Ei­ne Re­por­te­rin des Ma­ga­zi­nes „Peop­le“fiel aus­ge­rech­net kurz vor der Prä­si­den­ten­wahl ei­ne Be­ge­ben­heit aus den 2000er Jah­ren ein, als Trumps Ehe­frau Me­la­nia hoch­schwan­ger war und Do­nald Trump ihr den­noch sei­ne Ge­mä­cher zei­gen woll­te. „Er schloss die Tür, drück­te mich ge­gen die Wand und steck­te mir ge­walt­sam die Zun­ge in den Hals“, schrieb die Jour­na­lis­tin nun in ih­rer Zeit­schrift.

Die „Peop­le“-Frau be­reue es, schreibt sie, nicht frü­her aus­ge­packt zu ha­ben. In­spi­riert war sie nun wohl von ei­nem am ver­gan­ge­nen Frei­tag auf­ge­tauch­ten Vi­deo, das Trump et­wa im glei­chen Zei­t­raum 2005 in ei­nem Bus bei ei­ner Un­ter­hal­tung zeigt, die ob­szö­ne und frau­en­ver­ach­ten­de Pas­sa­gen ent­hielt. Das Vi­deo hat­te zu ei­nem Auf­schrei in den USA ge­führt. Zahl­rei­che Re­pu­bli­ka­ner, zum Teil selbst auf die Wäh­ler­stim­men aus dem streng christ­li­chen La­ger an­ge­wie­sen, wand­ten sich von Trump ab.

Trump ver­sucht nun, Vor­wür­fe ge­gen Hil­la­ry Cl­in­tons Ehe­mann Bill wie­der aus­zu­gra­ben. Bei der jüngs­ten TVDe­bat­te sa­ßen meh­re­re Frau­en im Pu­bli­kum, die Bill Cl­in­ton zum Teil se­xu­el­le Über­grif­fe vor­wer­fen. Zu ei­ner An­kla­ge war es aber nie ge­kom­men.

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