Wann ist ei­ne Wurst auch wirk­lich ei­ne Wurst?

Flei­scher­hand­werk sieht Ver­brau­cher­täu­schung – Streit um Be­zeich­nun­gen

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ELMAR STE­PHAN

HANNOVER – Fleisch­lo­se Bur­ger, ve­ge­ta­ri­sche Schnit­zel, ve­ga­ne Wurst: Mit sol­chen Pro­duk­ten re­agiert die Le­bens­mit­tel­in­dus­trie auf die stei­gen­de Nach­fra­ge nach fleisch­lo­sem Es­sen. Aber: Darf ei­ne Wurst oh­ne Fleisch auch als Wurst be­zeich­net wer­den? Fra­gen und Ant­wor­ten:

Um wel­che Pro­duk­te geht es ei­gent­lich

Das An­ge­bot der Su­per­märk­te an Steaks aus So­ja, ve­ge­ta­ri­schem Gu­lasch oder rein pflanz­li­chen Fri­ka­del­len wächst. „Der Markt boomt und ein En­de ist nicht in Sicht“, stell­te kürz­lich das Köl­ner In­sti­tut für Han­dels­for­schung (IFH) in ei­ner Stu­die fest. Vor al­lem die so­ge­nann­ten Fle­xi­ta­ri­er ge­hö­ren nach Mei­nung der Markt­be­ob­ach­ter zu den Käu­fern sol­cher Pro­duk­te: Das sind Kun­den, die ih­ren Fleisch­kon­sum re­du­zie­ren, aber nicht kom­plett ein­stel­len. Mehr als ein Drit­tel der Haus­hal­te in Deutsch­land isst in­zwi­schen be­wusst we­ni­ger Fleisch. Wo liegt das Pro­blem

Nach An­sicht des Deut­schen Flei­scher­ver­ban­des (DFV ) und des Deut­schen Bau­ern­ver­ban­des han­delt es sich um ei­ne Ver­brau­cher­täu­schung, wenn ein fleisch­lo­ses Schnit­zel als Schnit­zel be­zeich­net wird. Da­bei ge­he es nicht dar­um, dass der Ver­brau­cher bei ei­nem als „ve­ge­ta­risch“be­zeich­ne­ten Schnit­zel Fleisch er­war­te. Viel­mehr hät­ten vie­le der Er­satz­pro­duk­te we­der in Zu­sam­men­set­zung noch in Ge­schmack mit den tra­di­tio­nel­len Er­zeug­nis­sen wie Wurst und Schin­ken et­was ge­mein­sam. Es kom­me nicht al­lein auf das Aus­se­hen an, son­dern ent­schei­dend sei­en auch der Ge­ruch, die Kon­sis­tenz und der Ge­schmack.

Was schlägt das Flei­scher­hand­werk vor

Fleisch­lo­se Er­zeug­nis­se soll­ten neu­tra­le Be­zeich­nun­gen be­kom­men wie „Bratstück“. Das sei dem Ver­brau­cher ge­gen­über ehr­li­cher. Da­her ha­ben bei­de Ver­bän­de be­reits im März ei­nen An­trag bei der Deut­schen Le­bens­mit­tel­buch­kom­mis­si­on ge­stellt, dass für fleisch­lo­se Pro­duk­te die Be­zeich­nun­gen von Flei­scher­zeug­nis­sen nicht ver­wen­det wer­den dür­fen.

Was sa­gen die Ve­ge­ta­ri­er

Wenn fleisch­lo­se Schnit­zel und Fri­ka­del­len deut­lich mit dem Zu­satz „ve­ge­ta­risch“oder „ve­gan“ge­kenn­zeich­net wer­den, wird aus Sicht des Ve­ge­ta­rier­bun­des Deutsch­land (VEBU) der Ver­brau­cher nicht ge­täuscht. Die Be­zeich­nung als „Schnit­zel“oder „Fri­ka­del­le“brin­ge für den Kun­den grif­fig die we­sent­li­chen Ei­gen­schaf­ten des Pro­dukts auf den Punkt: Et­wa, dass die Pro­duk­te pa­niert sind, in der Pfan­ne ge­bra­ten wer­den müs­sen, und sie ge­ben auch ei­nen Hin­weis auf den Ge­schmack.

DPA-BILD: KARMANN

Rich­ti­ge Wurst oder nicht? Ei­ne ve­ga­ne Cur­ry-Wurst wird auf der Mes­se „Bi­oFach“in Nürnberg prä­sen­tiert.

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