Kli­nik muss Na­men von Sa­men­spen­der her­aus­ge­ben

Kla­ge ei­ner 21-Jäh­ri­gen er­folg­reich – Kin­der ha­ben ge­ne­rell das Recht auf Kennt­nis ih­rer Her­kunft

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON JA­NET BIN­DER

HANNOVER – Ei­ne Re­pro­duk­ti­ons­kli­nik darf ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Hannover zu­fol­ge den Na­men ei­nes Sa­men­spen­ders nicht län­ger ver­heim­li­chen. Ei­ne 21-jäh­ri­ge Frau, die als Re­tor­ten­ba­by zur Welt kam, hat­te auf Her­aus­ga­be des Na­mens ih­res Er­zeu­gers ge­klagt. Die­ser Kla­ge gab das Ge­richt am Mon­tag statt.

Die Mut­ter der 21-Jäh­ri­gen hat­te sich künst­lich be­fruch­ten las­sen, weil ihr Ehe­mann zeu­gungs­un­fä­hig war. Auf An­fra­ge hat­te sich die Kli­nik ge­wei­gert, den Na­men des Spen­ders zu nen­nen, ob­wohl die Rechts­spre­chung in der Fra­ge in­zwi­schen ein­deu­tig ist. So ur­teil­te der Bun­des­ge­richts­hof An­fang 2015 (Ak­ten­zei­chen XII ZR 201/13), dass Kin­der grund­sätz­lich ein Recht dar­auf ha­ben, den Na­men ih­res bio­lo­gi­schen Va­ters zu er­fah­ren. In der Pra­xis ver­wei­gern Kli­ni­ken und Ärz­te im­mer noch die Aus­kunft.

Trotz des er­wart­ba­ren Aus­gangs ha­be es die Kli­nik auf den Pro­zess an­kom­men las­sen. „Der Sa­men­spen­der war da­von aus­ge­gan­gen, dass sein Na­me ge­heim­ge­hal­ten wird“, be­grün­det der Rechts­an­walt der Kli­nik, Hans-Die­ter Kim­mel. Soll­te die Klä­ge­rin Un­ter­halts­o­der Erb­an­sprü­che an den Mann stel­len, könn­te er in der Fol­ge wo­mög­lich an die Kli­nik Scha­den­er­satz­an­sprü­che stel­len. Um da­ge­gen ge­wapp­net zu sein, könn­te auch ein ver­lo­re­ner Pro­zess hel­fen. Da­bei ist nach Aus­kunft des Ver­eins Spen­der­kin­der die Furcht vor Un­ter­halts­an­sprü­chen un­be­grün­det. „Kei­nem uns be­kann­ten Spen­der­kind geht es um fi­nan­zi­el­le For­de­run­gen“, be­tont ei­ne Spre­che­rin. Im Ge­gen­teil: Zum Schutz der Spen­der for­de­re der Ver­ein so­gar den Aus­schluss von Erb­an­sprü­chen und Un­ter­halts­for­de­run­gen des Kin­des.

Im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um wird schon seit län­ge­rem an den in­sti­tu­tio­nel­len und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Vor­aus­set­zun­gen ge­ar­bei­tet, da­mit je­des Kind sein Recht auf Kennt­nis sei­ner Her­kunft be­kommt: Per Ge­setz soll ein zen­tra­les Spen­der­re­gis­ter ein­ge­führt wer­den.

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