Für an­de­re Gu­tes tun und selbst Steu­ern sen­ken

Bis 200 Eu­ro reicht Kon­to­aus­zug als ein­fa­cher Nach­weis – Ge­mein­nüt­zi­ger Zweck

Nordwest-Zeitung - - WARENTEST -

BER­LIN/FTD – Ob für Flücht­lings­hil­fe, Un­wet­ter­op­fer oder Sport­ver­ein – mit vie­len Spen­den kön­nen Steu­er­zah­ler ih­re Steu­ern sen­ken. Doch längst nicht in je­dem Fall und je­der Hö­he. Die Zeit­schrift „Fi­nanz­test“be­rich­tet in ih­rer No­vem­ber-Aus­ga­be, wel­che Be­din­gun­gen das Fi­nanz­amt stellt.

Wer noch bis Jah­res­en­de für die Flücht­lings­hil­fe, für Be­trof­fe­ne der Un­wet­ter vom Früh­som­mer oder Erd­be­ben­op­fer in Ecua­dor spen­det, be­nö­tigt le­dig­lich ei­nen von der Bank ab­ge­stem­pel­ten Ein­zah­lungs­be­leg, ei­nen Kon­to­aus­zug oder ei­nen Aus­druck über die er­folg­te On­li­ne­über­wei­sung. Na­me und Kon­to­num­mer von Spen­der und Emp­fän­ger so­wie Be­trag und Bu­chungs­tag müs­sen er­kenn­bar sein, al­les an­de­re darf ge­schwärzt sein.

Der ver­ein­fach­te Nach­weis gilt sonst nur für Geld- und Sach­spen­den im Wert von bis zu 200 Eu­ro. Ist der Emp­fän­ger ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on oder po­li­ti­sche Par­tei, muss der Ver­wen­dungs­zweck deut­lich sein. Es reicht, wenn die An­ga­ben auf der Durch­schrift des Über­wei­sungs­trä­gers oder ei­nem an­hän­gen­den Ab­schnitt ste­hen.

Bei hö­he­ren Be­trä­gen pocht das Fi­nanz­amt auf ei­ne Spen­den­be­schei­ni­gung, – „Zu­wen­dungs­be­stä­ti­gung“ge­nannt. Sie muss vom Emp­fän­ger aus­ge­stellt sein. Der Spen­der muss sei­ner Steu­er­er­klä­rung die Be­schei­ni­gung im Ori­gi­nal bei­fü­gen. Wer bei ei­ner Stra­ßen­samm­lung spen­det, kann den Be­trag nicht gel­tend ma­chen. Das­sel­be gilt für die Kol­lek­te in Got­tes­diens­ten.

Das Fi­nanz­amt stellt wei­te­re Be­din­gun­gen für den Spen­den­ab­zug. Der Spen­der muss frei­wil­lig han­deln und darf für sei­ne Zu­wen­dung kei­ne Ge­gen­leis­tung er­hal­ten – selbst wenn de­ren Wert nur ei­nen ge­rin­gen Teil der Spen­de aus­macht. Das Fi­nanz­amt lässt ei­ne Auf­tei­lung in „rei­ne“Spen­de und Ge­gen­leis­tung nicht zu. Da­her sind Zu­schlä­ge für Wohl­fahrts­brief­mar­ken eben­so we­nig ab­setz­bar wie der Ti­cket­preis für ein Be­ne­fiz­kon­zert.

Das Fi­nanz­amt ist zu­dem nur dann mit von der Par­tie, wenn die Spen­de an ei­ne steu­er­be­güns­tig­te Or­ga­ni­sa­ti­on fließt. Ob ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on steu­er­be­güns­tigt ist, geht meist aus ih­rem In­for­ma­ti­ons­ma­te­ri­al her­vor. An­sons­ten hilft di­rek­tes Nach­fra­gen.

Die An­er­ken­nung durch das Fi­nanz­amt sagt je­doch nichts dar­über aus, ob die Or­ga­ni­sa­ti­on ver­ant­wor­tungs­voll mit dem Geld um­geht. Ori­en­tie­rung da­zu bie­tet et­wa das Deut­sche Zen­tral­in­sti­tut für so­zia­le Fra­gen (DZI) mit sei­nem Spen­den­sie­gel.

Zu­wen­dun­gen, die di­rekt an be­dürf­ti­ge Per­so­nen ge­hen, sind nicht steu­er­lich ab­zugs­fä­hig. Auch Spen­den mit der Auf­la­ge, sie an be­stimm­te Per­so­nen wei­ter­zu­lei­ten, spon­sert das Amt nicht. Wünscht der Spen­der ei­ne Zweck­bin­dung, kann er al­len­falls Vor­schlä­ge äu­ßern – oder Geld auf ein spe­zi­ell er­öff­ne­tes Spen­den­kon­to ein­zah­len.

Nächs­te Hür­de: Der Emp­fän­ger muss mit der Spen­de ei­nen ge­mein­nüt­zi­gen, wohl­tä­ti­gen oder kirch­li­chen Zweck för­dern, et­wa Tier- und Na­tur­schutz, Sport oder bür­ger­schaft­li­ches En­ga­ge­ment. So sind auch Sach­spen­den für die Tom­bo­la ei­nes Ver­eins ab­setz­bar, so­lan­ge der Er­lös aus­schließ­lich dem Sat­zungs­zweck zu­gu­te­kommt. Nicht an­er­kannt wer­den Sach­spen­den für den Ge­schäfts­be­trieb ei­nes Ver­eins – et­wa für ei­nen Floh­markt oder Ba­sar. Auch wer zum Som­mer­fest des Ver­eins ein Fass Bier bei­steu­ert, muss die­ses al­lein zah­len.

Für Sach­spen­den, sei­en es Bäl­le für den Fuß­ball­ver­ein oder Win­ter­klei­dung für Flücht­lin­ge, gel­ten die­sel­ben Re­geln wie für Geld­spen­den. Bei neu­en Sa­chen zählt der Kauf­preis auf der Rech­nung. Ist der Ge­gen­stand da­ge­gen ge­braucht, gilt sein Ver­kehrs­wert zum Zeit­punkt der Spen­de. Der Spen­der kann da­für zum Bei­spiel ver­gleich­ba­re Klein­an­zei­gen her­an­zie­hen.

Auch für Sach­spen­den will das Fi­nanz­amt ei­nen Nach­weis se­hen – mit der ge­nau­en Be­zeich­nung der Ge­gen­stän­de, ih­rem Neu­preis, da­zu Al­ter, Zu­stand und Wert so­wie dem Tag der Spen­de.

DPA-BILD: THISSEN

Vie­le Men­schen spen­den Geld für ei­nen gu­ten Zweck. Um die Spen­de steu­er­lich ab­set­zen zu kön­nen, stellt das Fi­nanz­amt Be­din­gun­gen.

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