Sach­sen ist zum Sün­den­bock ge­wor­den

Nordwest-Zeitung - - NACHRICHTEN - VON ANDRE­AS HERHOLZ, BÜ­RO BERLIN

FRA­GE: Im­mer wie­der Pannen in Sach­sen. Was läuft dort falsch? PATZELT: Es gab in Sach­sen ei­ne ziem­lich gro­ße rechts­ra­di­ka­le Sze­ne, die all­zu lan­ge von der CDU und ih­rer Re­gie­rung un­ter­schätzt wur­de. Dann ent­stand ge­ra­de in Sach­sens Haupt­stadt ruf­schä­di­gend Pe­gi­da. Und in der letz­ten Zeit gab ein höchst un­glück­li­ches Zu­sam­men­tref­fen der Fei­ern zur deut­schen Ein­heit, die Pe­gi­daPöblern bun­des­wei­tes Auf­se­hen be­scher­ten, mit dem zwar auf­ge­deck­ten, doch nicht pan­nen­frei be­han­del­ten is­la­mis­ti­schem An­schlags­ver­such. Al­lem An­schein nach hat da­bei nicht nur die Po­li­zei Feh­ler ge­macht, son­dern auch die po­li­ti­sche Füh­rung, in­dem sie nicht klar­stell­te, dass die­ser Un­ter­su­chungs­häft­ling be­son­ders sorg­fäl­tig be­wacht wer­den müs­se. Obend­rein fällt schon auf, dass mit ei­ner ge­wis­sen Ge­häs­sig­keit ge­ra­de das er­folg­reichs­te neue Bun­des­land kri­ti­siert wird: schö­ne Städ­te, rei­ches kul­tu­rel­les Er­be, aus­ge­gli­che­ner Staats­haus­halt, bei Ver­glei­chen des Bil­dungs­sys­tems ganz oben. Ob da nicht auch man­cher Neid im Spiel ist, der durch Sach­sen-Ba­shing ab­re­agiert wird? FRA­GE: Die CDU re­giert in Sach­sen seit 26 Jah­ren. Ist man da trä­ge ge­wor­den? PATZELT: Ja. Selbst­ge­fäl­lig woll­te die säch­si­sche CDU nicht so um­sich­tig den Leu­ten aufs Maul schau­en, wie das Bay­erns CSU tut. Vie­le ha­ben sich faul auf dem Er­reich­ten aus­ge­ruht. Die Quit­tung war Hilf­lo­sig­keit im Um­gang zu­nächst mit Pe­gi­da, dann mit der AfD. Die spricht näm­lich je­ne Leu­te an, wel­che die Sach­sen-Uni­on ver­grault hat. Frei­lich auch des­halb, weil die säch­si­sche CDU in der Mer­kel-CDU oh­ne­hin als zu rechts gilt. Un­term Strich dient Sach­sen nun al­lent­hal­ben als Sün­den­bock für al­le deut­schen Pa­tho­lo­gi­en – und im Fern­se­hen sind die Bay­ern die Rol­le des „Dep­pen vom Di­enst“an die Sach­sen los­ge­wor­den. FRA­GE: Pe­gi­da fei­ert in Dres­den zwei­jäh­ri­ges Be­ste­hen. War­um ist die is­lam­feind­li­che Be­we­gung vor al­lem in Sach­sen so stark? PATZELT: In Gestalt von Pe­gi­da kam der deut­sche Rechts­po­pu­lis­mus zum me­di­en­wirk­sa­men Durch­bruch – und zwar in Dres­den als der ein­zi­gen halb­wegs kon­ser­va­ti­ven Groß­stadt Ost­deutsch­lands im ein­zi­gen CDU-ge­präg­ten neu­en Bun­des­land. Al­so wa­ren dort die lin­ken Ge­gen­kräf­te stets viel schwä­cher als an­ders­wo.

BILD: SCHINDLER

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