DNA-Spur von NSU-Ter­ro­rist an Fund­ort von Peg­gys Ske­lett

KRI­MI­NAL­FALL Hat Uwe Böhn­hardt das Mäd­chen 2001 ge­tö­tet?

Nordwest-Zeitung - - PANORAMA - VON UL­RICH KAUF­MANN

Im Fall der ge­tö­te­ten Peg­gy deu­tet sich ei­ne spek­ta­ku­lä­re Wen­de an. Doch noch herrscht nicht Ge­wiss­heit.

MÜN­CHEN/BAY­REUTH – Spek­ta­ku­lä­rer Fund im Fall Peg­gy: Am Fund­ort des Ske­letts des 2001 ver­schwun­de­nen und ge­tö­te­ten Mäd­chens sind DNA-Spu­ren des mut­maß­li­chen NSU-Ter­ro­ris­ten Uwe Böhn­hardt ge­fun­den wor­den. Das teil­ten das Po­li­zei­prä­si­di­um Ober­fran­ken und die Staats­an­walt­schaft Bay­reuth am Don­ners­tag­abend mit.

Wie die Be­hör­den wei­ter mit­teil­ten, wa­ren am Fund­ort zahl­rei­che Spu­ren­trä­ger si­cher­ge­stellt wor­den, die der­zeit un­ter­sucht wer­den. Noch ist un­klar, in wel­chem Zu­sam­men­hang die da­bei ge­fun­de­ne DNA-Spur Böhn­hardts steht und ob sie in Ver­bin­dung mit Peg­gys Tod steht.

Die da­mals neun­jäh­ri­ge Peg­gy war 2001 im baye­ri­schen Lich­ten­berg ver­schwun­den. Am 2. Ju­li die­ses Jah­res wur­de ihr Ske­lett in ei­nem Wald­stück bei Ro­da­cher­brunn (Thü­rin­gen) ge­fun­den – nur rund 15 Ki­lo­me­ter von Peg­gys Hei­mat­ort ent­fernt.

Der Rechts­ex­tre­mist Böhn­hardt ge­hör­te dem „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grund“(NSU). Zu­sam­men mit Uwe Mund­los und Bea­te Zschä­pe soll er jah­re­lang un­er­kannt ge­mor­det ha­ben. Die Grup­pe er­schoss zwi­schen 2000 und 2007 nach Er­kennt­nis­sen der Er­mitt­ler neun tür­kisch- und grie­chisch­stäm­mi­ge Klein­un­ter­neh­mer und ei­ne Po­li­zis­tin. Mund­los und Böhn­hardt tö­te­ten sich im No­vem­ber 2011, um ei­ner dro­hen­den Fest­nah­me zu ent­ge­hen. Zschä­pe stell­te sich der Po­li­zei. Seit Mai 2013 muss sie sich vor dem Münch­ner Ober­lan­des­ge­richt ver­ant­wor­ten.

Der Na­me von Böhn­hardt war be­reits 2014 im Zu­sam­men­hang mit ei­ner Kinds­tö­tung ge­fal­len: Da­mals ging die Staats­an­walt­schaft Je­na ei­ner neu­en Spur im Fall Bernd Beck­mann nach. Der da­mals neun­jäh­ri­ge Schü­ler war am 6. Ju­li 1993 in Je­na ver­schwun­den. Zwölf Ta­ge spä­ter wur­de sei­ne Lei­che in ei­nem Ge­büsch am Ufer der Saa­le ge­fun­den. Al­ler­dings prä­sen­tier­ten die Er­mitt­ler in die­sem Fall bis­lang kei­ne Er­geb­nis­se.

Meh­re­re Mit­glie­der des Thü­rin­ger NSU-Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses ver­wie­sen auch dar­auf, dass im aus­ge­brann­ten NSU-Wohn­mo­bil Kin­der­sa­chen ge­fun­den wor­den sei­en, de­ren Her­kunft bis heu­te un­klar ist. Im Brand­schutt der Flucht­woh­nung in Zwi­ckau war zu­dem ein Da­ten­trä­ger mit Kin­der­por­no­ma­te­ri­al ge­fun­den wor­den.

Der Rechts­an­walt Ya­vuz Na­rin, der im NSU-Pro­zess die Fa­mi­lie ei­nes er­mor­de­ten Ge­schäfts­man­nes ver­tritt, sag­te, im Um­feld des NSU sei­en „meh­re­re Per­so­nen mit Se­xu­al­straf­ta­ten an Kin­dern in Er­schei­nung ge­tre­ten“. In den Pro­zess­ak­ten fän­den sich Na­men von Män­nern, die zum Freun­des­kreis Böhn­hardts zähl­ten und zu de­nen sich Hin­wei­se auf Kin­des­miss­brauch in den Ak­ten fän­den.

DPA-BILD: KARMANN

Mit Po­li­zei-Ab­sperr­band ist in ei­nem Wald­stück bei Ro­da­cher­brunn der Fund­ort von Peg­gys Ske­lett ab­ge­sperrt.

BIL­DER: PO­LI­ZEI/BUN­DES­KRI­MI­NAL­AMT

Peg­gy K. und Uwe Böhn­hard

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