Klei­ne Kis­ten ha­ben ei­ni­ges auf dem Kas­ten

Plat­zer­spar­nis der größ­te Vor­teil – Gro­ße Qua­li­täts- und Preis­un­ter­schie­de

Nordwest-Zeitung - - WARENTEST -

BERLIN/KU – An­griff der Zwerg­rech­ner: Mi­ni-PCs sind et­wa so groß wie ein Au­to­ra­dio, PCS­ticks äh­neln vom Um­fang her ei­ner Mund­har­mo­ni­ka. Bei­de Com­pu­ter­ar­ten sol­len ih­re gro­ßen Ge­schwis­ter – die alt­ein­ge­ses­se­nen Desk­topPCs – er­set­zen kön­nen. Im Test von elf Mi­ni-PCs zeigt sich, dass dies zu­min­dest mit den Sticks nicht funk­tio­niert. Kei­ner der sechs ge­prüf­ten PC-Sticks kommt über das Qua­li­täts­ur­teil aus­rei­chend hin­aus („test“, 10/16). Die Ge­rä­te eig­nen sich höchs­tens für sehr ein­fa­che An­wen­dun­gen wie Tex­te schrei­ben und im In­ter­net le­sen. Wer ei­nen be­son­ders platz­spa­ren­den Rech­ner sucht, soll­te statt­des­sen lie­ber ei­nen Mi­ni-PC wäh­len.

Die An­bie­ter der Klein­com­pu­ter ver­spre­chen nicht, dass die Ge­rä­te et­was bes­ser ma­chen als her­kömm­li­che Com­pu­ter. Statt­des­sen sol­len sie das­sel­be schaf­fen wie Desk­top-PCs – nur eben mit deut­li­cher Plat­zer­spar­nis. Der Vor­teil der Klei­nen be­steht al­so nicht in ih­rer Leis­tung, son­dern in der Äs­t­he­tik: Schö­ner rech­nen. Kein klo­bi­ger ZehnKi­lo-Rech­ner mehr, der auf dem Bo­den steht und ge­le­gent­lich schmerz­haft mit der Knie­schei­be des Be­sit­zers kol­li­diert. Kein Kr­ab­beln un­ter den Tisch, um ex­ter­ne Ge­rä­te wie Maus oder Tas­ta­tur an­zu­schlie­ßen. Mi­ni-PCs pas­sen pro­blem­los hin­ter oder un­ter den Mo­ni­tor, PC-Sticks ver­schwin­den meist gänz­lich hin­ter dem Bild­schirm. Die Rech­ner müs­sen le­dig­lich nah ge­nug sein, um sie mit ei­nem Mo­ni­tor, ei­ner Tas­ta­tur und ei­ner Maus ver­bin­den zu kön­nen.

Die Span­ne bei den Mi­niPCs ist groß – bei der Qua­li­tät und beim Preis, aber auch in punc­to Aus­stat­tung. Vier der elf Mo­del­le er­rei­chen die No­te „Gut“, zwei schlit­tern nur knapp am „Man­gel­haft“vor­bei. Die bes­te No­te im Test­feld holt der Fu­jit­su Espri­mo für 645 Eu­ro. Er bie­tet die bes­te Re­chen­leis­tung und die größ­te Viel­sei­tig­keit. Knapp da­hin­ter folgt der güns­tigs­te Gu­te, Dell Op­tiP­lex für 500 Eu­ro, und der Le­no­vo Thin­kCent­re für 540 Eu­ro.

Wer statt Win­dows lie­ber App­les Be­triebs­sys­tem OS X nutzt, liegt mit dem App­le Mac Mi­ni für 530 Eu­ro rich­tig. Drei Ge­rä­te kos­ten we­ni­ger als 300 Eu­ro, fünf lie­gen bei mehr als 500 Eu­ro. Ent­spre­chend deut­lich sind die Un­ter­schie­de auch bei der Aus­stat­tung: Ein Pro­dukt bie­tet 500 Gi­ga­byte (GB) Spei­cher­platz, drei kom­men nur auf 32 GB – da wird fast je­der Nut­zer nach­rüs­ten müs­sen.

Über­rascht hat die Tes­ter, dass ein Mi­ni-PC (Zot­ac für 221 Eu­ro) kei­nen WLan-Emp­fän­ger hat, zwei un­ter­stüt­zen die Funk­tech­nik Blue­tooth nicht – er­staun­li­che De­fi­zi­te zu ei­ner Zeit, in der selbst man­che Wasch­ma­schi­nen per WLan kom­mu­ni­zie­ren. Zwei Mo­del­le (Asus und Trekstor) ha­ben zu­dem Pro­ble­me mit ih­ren USB-An­schlüs­sen: Im­mer wie­der bricht die Ver­bin­dung zu ex­ter­nen Ge­rä­ten wie et­wa Fest­plat­ten ab. Das ist ner­vig und kann so­gar zu Da­ten­ver­lust füh­ren.

Beim Kauf soll­ten Kun­den auch dar­auf ach­ten, wel­ches Be­triebs­sys­tem auf dem Wunsch­ge­rät läuft: Fünf von elf im Test ver­wen­den Win­dows 10, fünf set­zen auf Win­dows 7, der Mac Mi­ni nutzt App­les OS X. Win­dows 7 wird laut Mi­cro­soft nur noch bis An­fang 2020 un­ter­stützt. Von den fünf Ge­rä­ten mit Win­dows 7 sind da­her nur je­ne drei zu­kunfts­si­cher, die zu­sätz­lich ei­ne Li­zenz zum Gra­tis-Down­load von Win­dows 10 bie­ten. Bei den an­de­ren zwei Mo­del­len muss der Be­sit­zer spä­ter even­tu­ell Win­dows 10 hin­zu­kau­fen.

BILD: FU­JIT­SU

Prak­tisch: Bei ei­nem Mi­ni-PC muss der Nut­zer nicht un­ter den Schreib­tisch kr­ab­beln, um Zu­satz­ge­rä­te an­zu­schlie­ßen.

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