MANNEHS FUßBALL-MÄRCHEN

BUN­DES­LI­GA Gam­bi­scher Flücht­ling schießt Wer­der zum 2:1-Sieg ge­gen Le­ver­ku­sen

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON LARS BLANCKE

Manch­mal schreibt der Sport wahr­lich mär­chen­haf­te Ge­schich­ten: Erst vor zwei Jah­ren flüch­te­te Ous­man Man­neh (Bild) aus sei­ner Hei­mat Gam­bia nach Bre­men, leb­te zu­nächst in ei­nem Flücht­lings­heim in Les­um, ehe sein Ta­lent zum Fuß­ball­spie­len ent­deckt wur­de. Am Sams­tag nun er­ziel­te der 19-jäh­ri­ge Stür­mer das 2:1-Sieg­tor für Wer­der Bre­men ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen. „Mein größ­ter Traum ist wahr ge­wor­den“, sag­te ein glück­li­cher Man­neh.

Der 19-Jäh­ri­ge konn­te sein Glück kaum fas­sen. Ne­ben Man­neh stach noch ein wei­te­rer Trumpf von Trai­ner Nou­ri.

BRE­MEN – Seit­dem Alex­an­der Nou­ri Trai­ner des Fuß­bal­lBun­des­li­gis­ten Wer­der Bre­men ist, hat er zwei Spie­ler be­din­gungs­los stark ge­macht: Ous­man Man­neh, 19-jäh­ri­ger Flücht­ling aus Gam­bia, zu­vor oh­ne Pro­fi-Ein­satz. Und Izet Ha­jro­vic, 25-jäh­ri­ger Bos­ni­er, un­ter Vik­tor Skrip­nik stets im Ab­seits. Am Sams­tag, bei Nou­ris of­fi­zi­el­lem De­büt als Chef­trai­ner, wa­ren es ge­nau die­se bei­den Trümp­fe, die sta­chen. Und die ih­ren Trai­ner nach 90 lei­den­schaft­li­chen Mi­nu­ten ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen er­leich­tert die Hän­de in die Luft rei­ßen lie­ßen.

Das 2:1 (1:1) ge­gen den Cham­pi­ons-Le­ague-Teil­neh­mer, das drit­te un­ge­schla­ge­ne Spiel in Se­rie und der zwei­te Heim­sieg in Fol­ge ver­wan­del­ten das We­ser­sta­di­on er­neut in ei­nen He­xen­kes­sel. Man­neh, der in 59. Mi­nu­te das Sieg­tor er­zielt und vie­le wei­te We­ge ge­macht so­wie Zwei­kämp­fe ge­sucht hat­te, konn­te sein Glück kaum fas­sen.

An­ruf bei Mut­ter

„Ist das wirk­lich wahr? Ha­be ich ein Tor ge­schos­sen? Mein größ­ter Traum ist wahr ge­wor­den. Das ist der größ­te Mo­ment mei­nes Le­bens“, sag­te der ers­te gam­bi­sche Tor­schüt­ze in der Ge­schich­te der Bun­des­li­ga. Er wis­se gar nicht, ob er nur träu­me, und wer­de spä­ter erst ein­mal sei­ne Mut­ter in Afri­ka an­ru­fen. „Ich spre­che je­den Tag mit ihr. Sie ist sehr stolz, ob­wohl sie nichts von Fußball ver­steht.“

Über sei­ne Flucht vor erst zwei Jah­ren aus der Hei­mat an die We­ser spricht Man­neh un­gern. Aus ei­nem Flücht­lings­heim in Bre­men-Les­um star­te­te 2014 sein fu­rio­ser Auf­stieg, über den Blu­mentha­ler SV ging es trotz meh­re­rer An­ge­bo­te, un­ter an­de­rem vom Ham­bur­ger SV, zu Wer­ders Zwei­ter – zu Trai­ner Nou­ri, der ihn nun seit vier Spie­len als zen­tra­le Sturm­spit­ze im Ober­haus ein­setzt.

„Ich mag die Stadt und ha­be hier Freun­de ge­fun­den, die mir hel­fen kön­nen. War­um soll ich weg­ge­hen?“, frag­te Man­neh. Er ha­be im­mer nur Fuß­ball­spie­len wol­len, „am liebs­ten im We­ser­sta­di­on“.

„Be­rüh­ren­de Ge­schich­te“

Für Nou­ri war Mannehs Tor ei­ne Be­stä­ti­gung sei­nes Muts – im­mer­hin setz­te der Trai­ner Aron Jo­hanns­son er­neut auf die Bank. „Ous hat nichts ge­schenkt be­kom­men, son­dern hart ge­ar­bei­tet und ei­ne kon­stan­te Ent­wick­lung hin­ge­legt“, sag­te Nou­ri. Mannehs För­de­rer gab zu­min­dest ei­nen klei­nen Ein­blick, was der Gam­bier auf sei­ner Flucht er­lebt ha­ben muss­te: „Es ist ei­ne tief­grei­fen­de, be­rüh­ren­de Ge­schich­te.“

Er sei „sehr flei­ßig und lern­wil­lig“, lob­te Zlat­ko Ju­nu­zo­vic sei­nen Mit­spie­ler. „Sei­ne Ent­wick­lung in den letz­ten zwei Jah­ren kommt nicht von un­ge­fähr“, sag­te Ka­pi­tän Cle­mens Fritz und be­zeich­ne­te Man­neh als „lie­ben Jun­gen“.

Bei all dem Hy­pe ging der zwei­te Trumpf Nou­ris fast ein we­nig un­ter. Izet Ha­jro­vic leg­te vor dem ers­ten Bre­mer Tor auf der rech­ten Au­ßen­bahn ei­nen be­mer­kens­wer­ten Sprint hin, ließ da­bei zwei Le­ver­ku­se­ner aus­stei­gen und spiel­te über­legt quer auf Man­neh. Nach­dem der Stür­mer noch an Bay­er-Tor­wart Bernd Le­no ge­schei­tert war, staub­te Ju­nu­zo­vic mit sei­nem ers­ten Sai­son­tor ab (13.). Der zwi­schen­zeit­li­che Aus­gleich durch Ha­kan Cal­ha­nog­lu (27.) brach­te die en­ga­giert kämp­fen­den Bre­mer nur kurz­zei­tig aus dem Kon­zept.

„Wir ha­ben heu­te wie­der viel in­ves­tiert, sind an un­se­re Gren­ze ge­gan­gen. Das war ei­ne groß­ar­ti­ge Team­leis­tung. Je­der hat für je­den ge­figh­tet“, lob­te Nou­ri sei­ne Elf. Nun ha­be er in der nächs­ten Wo­che mehr Zeit, mit der Mann­schaft im De­tail zu ar­bei­ten. „Wich­tig ist, dass wir be­harr­lich und flei­ßig blei­ben“, sag­te Nou­ri. At­tri­bu­te, die der mär­chen­haf­te Man­neh auf je­den Fall wie­der mit­brin­gen wird.

BILD: IMAGO

DPA-BILD: CARMEN JASPERSEN

Ließ sich nach sei­nem ers­ten Bun­des­li­ga­tor von den Bre­mer Fans fei­ern: Ous­man Man­neh

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