Kei­ne sü­ßen Aus­sich­ten für Zu­cker­her­stel­ler

Wei­te­re Scha­den­er­satz­kla­gen in Mil­lio­nen­hö­he – Vor­wurf der Kar­tell­bil­dung

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON SÖN­KE MÖHL

MANN­HEIM – Die drei Bran­chen­rie­sen auf dem deut­schen Zu­cker­markt ste­hen in im­mer mehr Pro­zes­sen um mil­lio­nen­schwe­re Scha­den­er­satz­for­de­run­gen vor Ge­richt. Am Land­ge­richt Mann­heim be­gan­nen am Frei­tag sechs Ver­fah­ren, in de­nen Le­bens­mit­tel­her­stel­ler ge­gen Süd­zu­cker und Nord­zu­cker vor­ge­hen.

Sie wer­fen den Un­ter­neh­men vor, jah­re­lang we­gen Kar­tell­ab­spra­chen über­höh­te Prei­se ver­langt zu ha­ben. Grund­la­ge sind Buß­gel­der des Bun­des­kar­tell­amts ge­gen Süd­zu­cker, Nord­zu­cker und Pfei­fer & Lan­gen (Dia­mant­zu­cker) aus dem Jahr 2014 in Hö­he von ins­ge­samt 280 Mil­lio­nen Eu­ro we­gen Ge­biets-, Quo­ten- und Preis­ab­spra­chen. Pfei­fer & Lan­gen ist in den ak­tu­el­len Mann­hei­mer Ver­fah­ren nur als so­ge­nann­ter Streit­hel­fer be­tei­ligt.

Wie in an­de­ren vor dem Land­ge­richt be­reits lau­fen­den Ver­fah­ren hält es die Kam­mer für sinn­voll, Gut­ach­ten zur Fra­ge ein­zu­ho­len, ob den Klä­gern ein Scha­den ent­stan­den ist und wenn ja, in wel­cher Hö­he. Bei­de Sei­ten hat­ten ih­re Po­si­tio­nen be­reits durch ei­ge­ne Gut­ach­ten zu un­ter­mau­ern ver­sucht.

In den jetzt be­gon­ne­nen Ver­fah­ren for­dert der Scho­ko­la­den­her­stel­ler Rü­be­zahl rund drei Mil­lio­nen Eu­ro. Der Fein­kost­pro­du­zent Hengs­ten­berg macht ei­nen Scha­den von knapp 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro gel­tend und der Bon­bon­her­stel­ler Kal­fa­ny for­dert rund 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro. Wei­te­re Klä­ger sind die Pau­la­ner Braue­rei (871000 Eu­ro), Nie­hoffs Vai­hin­ger Frucht­saft (frü­her Lau­te­r­ecker Frucht­saft, 6,2 Mil­lio­nen Eu­ro) und der Le­bens­mit­tel­her­stel­ler Jung & Sch­mitt (1,6 Mil­lio­nen Eu­ro).

Ei­ne wei­te­re Kla­ge in Mann­heim be­treibt un­ter an­de­rem der Süß­wa­ren­her­stel­ler Kat­jes, der 37 Mil­lio­nen Eu­ro Scha­den gel­tend macht. Die höchs­te Sum­me will der Le­bens­mit­tel­kon­zern Nest­lé mit 50 Mil­lio­nen Eu­ro er­strei­ten.

In al­len Ver­fah­ren am Frei­tag, die der Vor­sit­zen­de Rich­ter Andre­as Voß nach­ein­an­der auf­rief, sa­ßen sich die­sel­ben An­wäl­te ge­gen­über. Die Klä­ger­sei­te ver­wies je­weils auf zu ho­he Zu­cker­prei­se we­gen feh­len­dem Wett­be­werb.

Die Ge­gen­sei­te be­zwei­fel­te grund­sätz­lich, dass es oh­ne Ge­biets­ab­spra­chen nied­ri­ge­re Prei­se ge­ge­ben hät­te. Weil Trans­port­kos­ten bei Zu­cker ei­ne gro­ße Rol­le spiel­ten, ge­be es zwangs­läu­fig ei­ne Auf­tei­lung der Ge­bie­te. Ein Le­bens­mit­tel­werk, das we­ni­ge Ki­lo­me­ter von ei­ner Süd­zu­cker­fa­brik ent­fernt pro­du­zie­re, kön­ne nicht preis­güns­ti­ger von Nord­zu­cker be­lie­fert wer­den, ar­gu­men­tier­ten die An­wäl­te bei­der Un­ter­neh­men.

Die Ver­hand­lun­gen wer­den mit Ver­kün­dungs­ter­mi­nen am 2. De­zem­ber fort­ge­setzt.

DPA-BILD: AN­S­PACH

Ge­gen Zu­cker­her­stel­ler lau­fen meh­re­re Scha­den­er­satz­kla­gen.

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