Al­le müss­ten Ren­ten be­zah­len

Nordwest-Zeitung - - LESERFORUM -

Be­trifft: „Streit um Ren­te wird schär­fer – Al­ters­vor­sor­ge: Ge­werk­schaf­ten star­ten Kam­pa­gne – Kanz­le­rin warnt“, Nach­rich­ten, 10. Ok­to­ber; so­wie wei­te­re Be­rich­te

(...) Ängs­te­schü­rend wer­den dra­ma­ti­sche Ren­ten­sen­kun­gen und mas­sen­haf­te Al­ters­ar­mut sug­ge­riert. Ge­sell­schaft­li­che Grup­pen­in­ter­es­sen wer­den so ge­gen­ein­an­der aus­ge­spielt („Alt ge­gen Jung“, „Arm ge­gen Reich“), zu­mal vie­le das Ren­ten­sys­tem nicht ver­ste­hen.

Rich­tig ist, dass die ent­schei­den­de Ren­ten-Quo­te (nicht -Ni­veau!), al­so das Ver­hält­nis der Durch­schnitts­ren­te zum Durch­schnitts­lohn, in un­se­rer al­tern­den Ge­sell­schaft künf­tig pro Jahr um ein hal­bes Pro­zent zu­rück­geht. Als Ren­ten­be­zugs­grö­ße stei­gen aber gleich­zei­tig die Löh­ne wei­ter, so dass auch das Kauf­kraft­ni­veau für die künf­ti­ge Rent­ner­ge­ne­ra­ti­on Schät­zun­gen zu­fol­ge um ein Drit­tel an­steigt. Die Ren­ten stei­gen mit­hin nur lang­sa­mer als die Löh­ne!

Wer dies – wie et­wa Mi­nis­te­rin Nah­les über „Hal­t­el­i­ni­en“bei der Ren­ten­ent­wick­lung – be­gren­zen oder ganz ver­hin­dern will, ver­ur­sacht in ei­ne ge­fähr­li­che Schief­la­ge.

(...) Wer als Po­li­ti­ker oder So­zi­al-Lob­by­ist nicht trick­sen, son­dern das Ver­trau­en der Men­schen in die nach­hal­ti­ge Si­cher­heit un­se­rer Ren­ten stär­ken will, kommt nicht an der Er­kennt­nis vor­bei, dass die er­freu­li­che, aber im­mer län­ge­re Le­bens­er­war­tung/ Ren­ten­be­zugs­zeit in un­se­rer ra­pi­de al­tern­den Ge­sell­schaft zwin­gend an ein zu­neh­mend hö­he­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter als bis­her ge­kop­pelt wer­den muss. An­de­re eu­ro­päi­sche Län­der sind da ehr­li­cher und längst wei­ter. Dr. Sig­hart Neh­ring Ol­den­burg

Ar­beits­mi­nis­ter Blüm (CDU) tön­te laut­stark: „Die Ren­te ist si­cher.“Nur ei­nes sag­te er nicht: Ob sie für vie­le Rent­ner zum Le­ben rei­chen wird. Wie viel spä­te­re Ge­ne­ra­tio­nen von ih­rem Ver­dienst für die Ren­ten­kas­se auf­brin­gen müs­sen. Und wie viel die­se für die Hö­he der Ein­zah­lung spä­ter an Ren­te aus­be­zahlt be­kom­men. (...)

Seit Jahr­zehn­ten wis­sen un­se­re Po­li­ti­ker, dass die­ses Ren­ten­sys­tem nicht nur nicht mehr ge­recht, son­dern auch ein Aus­lauf­mo­dell ist. Nur sie schwei­gen, denn ein ge­rech­tes Ren­ten­sys­tem wür­de auch von ih­nen, so­wie von Be­am­ten, Selbst­stän­di­gen und auch Mil­lio­nä­ren Ren­ten­bei­trä­ge ein­for­dern. Da­mit wä­ren nicht nur Lohn­emp­fän­ger in der Pflicht, für die Al­ters­ver­sor­gung ei­nen Bei­trag zu leis­ten, son­dern al­le (...), auch Po­li­ti­ker. (...) Die­se Art von Ren­ten­sys­tem wird in der Schweiz prak­ti­ziert, und da­mit ist Al­ters­ar­mut für die Schwei­zer ein Fremd­wort.

Übrin­gens, die­ses Ren­ten­sys­tem woll­ten Po­li­ti­ker der SPD einst ein­füh­ren. Doch dann fiel ih­nen ein, dass auch ihr Geld­beu­tel da­durch schma­ler wür­de. Sie ver­war­fen den Ge­dan­ken. Hein­rich Kal­mer Ovel­gön­ne

In der Ð wur­de am 29. Sep­tem­ber be­rich­tet, dass sich die Po­li­ti­ker in Ber­lin wie­der ein­mal Ge­dan­ken über die Ren­te ma­chen. Wel­che Ge­dan­ken ma­chen sie sich denn? Et­wa wie über­le­be ich am bes­ten sel­ber als Po­li­ti­ker oder Be­am­ter? Oder mei­nen sie es ernst mit der Ren­ten­po­li­tik?

Es kann doch nicht sein, dass im­mer und im­mer wie­der an der Be­rech­nung der Ren­te her­um­ge­dok­tert wird. Der Ar­bei­ter, An­ge­stell­te oder Selbst­stän­di­ge kann es doch schon gar nicht mehr hö­ren. Jun­ge Men­schen wer­den der­art ver­ängs­tigt und stel­len sich häu­fig die Fra­ge: Lohnt Ar­beit über­haupt noch?

Ich mei­ne, es lohnt sich noch, et­was für die Ren­te zu tun. Al­ler­dings müs­sen al­le in die Ren­ten­kas­se ein­zah­len, egal ob Ar­bei­ter, An­ge­stell­ter, Selbst­stän­di­ger oder Be­am­ter (22 Pro­zent des mo­nat­li­chen Brut­to­ein­kom­mens). Nur so wird ein Schuh draus. Es kann und darf künf­tig nicht mehr sein, dass ein Pen­sio­när 71,5 Pro­zent sei­nes letz­ten Ge­halts be­kommt und der nor­ma­le Bür­ger nur 40 Pro­zent. (... ) Soll­te ein Ehe­part­ner ster­ben, dann be­kommt die Wit­we nur 60 Pro­zent der Ren­te des Ehe­gat­ten, und es kann in vie­len Fäl­len der Le­bens­abend nicht mehr be­strit­ten wer­den.

Hier muss ein so­for­ti­ges Um­den­ken in Ber­lin er­fol­gen, denn ich se­he hier ei­ne gro­ße Ge­fahr für den so­zia­len Frie­den. (...) Aber wer spuckt sich schon sel­ber in die Sup­pe? (...) Vor dem Ge­setz sind bis­lang nicht al­le gleich. Hans-Gerd Harms Ocholt-Ho­wiek

DPA-BILD: TIRL

Drei Rent­ner sit­zen im Al­ten­bur­ger Schloß­park (Thü­rin­gen) auf ei­ner Park­bank.

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