Ur­nen­be­stat­tun­gen neh­men wei­ter zu

Tag der of­fe­nen Tü­ren im Kre­ma­to­ri­um und auf Park­fried­hof

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON EILERT FREESE

OL­DEN­BURG – Wer durch die­se Tür ge­hen möch­te, braucht schon et­was Mut: Das städ­ti­sche Kre­ma­to­ri­um und der Park­fried­hof in Krey­en­brück hat­ten zum Tag der of­fe­nen Tür ein­ge­la­den. Ein Fried­hof wird auch oh­ne be­son­de­ren An­lass si­cher häu­fi­ger mal be­sucht, ein Kre­ma­to­ri­um ist für vie­le Men­schen da­ge­gen mit Ta­bus be­legt. Viel­leicht auch da­durch, dass nur we­ni­ge Men­schen ih­ren ver­stor­be­nen An­ge­hö­ri­gen auf die­sem Weg be­glei­ten. Am Sams­tag mach­ten sich den­noch ei­ni­ge In­ter­es­sier­te auf den Weg, um Kre­ma­to­ri­ums­wär­ter Wal­ter Ro­sen­bohm und sei­nen Kol­le­gen zu­zu­hö­ren.

„Bit­te, wir ver­bren­nen hier kei­ne Men­schen, wir äschern sie ein“, möch­te Ro­sen­bohm da so­gleich klar ge­stellt wis­sen. „Ver­bren­nen tut man et­was, um ei­ne Woh­nung zu er­wär­men oder et­was zu ent­sor­gen“, stellt Ro­sen­bohm fest. Vie­les am Ei­n­äsche­rungs­vor­gang ist per Com­pu­ter ge­steu­ert. Die Tem­pe­ra­tur be­trägt rund 1000 Grad Cel­si­us, die Dau­er liegt je nach Grö­ße und Um­fang des Leich­nams bei rund ei­ner St­un­de in der Haupt­kam­mer. Im wei­te­ren Vor­gang wird die Asche von Fremd­kör­pern be­freit. Ei­ni­ge Bei­spie­le hat Ro­sen­bohm an ei­ner Wand be­fes­tigt: Ein Schul­ter­ge­lenk aus Ti­tan bei­spiels­wei­se, auch ein gro­ßer Na­gel, der viel­leicht mal ein ge­bro­che­nes Bein ge­stützt hat, und ei­ni­ge wei­te­re Tei­le.

Acht bis 10 Ei­n­äsche­run­gen fin­den täg­lich statt, zum Schluss wird die Asche noch ein­mal fein ge­mah­len und in ei­nen Be­häl­ter ge­füllt.

Bei der Füh­rung über den Park­fried­hof er­fah­ren die Teil­neh­mer, dass die Stadt Ol­den­burg ei­ne sehr li­be­ra­le Fried­hofs­sat­zung hat, die kei­ne Gestal­tung vor­schreibt. „Es wä­re auch sehr schwie­rig, hier Vor­schrif­ten zu ma­chen“, sagt Uwe Ah­lers, Fach­dienst­lei­ter Stadt­grün­pfle­ge und Fried­hö­fe. Die Gestal­tung des Gr­a­bes sei auch gleich­zei­tig ei­ne Form von Trau­er­be­wäl­ti­gung, meint Ah­lers.

Die Fried­hofs­sat­zung schreibt al­ler­dings vor, dass die Sär­ge aus Voll­holz be­ste­hen und das Ma­te­ri­al leicht ab­bau­bar sein muss. Es gibt Wahl­grab­stät­ten, de­ren La­ge be­stimmt wird und de­ren Nut­zung auch nach Ablauf von 25 Jah­ren wie­der er­wor­ben wer­den kann. Rei­hen­grä­ber wer­den „der Rei­he nach“ver­ge­ben und kön­nen nicht ver­län­gert wer­den.

In­zwi­schen sind knapp 80 Pro­zent der Be­gräb­nis­se Ur­nen­be­stat­tun­gen. Au­ßer Erd- und Ur­nen­grä­ber gibt es Ge­mein­schafts­grab­an­la­gen und an­ony­me Gr­ab­stel­len. Letz­te­re sind ein­fa­che Grün­flä­chen, die we­der ei­nen Gr­ab­stein noch an­de­re Kenn­zeich­nun­gen ha­ben. Mus­li­men, Ye­zi­den und Bud­dhis­ten ste­hen spe­zi­el­le Flä­chen zur Ver­fü­gung.

Et­wai­ge „Platz­pro­ble­me“ge­be es zur­zeit nicht, meint Ah­lers. Und: Auch wenn der Tod ein The­ma ist, das eher äl­te­re Men­schen in­ter­es­siert, hät­ten sich am Sams­tag auch vie­le jün­ge­re Men­schen vor Ort in­for­miert, hat Ah­lers fest­ge­stellt.

BILD: EILERT FREESE

Wal­ter Ro­sen­bohm (2.v.l.) er­läu­ter­te beim Tag der of­fe­nen Tür die Funk­ti­ons­wei­se des Kre­ma­to­ri­ums.

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