Lan­de­pis­te zwi­schen Gnus und Ze­bras

Flug-Sa­fa­ri in die Ma­sai Ma­ra – Mil­lio­nen Wild­tie­re auf gro­ßer Wan­de­rung

Nordwest-Zeitung - - REISE - VON LIANE EH­LERS

Die Tie­re ge­hen dort­hin, wo das Gras saf­tig und das Was­ser reich­lich ist. Die Su­che führt über 2900 Ki­lo­me­ter durch ei­ne Wild­nis, die grö­ßer als Hol­land ist.

MOMBASA – In mei­nen Oh­ren dröhnt der Lärm der Mo­to­ren. Gleich hebt die klei­ne Cess­na ab, und ich kann aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve ei­nen letz­ten Blick auf die Ma­sai Ma­ra wer­fen, die Zwil­lings­schwes­ter der Se­ren­ge­ti in Tan­sa­nia, nur durch den Ma­ra-Fluss ge­trennt. Wie mit dem Li­ne­al auf der Land­kar­te ha­ben die Bri­ten als Ko­lo­ni­al­her­ren – et­wa 20 Ki­lo­me­ter vom Ma­ra-Ri­ver ent­fernt – ei­ne Gren­ze ge­zo­gen und so die Se­ren­ge­ti in ei­nen tan­sa­ni­schen und ei­nen ke­nia­ni­schen Be­reich (die Ma­ra) ge­teilt.

Schön­heit der Sa­van­ne

Den fast drei Mil­lio­nen Wild­tie­ren ist die Gren­ze bei ih­rer gro­ßen Wan­de­rung von En­de Ju­ni bis Ok­to­ber – in die ei­ne wie in die an­de­re Rich­tung – egal. Sie fol­gen ih­rem In­stinkt, ge­hen dort­hin, wo das Gras saf­tig und das Was­ser reich­lich ist. Über 2900 Ki­lo­me­ter führt die Su­che nach Nah­rung je­des Jahr – durch ei­ne Wild­nis grö­ßer als Hol­land. Je­des Mal müs­sen sie durch den Ma­ra-Fluss mit sei­nen stei­len Ufern, wo Kro­ko­di­le, Lö­wen und an­de­re Groß­kat­zen auf leich­te Beu­te war­ten.

Die „Big Mi­gra­ti­on“be­ginnt in Tan­sa­nia im Sü­den der Se­ren­ge­ti, nach­dem zwi­schen Ja­nu­ar und März ei­ne hal­be Mil­li­on Käl­ber ge­bo­ren wur­den. Wenn im Mai die Re­gen­zeit en­det, ma­chen sich 1,5 Mil­lio­nen Gnus – be­glei­tet von et­wa 200 000 Ze­bras und 500 000 Ga­zel­len, Ele­fan­ten so­wie vie­len an­de­ren Tie­ren auf den Weg nach Nor­den.

Der gro­ße Tiertreck im ewi­gen Kreis­lauf der Na­tur ist ein ein­ma­li­ges Schau­spiel, des­sen An­blick nicht nur der Schrift­stel­ler Er­nest He­ming­way ge­nos­sen hat. Je­des Jahr zieht es vor al­lem ame­ri­ka­ni­sche Tou­ris­ten in die Ma­sai Ma­ra. „Aber auch im­mer mehr Deut­sche fin­den wie­der den Weg nach Kenia“, sagt Tho­mas-Cook-Ma­na­ger Ro­land Jun­ker. In­ne­re Un­ru­hen, Dür­re, Hun­ger­kri­sen und Ebo­la, „das von Kenia ge­nau­so weit weg war wie von Eu­ro­pa“, so der Afri­ka-Spe­zia­list, hat­ten in den ver­gan­gen Jah­ren zu Ein­brü­chen im Tou­ris­mus ge­führt. „Seit ei­nem Jahr er­holt sich das Land wie­der.“

Mir kom­men drei Ta­ge Sa­fa­ri im Ma­ra-Na­tio­nal­park wie ge­fühl­te drei Wo­chen vor. Der Film „Jen­seits von Afri­ka“mit Me­ryl Streep kommt mir in den Sinn. Aber die Bil­der vom Ki­no im Kopf wer­den von der Schön­heit der Sa­van­nenLand­schaft, dem un­be­schreib­li­chen Licht Ost­afri­kas und der ar­ten­rei­chen Tier­welt weit über­trof­fen. Seit der Os­car-prä­mier­te Film 1986 ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum ver­zau­bert hat, ge­hört das 1510 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Na­tur­schutz­ge­biet zu den Sehn­suchts­zie­len die­ser Welt.

Am Flug­ha­fen Ma­ra Nord, mit sei­ner Na­tur-Lan­de­bahn und ei­ner halb­of­fe­nen Bret­ter­bu­de als Un­ter­stand und mit Gnus, Ga­zel­len und Ze­bras am Wald­rand, war­tet un­ser Gui­de Da­ni­el (33) mit dem Ge­län­de­wa­gen auf uns. Er be­grüßt uns mit ei­nem fröh­li­chen „Jam­bo“(„Hal­lo“auf Swa­hi­li)“.

Si­che­res Ge­fühl

An­ders als in der süd­li­chen Ma­ra, die in staat­li­chem Be­sitz ist, dür­fen wir im nörd­li­chen Teil, wo das Land den Mas­sai ge­hört, nicht nur über holp­ri­ge Pis­ten, son­dern auch ab­seits der We­ge fah­ren.

Der jun­ge Mas­sai ist in der Ma­ra auf­ge­wach­sen und kennt sich bes­tens aus. Mit ihm füh­len wir uns in der Nä­he

von Lö­wen, Ele­fan­ten, Leo­pard, Ge­par­den oder Hyä­nen stets si­cher. „Haku­na Ma­ta­ta“(Kei­ne Sor­gen) hö­ren wir ihn oft sa­gen. Zwei Jah­re hat Da­ni­el in Nai­ro­bi stu­diert, um dann in sei­ne Hei­mat zu­rück­zu­keh­ren und Sa­fa­ri-Tou­ris­ten zu füh­ren. In sei­ner Frei­zeit hü­tet er die Kuh- und Schaf­her­den sei­ner Fa­mi­lie.

Seit 13 Jah­ren be­glei­tet er Tou­ris­ten durch die Wild­nis, seit sechs Jah­ren für das Fün­fS­ter­ne-„Nep­tu­ne Ma­ra Ri­an­ta Lu­xu­ry Camp“am Ma­ra-Ri­ver. Auf Sicht­wei­te ha­ben dort rund 50 Fluss­pfer­de ihr Dau­er-Do­mi­zil. Ihr lau­tes Grun­zen be­glei­tet uns Tag und Nacht.

BIL­DER: LIANE EH­LERS

Die gro­ße Wan­de­rung am Ma­ra-Ri­ver: 1,5 Mil­lio­nen Gnus (gro­ßes Bild) auf der Su­che nach saf­ti­gem Gras und Was­ser – Über­ra­gen al­les: Gi­raf­fen in der Ma­sai Ma­ra (klei­nes Bild)

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