Ver­ein hilft Op­fern zu­rück ins Le­ben

UN­TER­STÜT­ZUNG Pro­jekt för­dert Aus­tausch zwi­schen Tä­tern und Be­trof­fe­nen un­ter­schied­li­cher Über­grif­fe

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURGER - VON LARS LAUE

Die Her­an­ge­hens­wei­se ist ein­zig­ar­tig in Nie­der­sach­sen. Das Pi­lot­pro­jekt rich­tet sich an Be­trof­fe­ne aus dem ge­sam­ten Ol­den­bur­ger Land.

OL­DEN­BUR­GER LAND – Ein Ein­bruch in die ei­ge­nen vier Wän­de. Schmuck, tech­ni­sche Ge­rä­te und Bar­geld feh­len. All das lässt sich wie­der­be­schaf­fen, in den meis­ten Fäl­len sind die Men­schen gut ver­si­chert. Doch ei­ne Ver­si­che­rung ge­gen die psy­chi­schen Fol­gen, die ein Ein­drin­gen Frem­der in die Pri­vat­sphä­re mit sich bringt, die gibt es nicht.

Ob man nun Op­fer ei­nes Ein­bru­ches, ei­nes Se­xu­al­de­lik­tes, ei­nes Über­falls oder ei­ner an­de­ren Ge­walt­tat ge­wor­den ist – für al­le Be­trof­fe­nen aus der ge­sam­ten Re­gi­on gibt es kos­ten­lo­se Un­ter­stüt­zung, das Er­leb­te zu ver­ar­bei­ten „und wie­der frei­er le­ben zu kön­nen“, wie Ve­ro­ni­ka Hil­len­stedt es for­mu­liert.

Die Di­plom-Päd­ago­gin ist Ge­schäfts­füh­re­rin der bald seit 30 Jah­ren be­ste­hen­den Ein­rich­tung Kon­flikt­schlich­tung e.V. mit Sitz an der Kai­ser­stra­ße 7 in Ol­den­burg. Der Ver­ein hat den Zu­schlag be­kom­men für ein nie­der­sach­sen­weit ein­ma­li­ges Pi­lot­pro­jekt. Es ist an­ge­lehnt an den be­währ­ten Tä­ter-Op­fer-Aus­gleich, nur mit ei­nem we­sent­li­chen Un­ter­schied: Es han­delt sich um von­ein­an­der un­ab­hän­gi­ge Per­so­nen und Ta­ten und nicht um die Op­fer und Tä­ter der­sel­ben Tat.

Das vom Land Nie­der­sach­sen mit 60 000 Eu­ro fi­nan­zier­te und zu­nächst auf die Dau­er ei­nes hal­ben Jah­res an­ge­leg­te Pro­jekt „Op­fer und Tä­ter im Ge­spräch“funk­tio­niert so: Der Ver­ein Kon­flikt­schlich­tung ko­ope­riert eng mit op­fer­un­ter­stüt­zen­den Ein­rich­tun­gen und der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt ( JVA) Ol­den­burg.

Das Kon­zept sieht zu­nächst ei­nen ge­trenn­ten Aus­tausch in meh­re­ren Grup­pen­sit­zun­gen von Op­fern und Tä­tern vor. Da­bei kön­nen die Op­fer die Aus­wir­kun­gen der Straf­ta­ten auf­zei­gen, ih­re Lei­dens­ge­schich­te er­zäh­len und sich auf die Be­geg­nun­gen mit den Tä­tern vor­be­rei­ten.

Die Tä­ter wer­den par­al­lel in Grup­pen­sit­zun­gen mit der Op­fer­per­spek­ti­ve kon­fron­tiert und auf die Teil­nah­me an den ge­mein­sa­men Grup­pen­ge­sprä­chen vor­be­rei­tet. Vor­aus­set­zung für die Teil­nah­me ist, dass die Tä­ter be­reit sind, Ver­ant­wor­tung für ver­gan­ge­nes und zu­künf­ti­ges Han­deln zu über­neh­men und sich mit den Fol­gen für die Ge­schä­dig­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen und ihr Ver­hal­ten zu än­dern. Nach den ge­trennt von­ein­an­der statt­fin­den­den Grup­pen­ge­sprä­chen kommt es zu ge­mein­sa­men Ge­sprächs­run­den zwi­schen Op­fern und Häft­lin­gen – mit dem Er­geb­nis, dass die Rück­fall­quo­te bei den Tä­tern nach An­ga­ben des Ver­eins deut­lich sinkt.

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