Reichs­bür­ger schießt auf Po­li­zei

Vier Be­am­te ver­letzt – Kei­ne Straf­ta­ten in Re­gi­on

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON TOBIAS SCHWERDTFEGER

GEORGENSGMÜND/OL­DEN­BUR­GER LAND – Ein so­ge­nann­ter Reichs­bür­ger hat bei ei­ner Raz­zia in Georgensgmünd bei Nürn­berg auf Po­li­zis­ten ge­schos­sen – vier Be­am­te wur­den ver­letzt, ei­ner von ih­nen le­bens­ge­fähr­lich. Der 32 Jah­re al­te Be­am­te ei­nes Spe­zi­al­ein­satz­kom­man­dos (SEK) sei ope­riert wor­den, sag­te Bay­erns In­nen­mi­nis­ter Joa­chim Herr­mann (CSU) am Mitt­woch.

Ein 31-jäh­ri­ger SEK-Be­am­ter ha­be ei­nen Durch­schuss am Ober­arm er­lit­ten, zwei wei­te­re Po­li­zis­ten (bei­de 37) sei­en durch Glas­split­ter ver­letzt wor­den. Der so­ge­nann­te Reichs­bür­ger hat­te am Mor­gen das Feu­er er­öff­net, als die Be­am­ten in sein Haus ein­dran­gen.

Ur­sprüng­lich soll­ten dem Mann sei­ne Waf­fen ab­ge­nom­men wer­den, die er als Jä­ger zu­nächst le­gal be­saß. In­zwi­schen galt der Mann bei den Be­hör­den als nicht mehr zu­ver­läs­sig, sein Jagd­schein und sei­ne Waf­fen­be­sitz­kar­te wa­ren als un­gül­tig er­klärt wor­den. Der Mann wur­de bei dem Ein­satz fest­ge­nom­men. Ge­gen ihn wird we­gen ver­such­ten Mor­des er­mit­telt. An die­sem Don­ners­tag wird er zu ei­nem Er­mitt­lungs­rich­ter ge­bracht. Auf­grund des Vor­falls soll­ten nun Reichs­bür­ger in Bay­ern „ei­ner grund­le­gen­den Über­prü­fung“un­ter­zo­gen und die Be­we­gung stär­ker in den Blick ge­nom­men wer­den, kün­dig­te In­nen­mi­nis­ter Herr­mann an. Reichs­bür­ger er­ken­nen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land nicht als Staat an. Statt­des­sen be­haup­ten sie, das Deut­sche Reich be­ste­he bis heute fort.

Im Ol­den­bur­ger Land schreibt die Po­li­zei der Reichs­bür­ger-Be­we­gung bis­her kei­ne schwer­wie­gen­den Straf­ta­ten zu. P

Ein so­ge­nann­ter Reichs­bür­ger hat in Bay­ern auf Po­li­zis­ten ge­schos­sen. Wie ge­fähr­lich ist die Be­we­gung bei uns im Ol­den­bur­ger Land?

OL­DEN­BUR­GER LAND – Als sie ihm sei­ne Waf­fen ab­neh­men wol­len, sie, die Ver­tre­ter ei­nes Staa­tes, des­sen Exis­tenz er nicht an­er­kennt, sieht der 49Jäh­ri­ge of­fen­bar rot. Er feu­ert. Zwei Po­li­zis­ten ei­ner Spe­zi­al­ein­heit wer­den von Ku­geln ge­trof­fen. Schnell wird über den Schüt­zen be­kannt, er soll der so­ge­nann­ten Reichs­bür­ger­be­we­gung an­ge­hö­ren.

Gibt es die ei­gent­lich auch in der Re­gi­on? Sind die ge­fähr­lich? Und be­ob­ach­tet die je­mand? Fra­gen, die die Ð nach der Tra­gö­die aus dem Kreis der Le­ser er­rei­chen.

Die so­ge­nann­te Reichs­bür­ger-Be­we­gung wird in ih­rer Gän­ze nicht vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet, teilt die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung mit. In ih­rer Gän­ze? Das Pro­blem: Die Be­we­gung setzt sich aus Ein­zel­per­so­nen so­wie Grup­pie­run­gen zu­sam­men, die sich in ih­rem We­sen zum Teil deut­lich un­ter­schei­den. Das Spek­trum reicht von po­li­tisch in­ter­es­sier­ten Trach­ten­ver­ei­nen über eso­te­risch ge­präg­te Grup­pen bis hin zu rechts­ex­tre­mis­tisch mo­ti­vier­ten Per­so­nen­zu­sam­men­schlüs­sen – die der Ver­fas­sungs­schutz dann na­tür­lich be­ob­ach­tet. Ge­mein­sam ha­ben al­le, dass sie die Le­gi­ti­mi­tät der Bun­des­re­pu­blik ver­nei­nen.

In der Re­gi­on sind die so­ge­nann­ten Reichs­bür­ger bis­lang nicht durch schwe­re Straf­ta­ten oder Kör­per­ver­let­zun­gen auf­ge­fal­len. Den­noch: Die Po­li­zei im Ol­den­bur­ger Land warnt. Man dür­fe „die in Tei­len an­ti­de­mo­kra­ti­sche Ideo­lo­gie“, die sich hin­ter der Reichs­bür­ger­be­we­gung ver­birgt, „si­cher­lich nicht un­ter­schät­zen“, teilt Ma­thi­as Kutz­ner, Spre­cher der Po­li­zei­di­rek­ti­on auf An­fra­ge mit.

Was ha­ben sich die so­ge­nann­ten Reichs­bür­ger zu Schul­den kom­men las­sen? „In Ein­zel­fäl­len wur­den Er­mitt­lun­gen we­gen Be­lei­di­gung, Ur­kun­den­fäl­schung und Kenn­zei­chen­miss­brauch ge­führt. Schwer­wie­gen­de Straf­ta­ten oder Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te sind uns bis­lang nicht be­kannt ge­wor­den“, sagt Kutz­ner.

Auch in den Ge­richts­sä­len im Ol­den­bur­ger Land ist es nach Ð -Re­cher­chen zu StörAk­tio­nen der Reichs­bür­ger­be­we­gung ge­kom­men. Im­mer wie­der über­zie­hen die Reichs­bür­ger Ge­rich­te auch mit irr­wit­zi­gen Kla­gen. Vor dem Ol­den­bur­ger So­zi­al­ge­richt klag­te ein Reichs­bür­ger auf Un­ter­halt. Da das Deut­sche Reich nicht un­ter­ge­gan­gen sei, son­dern wei­ter­hin fort­be­ste­he, sei er Kriegs­ge­fan­ge­ner und ha­be An­spruch auf So­zi­al­geld. Die Kla­ge blieb oh­ne Er­folg.

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