TIERSCHÜTZER WAR­NEN

War­um Sie Was­ser­vö­gel nicht füt­tern soll­ten

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURGER LAND - VON HE­LEN HOFFMANN

Enten füt­tern macht vie­len Men­schen Spaß. Fach­leu­te war­nen aber: Für die Tie­re kann das fa­ta­le Fol­gen ha­ben.

IM NORDWESTEN – Ein biss­chen mit der Tü­te ra­scheln, schon kom­men die Enten. Sie stür­zen sich auf das ins Was­ser ge­wor­fe­ne Brot. Sol­che Sze­nen spie­len sich täg­lich an vie­len deut­schen Ge­wäs­sern ab. Übe­r­all freu­en sich Kin­der und Er­wach­se­ne, Was­ser­vö­gel zu füt­tern. Die meis­ten glau­ben, dass sie den Tie­ren et­was Gu­tes tun. Doch das Ge­gen­teil ist der Fall.

„Enten brau­chen nicht ge­füt­tert wer­den“, sagt die Lei­te­rin des Na­bu-Ar­ten­schutz­zen­trums Lei­fer­de im nie­der­säch­si­schen Land­kreis Gif­horn, Bär­bel Ro­gos­chik. „Bio­lo­gisch ist es blöd­sin­nig.“Weiß­brot sei für Enten nicht gut. „Nor­ma­ler­wei­se grün­deln sie am Ge­wäs­ser­grund und neh­men dort das Fut­ter auf – Was­ser­pflan­zen und klei­ne Was­ser­tie­re. Das reicht“, er­klärt die Bio­lo­gin. Auch in der kal­ten Jah­res­zeit ge­be es für Was­ser­vö­gel ge­nug Fut­ter.

In tro­cke­nem Brot se­hen Bio­lo­gen wie Ro­gos­chik ei­ne be­son­de­re Ge­fahr, denn es quillt auf, wenn die Tie­re et­was trin­ken. „Es gab schon bei Schwä­nen Pro­ble­me, die viel Weiß­brot auf­ge­nom­men ha­ben und dann trin­ken. Dann quillt es im Hals auf.“Ein wei­te­res Pro­blem: „Ein kran­kes Tier frisst da­von, an­de­re kom­men da­zu, und schon ver­brei­ten sich Kei­me.“

Auch für die Ge­wäs­ser kann über­mä­ßi­ges Füt­tern fa­ta­le Fol­gen ha­ben. „Was oben in die Enten rein geht, geht un­ten wie­der raus“, sagt die Bio­lo­gin. Man­cher­orts wür­den Ge­wäs­ser durch Kot so be­las­tet, dass sie aus dem öko­lo­gi­schen Gleich­ge­wicht ge­ra­ten. Die Fol­ge: Fisch­ster­ben.

So zum Bei­spiel in Nor­den­ham, wo die Stadt das En­tenFüt­ter im Ga­te­tei­che-Park un­ter­sagt hat. Die Hoff­nung der Stadt: Wenn die Tie­re nicht ge­füt­tert wer­den, su­chen sie sich ein neu­es Zu­hau­se.

Warn­schil­der fin­den sich an Ol­den­bur­ger Se­en und Tei­chen. Grund­sätz­lich ver­bie­ten will die Stadt das En­ten­füt­tern aber nicht. Frank Igna­ti­us von der un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de in Ol­den­burg hat durch­aus Ver­ständ­nis für das Be­dürf­nis vie­ler Men­schen, den Tie­ren na­he­zu­kom­men. „Man­che El­tern se­hen im En­ten­füt­tern die Mög­lich­keit, ih­re Kin­der an die Na­tur her­an­zu­füh­ren.“Ei­nen an­de­ren Grund für die Be­liebt­heit des En­ten­füt­terns sieht Psy­cho­lo­gin Andrea Beetz, die an den Unis Ros­tock und Wi­en die Mensch-Tier-Be­zie­hung er­forscht: den an­ge­bo­re­nen Für­sor­ge­trieb. „Wenn man Für­sor­ge­ver­hal­ten zeigt, wird das Hor­mon Oxy­to­cin aus­ge­schüt­tet“, er­klärt sie. „Es be­wirkt, dass man sich gut fühlt, dass man sich ent­spannt.“

BIL­DER: IMAGO/AR­CHIV

„Bio­lo­gisch blöd­sin­nig“: Brot kann für Enten le­bens­ge­fähr­lich sein. Un­ten: Ver­bots­schild in Nor­den­ham.

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