Wenn Ge­ne­ral Mut­ter kom­man­diert

Kam­mer­schau­spie­le­rin El­fi Hop­pe und Die­ter Hin­richs auf der Büh­ne im Thea­ter Hof/19

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON SA­BI­NE SCHICKE

Das Thea­ter­stück hat der be­kann­te Schrift­stel­ler Bernd Schro­eder 2013 ge­schrie­ben. Zwei Jah­re lang kämpf­te das Thea­ter im Bahn­hofs­vier­tel um die Auf­füh­rungs­rech­te.

OL­DEN­BURG – Im All­ge­mei­nen wer­den Bernd Schro­eders Stü­cke in Ber­lin und Mün­chen ur­auf­ge­führt. Zur Pre­mie­re rol­len Kam­mer­spie­le oder Volks­büh­ne den ro­ten Tep­pich aus. Die Hart­nä­ckig­keit von Frau­ke All­wardt und Die­ter Hin­richs hat den Grim­me-Preis-Trä­ger dann doch über­zeugt, die Rech­te an „Ge­ne­ral Mut­ter“für das Ol­den­bur­ger Thea­ter/Hof 19 frei­zu­ge­ben. „Zwei Jah­re lang ha­ben wir uns dar­um be­müht“, er­in­nern sich die bei­den an den Kampf um das Thea­ter­stück, das der ge­trennt le­ben­de Ehe­mann von Au­to­rin El­ke Hei­den­reich ge­schrie­ben hat.

In dem Stück geht es um die sub­ti­le Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen ei­ner Mut­ter um die 70 und ih­ren er­wach­se­nen Sohn. Sie kann und will das Re­gi­ment über Jo­han­nes nicht auf­ge­ben. War­um er wohl so ein Be­zie­hungs­an­alpha­bet ge­wor­den ist? Das ist ei­ne der Fra­gen, wenn sie mit­ein­an­der Schlach­ten schla­gen, scharf­zün­gig und ver­let­zend. Bei­de sind auf ih­re Art einsam, ob­wohl er ein er­folg­rei­cher Ar­chi­tekt ist – wenn auch nicht in den Au­gen sei­ner Mut­ter.

Dass Die­ter Hin­richs den Sohn spielen wür­de, war klar. Aber wer soll­te die­se star­ke Mut­ter sein? Ei­ne Wunsch­be­set­zung hat­te Frau­ke All­wardt von An­fang an im Kopf: Kam­mer­schau­spie­le­rin El­fi Hop­pe. Auf der Büh­ne des Staats­thea­ters hat­te sie vier Jahr­zehn­te al­le gro­ßen Frau­en­fi­gu­ren von Ib­sen, Tsche­chow, Brecht und an­de­ren ge­prägt, aber vor neun Jah­ren ih­ren Ab­schied ge­nom­men. Vor­sich­tig ließ man über Freun­de bei ihr vor­füh­len. „Und es ka­men po­si­ti­ve Si­gna­le.“

Im Ju­ni 2015 las sie das Stück „in ei­nem Rutsch, es hat­te mich ge­packt“. Gleich­zei­tig schli­chen sich Fra­gen in ih­re in­ne­ren Mo­no­lo­ge: „Wür­de ich das schaf­fen? Ha­be ich noch die­se Kraft für die Büh­ne – und das in ei­nem Zwei-Per­so­nen-Stück?“

In­zwi­schen gibt es kei­ne Zwei­fel mehr: Der nie­der­län­di­sche Re­gis­seur Ri­nus Kno­bel sagt „Du ge­hörst auf die Büh­ne.“Schon beim ers­ten Tref­fen hat­te es ge­funkt in dem Büh­nen­team. Und für El­fi Hop­pe war es ei­ne an­de­re Art von Ar­beit als frü­her: Von An­fang an konn­te sie ih­re Vor­stel­lun­gen mit ein­brin­gen. Ge­mein­sam ha­ben sie al­les er­ar­bei­tet. „Wir sind die­ses Vor­ge­hen ja ge­wohnt“, er­klärt Die­ter Hin­richs.

Bei­de schen­ken sich aber nichts bei den Pro­ben. Re­gis­seur Ri­nus Kno­bel for­mu­liert sei­nen An­spruch: „Es soll echt sein, nicht auf­ge­setzt.“Bei die­sem Psy­cho­gramm wä­re Kla­mauk töd­lich.

Doch in dem Stück spie­gelt sich auch das Mit­ein­an­der der Ge­ne­ra­tio­nen wi­der. Wenn Kin­der sich um al­te El­tern küm­mern müs­sen. „Ab­hän­gig­kei­ten sind ja viel­schich­tig. Es geht hier nicht um ei­ne Schuld­fra­ge, son­dern den „Kreis des Le­bens“, wie es Re­gis­seur Ri­nus Kno­bel nennt.

El­fi Hop­pe je­den­falls ist Au­tor Bernd Schro­eder dank­bar für die­ses Stück. Die tief­grün­di­gen Dia­lo­ge er­in­nern sie an Ed­ward Al­bees „Wer hat Angst vor Vir­gi­nia Woolf?“Es ge­be kaum an­spruchs­vol­le Rol­len für Äl­te­re. Im Hof 19 ist man sich ei­nig: „Ge­ne­ral Mut­ter“ist ei­ne Pa­ra­de­rol­le für ei­ne gro­ße Schau­spie­le­rin.

 Pre­mie­re ist am 4. No­vem­ber (20 Uhr). Wei­te­re Auf­füh­rungs­ter­mi­ne: 5., 11., 12. und 13. No­vem­ber so­wie am 20. und 21. De­zem­ber.

@ www.thea­ter­hof19.de

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BILD: FRAU­KE ALL­WARDT

Wenn Mut­ter und Sohn sich wie Hund und Katze be­kämp­fen und doch nur ei­nes wol­len: Lie­be. Die­ter Hin­richs und El­fi Hop­pe auf der Büh­ne des Thea­ter/Hof19 in der deut­schen Urauf­füh­rung „Mut­ter Ge­ne­ral“von Bernd Schro­eder.

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