Ein Po­et re­vo­lu­tio­niert Rock und Pop

No­bel­preis an Bob Dy­lan – Stock­holm ehrt erst­mals ei­nen Mu­si­ker

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON HOL­GER SPIERIG

Seit Jah­ren galt er als Fa­vo­rit, ging aber im­mer leer aus. Nun wur­de dem 75-jäh­ri­gen Song­schrei­ber die höchs­te Li­te­ra­tur­aus­zeich­nung der Welt zu­er­kannt.

STOCK­HOLM – „Yi­pee! Ich bin ein Po­et, und ich weiß es“, ju­bel­te Bob Dy­lan be­reits 1964 in dem Song „I Shall Be Free No. 10“. Was der Sän­ger als 23-jäh­ri­ger Heiß­sporn nicht ganz ernst mein­te, hat der heu­te 75-Jäh­ri­ge nun schrift­lich: Die Schwe­di­sche Aka­de­mie in Stock­holm sprach ihm am Don­ners­tag mit dem Li­te­ra­tur­no­bel­preis die höchs­te Li­te­ra­tu­reh­rung zu. Die Aka­de­mie wür­dig­te da­mit Dylans „poe­ti­sche Neu­schöp­fun­gen in der ame­ri­ka­ni­schen Ge­s­angs­tra­di­ti­on“. Sein Ein­fluss auf die zeit­ge­nös­si­sche Mu­sik sei tief­grei­fend.

„Sei­ne Ly­rik“, ur­teil­te das Ma­ga­zin „Ti­me“ein­mal, sei „ein kunst­vol­les Cha­os“, das klin­ge, „als sän­ge Rim­baud Rock’n’Roll“. El­vis ha­be den Kör­per be­freit, Bob Dy­lan den Geist, wür­dig­te ihn der Mu­si­ker­kol­le­ge Bru­ce Springs­teen.

Dy­lan sei es zu ver­dan­ken, dass aus den sim­plen Lie­bes­lie­dern in der Pop und Rock­mu­sik der 60er Jah­re kom­ple­xe sur­rea­lis­ti­sche Dicht­kunst wur­de. Sei­ne frü­hen Stü­cke „Blo­win’ in the Wind“und „The Ti­mes They are A-Chan­gin“wur­den zu Hym­nen der An­ti­kriegs- und Bür­ger­rechts­be­we­gung.

Dy­lan ist der ers­te Mu­si­ker, dem die höchs­te Li­te­ra­tu­reh­rung zu­er­kannt wird. Seit mehr als 20 Jah­ren wur­de er im­mer wie­der als An­wär­ter für den No­bel­preis ge­han­delt. So setz­te sich ei­ne von den Schrift­stel­lern John Baul­die und Al­len Gins­berg ge­lei­te­te Kam­pa­gne be­reits 1996 für ei­ne No­mi­nie­rung ein. Auch der ame­ri­ka­ni­sche Li­te­ra­tur­pro­fes­sor Gor­don Ball mach­te sich En­de der 90er Jah­re für Dy­lan als Preis­trä­ger stark. Sei­ne „in­spi­rier­te, kraft­vol­le Ly­rik“sei ver­gleich­bar mit der von Wil­li­am But­ler Yeats, dem No­bel­preis­trä­ger von 1923.

Für sei­ne „ly­ri­schen Kom­po­si­tio­nen von au­ßer­or­dent­li­cher poe­ti­scher Aus­drucks­kraft“er­hielt der Mu­si­ker im Jahr 2008 be­reits den Pu­lit­zer­Preis. Für sein Le­bens­werk wur­de er im Jahr 1991 mit ei­nem Gram­my aus­ge­zeich­net. Und das Mu­sik­ma­ga­zin „Rol­ling Sto­ne“kür­te sein sechs­mi­nü­ti­ges „Li­ke A Rol­ling Sto­ne“un­ter 500 Stü­cken zum „Größ­ten Song al­ler Zei­ten“.

Dy­lan gilt als gro­ßer Er­neue­rer der Rock­mu­sik. Der als Folk- und Pro­test­sän­ger ge­star­te­te Mu­si­ker be­schritt im­mer wie­der neue We­ge. Li­te­ra­tur und Dicht­kunst spiel­ten schon im­mer ei­ne gro­ße Rol­le in dem über 50-jäh­ri­gen Le­bens­werk Dylans, der am 24. Mai 1941 in Du­luth in Min­ne­so­ta als Ro­bert Al­len Zim­mer­man ge­bo­ren wur­de. Sein Künst­ler­na­me ist wohl ei­ne Ver­nei­gung vor dem wa­li­si­schen Dich­ter Dy­lan Tho­mas.

Als li­te­ra­ri­sche Ein­flüs­se nennt Dy­lan den fran­zö­si­schen Dich­ter Ar­thur Rim­baud, den deut­schen Dra­ma­ti­ker Ber­tolt Brecht und den Beat-Dich­ter Jack Ke­rou­ac. Aber auch die Bi­bel und die To­ra wer­den von Dy­lan bis heu­te krea­tiv als St­ein­bruch ge­nutzt.

„Mann, nicht die Me­lo­di­en sind wich­tig, es sind die Tex­te, die Me­lo­di­en sind mir schnup­pe“, er­klär­te der jun­ge Dy­lan be­reits im Jahr 1963. Wenn man weg­las­se, was sonst noch zum Song ge­hö­re – Rhyth­mus und Me­lo­die –, kön­ne er den Text im­mer noch auf­sa­gen.

BILD: IMAGO STOCK&PEOP­LE

Ei­ne Jahr­hun­dert­ge­stalt der Rock­mu­sik: der Song­schrei­ber und Sän­ger Bob Dy­lan

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