See­ho­fer deu­tet Ver­zicht auf ein Spit­zen­amt an

Wie ge­nau bleibt va­ge – Teil­wei­ser Amts­ver­zicht mög­lich

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON ANDRE­AS HERHOLZ, BÜ­RO BERLIN

BERLIN/DPA – Ein Jahr vor der Bun­des­tags­wahl hat CSUChef Horst See­ho­fer den Ver­zicht auf ei­nes sei­ner Spit­zen­äm­ter an­ge­deu­tet. „Ein­mal soll ich die ab­so­lu­te Mehr­heit in München ho­len und dann die baye­ri­schen In­ter­es­sen in Berlin durch­set­zen“, sag­te der 67-Jäh­ri­ge mit Blick auf sei­ne Dop­pel­funk­ti­on als Par­tei­chef und baye­ri­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent der „Bild am Sonn­tag“. „Wenn wir in Zu­kunft er­folg­reich sein wol­len, müs­sen wir uns per­so­nell ver­brei­tern.“Ei­ne Ämt­er­tren­nung ha­be es in sei­ner Par­tei be­reits frü­her ge­ge­ben, be­ton­te See­ho­fer. Da­mit sei die CSU auch gut ge­fah­ren.

BERLIN – Plötz­lich kommt Be­we­gung in die Nach­fol­ge­de­bat­te. Horst See­ho­fer selbst macht Druck und be­feu­ert die Spe­ku­la­tio­nen: „Ich kann für die CSU nicht ewig den Li­be­ro ma­chen“, klagt der Par­tei­chef jetzt in ei­nem In­ter­view über die Dop­pel­be­las­tung: Ein­mal sol­le er die ab­so­lu­te Mehr­heit im Frei­staat ho­len und dann auch die baye­ri­schen In­ter­es­sen in Berlin durch­set­zen. Für See­ho­fer scheint dies kein Er­folgs­mo­dell mehr für die Zu­kunft zu sein. Da müs­se man sich „per­so­nell ver­brei­tern“, Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent kün­dig­te an, wo­mög­lich auf ei­nes sei­ner Äm­ter ver­zich­ten zu wol­len.

See­ho­fers Bot­schaft: Der CSU-Chef müs­se künf­tig in Berlin mit am Ka­bi­netts­tisch sit­zen und zwar be­reits spä­tes­tens im Herbst 2017 nach der Bun­des­tags­wahl. „Da­mit wir da den an­de­ren die Stirn bie­ten kön­nen, brau­chen wir den CSU-Chef und wei­te­re star­ke Kräf­te in Berlin“, for­dert er. Schließ­lich sei da­mit zu rech­nen, dass dann künf­tig sie­ben Par­tei­en im Par­la­ment sit­zen und es für die Christ­so­zia­len schwe­rer wer­de. Ob er die­se Rol­le in Berlin am Ka­bi­netts­tisch künf­tig als CSUChef selbst über­neh­men, zu­rück in die Bun­des­po­li­tik an die Spree wech­seln will oder je­mand aus dem Krei­se sei­ner po­ten­zi­el­len Nach­fol­ger, lässt er al­ler­dings of­fen, nennt kei­ne Na­men.

Oder gibt See­ho­fer den Par­tei­vor­sitz vor­zei­tig ab und be­schränkt sich auf das Amt des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten? „Wir wer­den se­hen“, lässt er sei­ne Ent­schei­dung of­fen und mög­li­che Nach­fol­ger wei­ter im Un­ge­wis­sen.

Ur­sprüng­lich hat­te er sei­nen Ab­schied als Mi­nis­ter­prä­si­dent für 2018 an­ge­kün­digt und ei­nen ge­ord­ne­ten Über­gang in Aus­sicht ge­stellt. In der Ver­gan­gen­heit hat­te See­ho­fer al­ler­dings auch er­klärt, er traue sich zu, auch 2018 noch ein­mal an­zu­tre­ten. Dann wä­re der ge­sund­heit­lich an­ge­schla­ge­ne CSU-Chef im­mer­hin 70 Jah­re alt.

See­ho­fer er­höht da­mit er­neut den Druck auf Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der. Der CSU-Mann möch­te ihn nur zu gern be­er­ben, al­ler­dings in München und zwar in bei­den Funk­tio­nen als Par­tei­chef und Mi­nis­ter­prä­si­dent. Ei­nen Wech­sel nach Berlin als Bun­des­mi­nis­ter hat­te Sö­der stets aus­ge­schlos­sen und dies zu­letzt er­neut be­kräf­tigt. Ne­ben Sö­der wer­den auch Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt, Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner und In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann als mög­li­che Nach­fol­ge­kan­di­da­ten ge­nannt.

Un­ter­des­sen be­kräf­tig­te See­ho­fer die For­de­rung sei­ner Par­tei nach ei­ner ge­setz­li­chen Ober­gren­ze von 200000 Flücht­lin­gen pro Jahr. Die­ses Kern­ele­ment sei­ner Po­li­tik wer­de er nicht auf­ge­ben, ver­si­cher­te der CSU-Chef und ließ wei­ter of­fen, ob sei­ne Par­tei Bun­des­kanz­le­rin und CDU-Che­fin An­ge­la zum Par­tei­tag An­fang No­vem­ber ein­la­den wer­de. Zwar wün­sche er sich ei­nen Auf­tritt Mer­kels und wür­de er auch selbst ger­ne zum CDU-Par­tei­tag An­fang De­zem­ber fah­ren. Doch wenn dies je­weils we­gen be­ste­hen­der po­li­ti­scher Dif­fe­ren­zen eher schäd­lich wä­re, „soll­te man es las­sen“.

DPA-BILD: STACHE

Der CSU-Chef Horst See­ho­fer im Ju­li vor dem Reich­tags­ge­bäu­de in Berlin

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