Das ist ge­recht

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Vor dem Ge­setz sind al­le gleich. Das ist auch gut so. Glei­che Stra­fen für glei­che Ver­ge­hen. An die­sem Prin­zip will Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us rüt­teln – mit der Idee ei­ner so­zia­len Staf­fe­lung von Buß­gel­dern bei Ver­kehrs­ver­stö­ßen. Ein Gräu­el für ju­ris­ti­sche Pu­ris­ten. Aber ge­recht!

Nur zum Ver­gleich: Wird ein Mil­lio­när we­gen ei­nes Straf­ver­ge­hens zu ei­nem Mo­nat Ge­fäng­nis ver­ur­teilt, so ist die­se Zeit genau­so lang wie ein Mo­nat Ge­fäng­nis für ei­nen Hartz-IV-Be­zie­her. Er­hält der glei­che Mil­lio­när ein Kn­öll­chen als Ver­kehrs­row­dy in Hö­he von ei­ni­gen Hun­dert oder noch mehr Eu­ro, löst die­se Stra­fe ver­mut­lich nicht ein­mal ein Ach­sel­zu­cken aus. Für den zi­tier­ten Hartz-IV–Emp­fän­ger wä­re ein sol­ches Buß­geld ei­ne mitt­le­re fi­nan­zi­el­le Ka­ta­stro­phe.

Ein­ver­stan­den, al­le Bei­spie­le hin­ken an ir­gend­ei­ner Stel­le. Im Grund­satz tra­gen al­le Stra­fen grund­sätz­lich den Süh­ne­ge­dan­ken in sich. Wer ei­nen Feh­ler ge­macht hat, muss die Fol­gen auch spü­ren. Das gilt für al­le Be­rei­che. Ob im Stra­ßen­ver­kehr oder in ei­nem Straf­pro­zess. Doch wenn die Hö­he von Geld­stra­fen für Rei­che kein Mit­tel der Süh­ne sind, dann muss man nach­jus­tie­ren.

Aber ab­war­ten, ob Nie­der­sach­sen mit sei­nen Ar­gu­men­ten auf die Zu­stim­mung der an­de­ren Bun­des­län­der trifft. Mit ei­ner gu­ten Por­ti­on Skep­sis liegt man wohl nicht falsch in der Ein­schät­zung.

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Reichenbachs@in­fo­au­tor.de

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