Schluss mit lus­tig

Un­heim­li­che Clowns gru­seln Ame­ri­ka­ner und Bri­ten

Nordwest-Zeitung - - PANORAMA - VON TO­NI WÖLFL

Men­schen in Clown­kos­tü­men trei­ben der­zeit ihr Un­we­sen – vor al­lem in den USA. Vi­de­os zei­gen be­droh­li­che Sze­nen wie aus Hor­ror­fil­men.

WA­SHING­TON/LON­DON/STOCKHOLM – Ein Blick aus dem Fens­ter: Dort steht ein Clown hin­ter dem Gar­ten­zaun im fins­te­ren Wald und gräbt mit ei­nem Spa­ten ein Loch. Der Bild­aus­schnitt schwenkt un­ru­hig auf den Bo­den, folgt ner­vö­sen Schrit­ten ins Freie, dem Clown ent­ge­gen. Man hört ei­nen Schrei. Der Clown hält in­ne, dreht sei­nen Kopf lang­sam in Rich­tung Ka­me­ra – und läuft plötz­lich dar­auf zu. Das Bild wa­ckelt und bricht ab. Was da­nach pas­siert, bleibt of­fen.

Was sich liest wie das Dreh­buch ei­nes Hor­ror­films, be­schreibt ei­nes von zahl­rei­chen Ama­teur­vi­de­os aus den USA, die seit meh­re­ren Wo­chen auf Twit­ter kur­sie­ren. Sie al­le zei­gen Men­schen in Clown­kos­tü­men, die un­er­war­tet an fins­te­ren Or­ten auf­tau­chen, an Fried­hö­fen und ab­ge­le­ge­nen Stra­ßen. Die „Kil­lerC­lowns“gru­seln die Men­schen, ver­brei­ten Angst in der Be­völ­ke­rung.

Was da­von in­sze­niert ist und was re­al, lässt sich schwer sa­gen. Man­che Kin­der er­fän­den Ge­schich­ten über bös­ar­ti­ge Clowns auf dem Schul­weg, be­rich­tet die Po­li­zei. Tritt­brett­fah­rer nut­zen die Ve­r­un­si­che­rung aus. „Viel­leicht denkt je­mand, das wä­re lus­tig“, sagt ei­ne Po­li­zis­tin. Sie warnt vor Nach­ah­mern.

Auch in Groß­bri­tan­ni­en ha­ben Un­be­kann­te in Clown­kos­tü­men zahl­rei­che Men­schen in Schre­cken ver­setzt. Die Po­li­zei in der Re­gi­on Tha­mes Val­ley west­lich von Lon­don be­rich­te­te von 14 ge­mel­de­ten Vor­fäl­len am Wo­che­n­en­de, bei de­nen Men­schen von Mas­kier­ten ein­ge­schüch­tert wor­den sei­en. Ein mit ei­nem Mes­ser be­waff­ne­ter Mann im Clown­kos­tüm war am Frei­tag ei­ner Grup­pe von vier Kin­dern in Ches­ter-Le-Street im eng­li­schen Nord­os­ten auf dem Schul­weg ge­folgt, teil­te die Po­li­zei in Dur­ham mit. „Wir glau­ben, das ist Teil ei­ner Pos­se, die sich ge­ra­de in den USA und in Tei­len des Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reichs aus­brei­tet“, sag­te Po­li­zei­wacht­meis­ter Mel Su­ther­land.

In Schwe­den stach am Don­ners­tag­abend ein mit ei­ner Clown­s­mas­ke ver­mumm­ter Mann mit ei­nem Mes­ser auf ei­nen Ju­gend­li­chen ein. Das Op­fer wur­de bei der Atta­cke in der west­schwe­di­schen Pro­vinz Hal­land leicht ver­letzt.

Ob blö­der Streich oder ernst­haf­te Ge­fahr, ist auch in den USA auf den ers­ten Blick kaum er­sicht­lich. Für vie­le ist es ein gro­ßer Spaß, für man­che ein wahr­ge­wor­de­ner Alb­traum. Und der geht wei­ter – denn das wich­tigs­te Fest für Gru­sel­fans steht mit Hal­lo­ween (31. Ok­to­ber) erst be­vor.

Das Phä­no­men „Kil­lerC­lown“wirft ei­nen Schat­ten auf das tra­di­tio­nel­le Spek­ta­kel: „Die Po­li­zei von Ro­sel­le Park bit­tet El­tern, ih­re Kin­der an Hal­lo­ween kei­ne Clown­kos­tü­me tra­gen zu las­sen“, warnt die Be­hör­de im Bun­des­staat New Jer­sey vor­sorg­lich.

