Kei­ne Hoff­nung auf hö­he­re Spar-Zin­sen

VORSORGE Le­bens­ver­si­che­run­gen müs­sen viel Geld für al­te Ga­ran­ti­en zu­rück­le­gen – Po­li­cen-Ver­käu­fe?

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON FRIEDERIKE MARX UND ERIK NE­BEL

Die Auf­sicht hat die An­bie­ter im Blick. Die Her­aus­for­de­run­gen durch Nied­rig­zin­sen wach­sen.

BONN – Deutsch­lands obers­ter Ver­si­che­rungs­auf­se­her kann Le­bens­ver­si­che­rungs-Kun­den vor­erst kei­ne Hoff­nung auf ei­ne bes­se­re Ver­zin­sung ma­chen. Die Un­ter­neh­men wür­den we­gen der Zins­flau­te in die­sem Jahr rund 13 Mil­li­ar­den Eu­ro für ho­he Ga­ran­ti­en der Ver­gan­gen­heit zu­rück­le­gen, sag­te der Chef der Ver­si­che­rungs­auf­sicht Ba­fin, Frank Grund, in ei­nem Ge­spräch. Das Geld fehlt dann qua­si für die lau­fen­de Ver­zin­sung der Po­li­cen. „In den kom­men­den bei­den Jah­ren wird der Be­trag vor­aus­sicht­lich noch ein­mal stei­gen. Die Ent­wick­lung zeigt, wie groß die Her­aus­for­de­run­gen durch die Nied­rig­zin­sen sind“, sag­te Grund.

Seit 2011 muss die Bran­che den mil­li­ar­den­schwe­ren Puf­fer bil­den, um ho­he Zins­ga­ran­ti­en von bis zu 4 Pro­zent auf die Spar­bei­trä­ge für Alt­ver­trä­ge zu er­fül­len. Das nagt an der Über­schuss­be­tei­li­gung. Die lau­fen­de Ver­zin­sung klas­si­scher Ka­pi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen er­gibt sich aus dem vom Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um fest­ge­leg­ten Ga­ran­tie­zins und der Über­schuss­be­tei­li­gung, über die die As­se­ku­ran­zen je­des Jahr neu ent­schei­den. Bei­de Kom­po­nen­ten sin­ken seit ge­rau­mer Zeit.

Grund räum­te ein, dass die Zins­zu­satz­re­ser­ve die Un­ter­neh­men be­las­te, „das ist uns klar“. „Sie ist aber ein sinn­vol­les In­stru­ment, sie hat bis En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res 32 Mil­li­ar­den Eu­ro an zu­sätz­li­chen Rück­stel­lun­gen ein­ge­bracht und si­chert da­mit ab, dass die ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen er­füllt wer­den kön­nen.“

Weil es im­mer schwie­ri­ger wird, die al­ten Ga­ran­ti­en zu er­fül­len, rei­fen bei ei­ni­gen An­bie­tern von Le­bens­ver­si­che­rern Plä­ne, Be­stän­de von Ver­si­che­run­gen zu ver­kau­fen. Ei­nen An­trag gibt es be­reits. Die Fi­nanz­auf­sicht Ba­fin wol­le die Be­lan­ge von Ver­brau­chern in sol­chen Fäl­len von Ver­si­che­rungs-Ver­käu­fen wah­ren, sag­te Grund. „Dar­auf wird die Ba­fin streng ach­ten.“

Im Ver­kauf von Alt-Ver­trä­gen sieht er kein All­heil­mit­tel für die von den Nied­rig­zin­sen ge­beu­tel­te Bran­che. „Die ge­setz­li­chen Hür­den sind so hoch, dass ei­ne sol­che Trans­ak­ti­on in vie­len Fäl­len kaum fi­nan­zi­el­le Vor­tei­le für den Käu­fer bie­tet.“

Aus wirt­schaft­li­cher Sicht ma­che es nur dann Sinn, Be­stän­de zu über­neh­men, „wenn man gro­ße Kos­ten­vor­tei­le et­wa durch deut­lich über­le­ge­ne Ver­wal­tungs­sys­te­me hat, ins­be­son­de­re ei­ne leis­tungs­fä­hi­ge IT“.

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