Or­gan­spen­der­zah­len rück­gän­gig

SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te Lau­ter­bach will Wi­der­spruchs­lö­sung ein­füh­ren

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON MAR­TI­NA SCH­WA­GER

2010 gab es noch 101 Spen­der in Nie­der­sach­sen. Im ver­gan­ge­nen Jahr wa­ren es nur noch 62 Men­schen – das sind 39 Pro­zent we­ni­ger.

HAN­NO­VER – Trotz deut­lich sin­ken­der Or­gan­spen­de-Zah­len setzt die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung wei­ter auf Auf­klä­rung und die seit En­de 2012 gel­ten­de Ent­schei­dungs­lö­sung. „Bei die­sem sen­si­blen Thema ist es mir wich­tig, dass die Men­schen selbst ent­schei­den kön­nen, ob sie nach ih­rem Tod Or­ga­ne spen­den wol­len oder nicht“, sag­te die nie­der­säch­si­sche Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Cor­ne­lia Rundt (SPD) am Di­ens­tag. Sie ap­pel­lier­te an die Bür­ger, ih­re Ent­schei­dung im Or­gan­spen­de­aus­weis fest­zu­hal­ten: „Im Zwei­fel er­spart das den An­ge­hö­ri­gen ei­ne schwe­re Ent­schei­dung.“

Seit 2010 ist die Zahl der Or­gan­spen­der in Nie­der­sach­sen von 101 auf 62 im Jahr 2015 zu­rück­ge­gan­gen. Die Zahl der ge­spen­de­ten Or­ga­ne sank von 362 auf 218. Im ers­ten Halb­jahr 2016 wur­den 116 Or­ga­ne von 32 ver­stor­be­nen Men­schen ge­spen­det.

Karl Lau­ter­bach, SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te, hat­te an­ge­sichts ei­nes bun­des­weit ähn­li­chen Trends in ei­nem Zei­tungs­in­ter­view die Ein­füh­rung der so­ge­nann­ten Wi­der­spruchs­lö­sung ge­for­dert. Da­nach wür­de je­der als Or­gan­spen­der re­gis­triert – es sei denn, er wi­der­sprä­che dem aus­drück­lich. In Spa­ni­en und Ös­ter­reich exis­tiert ei­ne sol­che Re­ge­lung be­reits seit Jah­ren, seit kur­zem auch in den Nie­der­lan­den.

Nach ak­tu­el­len Zah­len der Deut­schen Stif­tung Or­gan­trans­plan­ta­ti­on (DSO) ste­hen in Deutsch­land ak­tu­ell mehr als 10 000 Men­schen auf der War­te­lis­te für ei­ne Trans­plan­ta­ti­on. Rund 1000 Pa­ti­en­ten auf die­ser Lis­te ster­ben in je­dem Jahr, weil sie kein Spen­der­or­gan be­kom­men. Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es 877 Or­gan­spen­der in Deutsch­land, 2010 wa­ren es noch knapp 1 300.

Die gel­ten­de deut­sche Lö­sung setzt vor al­lem auf Auf­klä­rung: Al­le zwei Jah­re schi­cken die Kran­ken­kas­sen ih­ren Ver­si­cher­ten In­for­ma­tio­nen zum Thema Or­gan­spen­de. Je­der Mensch soll da­nach ei­ne fun­dier­te und un­ab­hän­gi­ge Ent­schei­dung tref­fen. Je­doch ist nie­mand da­zu ver­pflich­tet. Hat je­mand kei­nen Or­gan­spen­de­aus­weis, wer­den im Ernst­fall die An­ge­hö­ri­gen um ei­ne Ent­schei­dung nach dem mut­maß­li­chen Wil­len des Ver­stor­be­nen ge­be­ten oder müs­sen nach ei­ge­nem Er­mes­sen ent­schei­den.

DPA-BILD: CAROLINE SEI­DEL

Ei­ne Ent­schei­dung für oder ge­gen die Or­gan­spen­de kann im Or­gan­spen­de­aus­weis ver­merkt wer­den.

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