Tem­po 30 aus­brem­sen?

Sor­ge um Er­reich­bar­keit der In­nen­stadt – Rat will we­ni­ger Au­to­ver­kehr

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON CHRIS­TOPH KIEFER

Die Stadt dis­ku­tiert, ob sie vor Ki­tas und Se­nio­ren­hei­men Tem­po-30-Zo­nen an­ord­net, auch wenn Haupt­stra­ßen be­trof­fen sind. Die Lis­te von 20 Ein­rich­tun­gen an 13 Stra­ßen mit über­ört­li­chem Ver­kehr löst ein leb­haf­tes Echo aus .

Die Tem­po-30-Plä­ne auf Haupt­stra­ßen lö­sen Wi­der­spruch und Zu­stim­mung aus. Die IHK un­ter­stützt die ge­plan­te Ein­zel­fall­prü­fung bei den 13 be­trof­fe­nen Stra­ßen.

OL­DEN­BURG – Soll sie, oder soll sie nicht? Die Stadt dis­ku­tiert, ob sie vor Ki­tas und Se­nio­ren­hei­men Tem­po-30-Zo­nen an­ord­net, auch wenn Haupt­stra­ßen be­trof­fen sind. Die Lis­te von 20 Ein­rich­tun­gen an 13 Stra­ßen mit über­ört­li­chem Ver­kehr – dar­un­ter Alex­an­de­r­und Clop­pen­bur­ger Stra­ße – löst ein leb­haf­tes Echo aus.

Der Han­del be­tont, Haupt­ver­kehrs­stra­ßen sei­en die „wich­tigs­ten Ver­kehrs­adern der Stadt“. Dem Ci­ty Ma­nage­ment Ol­den­burg (CMO) lie­ge „die gu­te Er­reich­bar­keit al­ler im Ober­zen­trum an­säs­si­gen Han­dels- und Di­enst­leis­tungs­be­trie­be am Her­zen“, schreibt Vor­sit­zen­der Fried­rich-Au­gust Fis­beck. Das CMO ver­traue Stadt­ver­wal­tung und Po­li­zei, „an­ge­mes­se­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen zu tref­fen“.

Der Han­dels­ver­band Nord­west warnt da­vor, den Zweck von Haupt- und Aus­fall­stra­ßen zu miss­ach­ten. Auf die­sen Stre­cken müs­se die „grü­ne Wel­le“ver­bes­sert wer­den, for­dert Haupt­ge­schäfts­füh­rer Jan Kö­nig. Gleich­wohl stel­len sich Fis­beck und Kö­nig hin­ter das Ziel der Stadt, für die Si­cher­heit vor Ein­rich­tun­gen mit be­son­ders schutz­be­dürf­ti­gen Men­schen zu sor­gen.

Für „Au­gen­maß“wirbt die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer. Ei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung bei der Ein­füh­rung von Tem­po-30-Zo­nen sei sinn­voll, meint Ge­schäfts­füh­re­rin Ca­ro­la Ha­vekost. An der Ent­schei­dung soll­ten Kauf­leu­te mit­wir­ken. Die jüngs­te Stu­die von IHK und CMO hät­ten die gro­ße Be­deu­tung von Au­tos für den Han­del un­ter­mau­ert.

Der All­ge­mei­ne Deut­schen Fahr­rad­club ADFC hin­ter­fragt die­se Um­fra­ge: Die Zah­len – 23 Pro­zent al­ler Kun­den kom­men mit dem Rad, 58 Pro­zent mit dem Au­to in die In­nen­stadt – be­sag­ten nichts über die Kauf­kraft, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me. Es sei mög­lich, dass Rad­fah­rer, Fuß­gän­ger und Bus­fah­ren­de mehr und öf­ters ein­kauf­ten als Kun­den, die mit dem Au­to kom­men. Es stel­le sich die Fra­ge, war­um der Ein­kauf mit dem Au­to ge­för­dert wer­den sol­le. At­trak­ti­vi­tät für Au­to­nut­zer zu schaf­fen, be­deu­te we­ni­ger Le­bens­qua­li­tät und mehr ge­sund­heit­li­che Be­las­tun­gen für Men­schen. Der ADFC Ol­den­burg for­dert mehr und über­dach­te Ab­stell­flä­chen für Rä­der, ei­ne gleich­be­rech­tig­te Fahr­bahn­nut­zung und at­trak­ti­ve­re Ra­d­rou­ten. „Im ver­ab­schie­de­ten Stra­te­gie­plan Mo­bi­li­tät und Ver­kehr ist es er­klär­tes Ziel al­ler Par­tei­en, Ver­bän­de und der Stadt, den mo­to­ri­sier­ten In­di­vi­du­al­ver­kehr zu re­du­zie­ren“, schreibt Vor­sit­zen­der Hein­rich Book.

Die Stadt stellt die Plä­ne an die­sem Mon­tag (17 Uhr, Tech­ni­sches Rat­haus, In­dus­trie­stra­ße 1) im Ver­kehrs­aus­schuss vor. Ge­plant ist, dass ei­ne Ar­beits­grup­pe von Stadt und Po­li­zei prüft, wo Tem­po30-Zo­nen sinn­voll sind.

BILD: TO­BI­AS FRICK

Hier ist Tem­po 30 oh­ne­hin kaum mög­lich: Auf der Alex­an­der­stra­ße ist oft Stau.

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