EEG-Um­la­ge steigt – In­dus­trie warnt

2017 müs­sen Ver­brau­cher 6,88 Cent je Ki­lo­watt­stun­de zah­len – Staat kas­siert auch mit

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON ERIK NE­BEL UND JÖRG SCHÜRMEYER

BER­LIN/DPA – Ver­brau­cher müs­sen zur För­de­rung von Strom aus Wind­kraft und Son­ne wohl auch im nächs­ten Jahr tie­fer in die Ta­sche grei­fen. Die Ökostrom-Um­la­ge wird von 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de an­ge­ho­ben, teil­ten die Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber 50Hertz, Am­pri­on, Ten­net und Trans­ne­tBW am Frei­tag mit. Die Um­la­ge zah­len Ver­brau­cher über die Strom­rech­nung.

Der Prä­si­dent des Bun­des­ver­ban­des der Deut­schen In­dus­trie (BDI), Ul­rich Gril­lo, nann­te den star­ken An­stieg der Kos­ten für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ein Alarm­si­gnal. Das jet­zi­ge För­der­sys­tem lau­fe aus dem Ru­der. Der Han­dels­ver­band Deutsch­land for­der­te ei­ne Re­du­zie­rung der Kos­ten für die Ener­gie­wen­de.

Die Po­li­tik ver­sucht ge­gen­zu­steu­ern. Die Aus­wir­kun­gen auf den Ge­samt­preis sind of­fen.

BER­LIN/OL­DEN­BURG – Die Ökostrom-Um­la­ge steigt wie­der an. 2017 müs­sen Ver­brau­cher 6,88 Cent pro Ki­lo­watt­stun­de für die För­de­rung von Strom aus er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en auf­wen­den. Das leg­ten die vier Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber 50Hertz, Am­pri­on, Ten­net und Trans­ne­tBW jetzt fest. Aber war­um stei­gen die Kos­ten? Fra­gen und Ant­wor­ten:

Was ist die EEG-Um­la­ge

Um An­rei­ze zum Aus­bau der Strom­er­zeu­gung aus Wind, Son­ne, Was­ser und Bio­mas­se zu schaf­fen, gibt es seit Jah­ren ein För­der­sys­tem. Das im Jahr 2000 be­schlos­se­ne Er­neu­er­ba­re-Ener­gi­en-Ge­setz (EEG) ga­ran­tier­te Er­zeu­gern bis­lang 20 Jah­re lang die Ab­nah­me von Ökostrom zu fes­ten Prei­sen, un­ab­hän­gig von An­ge­bot und Nach­fra­ge. Die­se Ein­spei­se­ver­gü­tung wird aus der EEG-Um­la­ge be­zahlt, die auf die Strom­rech­nung auf­ge­schla­gen wird. Üb­ri­gens: Der Staat kas­siert mit, über die Mehr­wert­steu­er.

Wie wird die Um­la­ge be­rech­net

Das ist Auf­ga­be der vier Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber. Sie neh­men den Öko-Er­zeu­gern den Strom ab und ver­kau­fen ihn an der Ener­gie­bör­se wei­ter – und zwar zu Markt­prei­sen, die zu­meist deut­lich un­ter den ge­zahl­ten Ver­gü­tun­gen lie­gen. Die Dif­fe­renz kommt aus dem EEG-Topf. Das heißt: Die Um­la­ge steigt, wenn die Bör­sen­prei­se für Strom wie in die­sem Jahr kräf­tig sin­ken.

Wie hat sich die Um­la­ge ent­wi­ckelt

In die­sem Jahr kom­men fast 23 Mil­li­ar­den Eu­ro in den EEG-Topf, durch die Er­hö­hung der Um­la­ge von 6,35 auf 6,88 Cent steigt das Vo­lu­men 2017 um rund ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro. Dann zahlt ein Haus­halt mit ei­nem Ver­brauch von 3500 Ki­lo­watt­stun­den im Jahr gut 240 Eu­ro bei ei­ner Ge­samt­strom­rech­nung von rund 1000 Eu­ro ein. Vor zehn Jah­ren lag die EEG-Um­la­ge noch bei 0,88 Cent.

Wo­her kommt der star­ke An­stieg

Das hat mit dem gro­ßen Er- folg der Ökostrom­för­de­rung zu tun. So klet­ter­ten die Kos­ten vor al­lem in den Jah­ren 2010 bis 2013 steil an. Da­mals pur­zel­ten vor al­lem die Prei­se für So­lar­an­la­gen dank Bil­lig­her­stel­lern aus Chi­na deut­lich, wäh­rend sich die deut­sche Po­li­tik nicht ge­nau­so schnell auf För­der­kür­zun­gen ei­ni­gen konn­te. Das mach­te In­ves­ti­tio­nen in neue So­lar­an­la­gen lu­kra­tiv. Ent­spre­chend stieg das Ökostrom­an­ge­bot und da­mit die EEG-Um­la­ge.

Hat die Po­li­tik in­zwi­schen re­agiert

Ja, die Ein­spei­se­ver­gü­tun­gen für neue An­la­gen wur­den schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ge­senkt. Das hat den Ökostrom-Aus­bau zum Leid­we­sen der Bran­che und da­mit auch den ra­san­ten Kos­ten­an­stieg ge­bremst. 2015 fiel die EEG-Um­la­ge erst­mals seit 2000 leicht. Von 2017 an wird die Ökostrom­för­de­rung ganz neu ge­re­gelt und stär­ker auf mehr Wett­be­werb um­ge­stellt. Dann fällt die 20-jäh­ri­ge Preis­ga­ran­tie für neue An­la­gen weg. Statt­des­sen wer­den Pro­jek­te aus­ge­schrie­ben. Wer we­nig Sub­ven­tio­nen ver­langt, soll den Zu­schlag be­kom­men.

Was heißt das nun für den ge­sam­ten Strom­preis

Was der An­stieg der Um­la­ge für Haus­hal­te am En­de kon­kret be­deu­tet, ist kaum zu be­rech­nen. Es kommt dar­auf an, in­wie­weit die Ver­sor­ger fal­len­de Bör­sen­strom­prei­se an die Kun­den wei­ter­ge­ben. Laut Eu­ro­s­tat ist Strom für Pri­vat­haus­hal­te aber nur in Dä­ne­mark noch teu­rer als in Deutsch­land. Er­leich­te­run­gen sind kaum in Sicht. „Bil­li­ger wird der Strom si­cher nicht“, sagt BDEW-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Ste­fan Kap­fe­rer. Er macht da­für staat­lich ver­ord­ne­te Ab­ga­ben und Um­la­gen so­wie Steu­ern ver­ant­wort­lich, die über die Hälf­te des Strom­prei­ses aus­ma­chen. Da­zu kom­men die Kos­ten für die Net­ze. Zu­min­dest im Nord­wes­ten wer­den auch die­se 2017 an­stei­gen. Bei EWE Netz (Ol­den­burg) er­hö­hen sich die Netz­ent­gel­te für ei­nen Durch­schnitts­haus­halt um 19,7 Pro­zent, was net­to 48,22 Eu­ro im Jahr aus­macht. Der An­stieg sei prak­tisch aus­schließ­lich auf deut­lich ge­stie­ge­ne Netz­ent­gel­te der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber zu­rück­zu­füh­ren.

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