Für die Angst vor Clowns gibt es üb­ri­gens ei­nen Fach­be­griff: Coul­ro­pho­bie. Doch war­um ha­ben Men­schen Angst vor die­sen Gestal­ten? Der Psy­cho­lo­ge Frank McAnd­rew vom Kn­ox Col­le­ge in Il­li­nois hat ei­ne Ant­wort. In ei­ner Stu­die mit 1341 Teil­neh­mern such­te er nach Merk­ma­len, die ei­nen Men­schen gru­se­lig wir­ken las­sen. Gru­sel­fak­tor be­sitzt dem­nach, wer in un­pas­sen­den Mo­men­ten lacht, ko­mi­sche Klei­dung trägt, dunk­le Au­gen­rin­ge und blas­se Haut hat. Wei­te­res In­diz sei zu viel oder zu we­nig zur Schau ge­stell­te Emo­ti­on. Und: Män­ner wer­den als be­droh­li­cher emp­fun­den. All die­se Ei­gen­schaf­ten ver­ei­nen Clowns in sich, sagt McAnd­rew: „Sie sind scha­den­froh und un­be­re­chen­bar, man kann nicht sa­gen, wer sie wirk­lich sind oder was sie wirk­lich füh­len.“

Dass die Vor­stel­lung vom Clown als bö­sem Psy­cho­pa­then heu­te so ver­brei­tet ist, lie­ge auch am Fall des Mas­sen­mör­ders John Way­ne Ga­cy: Der Stra­ßen­clown tö­te­te in den 1970er Jah­ren 33 Jun­gen. Sei­ne Ge­schich­te ist in den USA im­mer noch be­kannt.

Das Üb­ri­ge er­le­digt Hol­ly­wood: Wer den be­droh­li­chen Jo­ker aus „Bat­man“kennt, wird in ei­nem Clown kei­nen fried­li­chen Spaß­vo­gel se­hen. Im kom­men­den Jahr soll ei­ne Neu­ver­fil­mung des Best­sel­lers „Es“von Stephen King in die Ki­nos kom­men. Mit Pen­ny­wi­se schuf der US-Buch­au­tor den Arche­typ des „Kil­lerC­lowns“.

Es kur­siert die Theo­rie, dass die bö­sen Clowns schlicht Wer­bung für den Film ma­chen soll­ten. King schrieb kürz­lich auf Twit­ter: „Zeit, die Clown-Hys­te­rie her­un­ter­zu­fah­ren – die meis­ten Clowns sind gut, er­hei­tern Kin­der und brin­gen Leu­te zum La­chen.“

US-Rap­per COOLIO (53) ist in Los An­ge­les we­gen Waf­fen­be­sit­zes an­ge­klagt wor­den. Bei ei­ner Kon­trol­le am Flug­ha­fen Los An­ge­les sei in sei­nem Ruck­sack ei­ne Hand­feu­er­waf­fe ge­fun­den wor­den. Ihm dro­hen bis zu drei Jah­re Haft. Coolio, ei­gent­lich Ar­tis Le­on Ivey Jr., lan­de­te 1995 mit „Gangs­ta’s Pa­ra­di­se“ei­nen Num­mer-Eins-Hit.

Schau­spie­ler UL­RICH TUKUR (59) sieht das Äl­ter­wer­den phi­lo­so­phisch. „War­um wer­den wir auf die­se Er­de ge­wor­fen, und in dem Mo­ment, in dem wir an­fan­gen, die Din­ge ein we­nig zu ver­ste­hen, weil wir wei­se und klü­ger ge­wor­den sind und das Le­ben bes­ser an­ge­hen könn­ten, wird es uns wie­der aus der Hand ge­schla­gen?“, fragt er im In­ter­view mit dem Ma­ga­zin „Ga­lo­re“. „Jetzt bin ich bald 60, und das ist schei­ße.“

„Die meis­ten Clowns sind gut, er­hei­tern Kin­der und brin­gen Leu­te zum La­chen“STEPHEN KING

BILD: MARCO GROB/WARNER BROS.

Die Neu­ver­fil­mung von Stephen Kings „Es“soll 2017 in die Ki­nos kom­men. Bill Skars­gard spielt dar­in Pen­ny­wi­se – den Arche­typ des „Kil­ler-Clowns“.

BILD: DPA

Ul­rich Tukur

AP-BILD: PIZZELLO

Coolio

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