An Hal­lo­ween schei­den sich die Geis­ter

Die Gru­sel-Tra­di­ti­on hat vie­le Fa­cet­ten – Kin­der­strei­che könn­ten zu Sach­be­schä­di­gun­gen füh­ren

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON AN­NA-LE­NA SACHS

Am Mon­tag kom­men die Kür­bis­se, Gru­sel­ver­klei­dun­gen und Hal­lo­ween­sü­ßig­kei­ten wie­der in Ol­den­burg zum Vor­schein. Der ame­ri­ka­ni­sche Fei­er­tag hat je­doch auch Schat­ten­sei­ten.

OL­DEN­BURG – Ge­ra­de hat man sich ge­müt­lich auf das So­fa ge­setzt, schon wird man wie­der von ei­nem Klin­geln an der Tür hoch­ge­schreckt: Geis­ter, He­xen, Mons­ter und Zom­bies kom­men am 31. Ok­to­ber zum Vor­schein und ver­lan­gen „Sü­ßes oder Sau­res“.

Für die Hal­lo­ween-Fans hat der ame­ri­ka­ni­sche Fei­er­tag viel zu bie­ten. Be­son­ders Kin­der be­ge­ben sich auf Sü­ßig­kei­ten-Jagd und zie­hen um die Häu­ser in Ol­den­bur­ger Nach­bar­schaf­ten. Ei­ni­ge die­ser Wohn­häu­ser sind schon in den Ta­gen vor Hal­lo­ween mit oran­ge­nen Kür­bis­sen ge­schmückt, in die ver­schie­de­ne Mo­ti­ve ge­schnitzt sind.

Die Ver­brei­tung des Brauchs des Kür­bisschnit­zens zeigt, dass sich Hal­lo­ween in Ol­den­burg eta­bliert hat. Auch der Obst- und Ge­mü­se­la­den „Kös­ter­hof“stellt sich auf die zu­neh­men­de Po­pu­la­ri­tät des Fei­er­tags ein. Der Kös­ter­hof hat in den letz­ten Jah­ren die Kür­bis­se be­son­ders auf die zu­neh­men­de Hal­lo­ween-Kul­tur zu­ge­schnit­ten.

So­mit sät das Team rund um Ge­org Kös­ter et­wa 180 Ta­ge vor der Sai­son ex­tra gro­ße Hal­lo­ween­kür­bis­se mit dem Sor­ten­na­men „Tom Fox“. „Die Hal­lo­ween­kür­bis­se kann man auch es­sen, aber sie sind ge­schmack­lich nicht so toll“, so Kös­ter. „Die wie­gen zum Teil deut­lich mehr als zehn Ki­lo.“

Sü­ßes, sonst gibt’s Sau­res: Nicht al­le Tra­di­tio­nen sind so harm­los wie das De­ko­rie­ren von Kür­bis­sen. Ob­wohl die Ol­den­bur­ger Po­li­zei in ver­gan­ge­nen Hal­lo­ween-Näch­ten kei­ne Zu­nah­me an Sach­be­schä­di­gung ver­mel­det hat, warnt der Ol­den­bur­ger An­walts­und No­tar­ver­ein vor ver­meint­li­chen Kin­der­strei­chen.

Klin­gel­strei­che oder das Um­wi­ckeln des Zauns mit Klo­pa­pier stel­len recht­lich kei­ne Pro­ble­me dar. „Wer­den al­ler­dings Tür­schlös­ser ver­klebt, Feu­er­werks­kör­per in Brief­käs­ten ge­wor­fen oder Ketch­up an Haus­wän­den ge­schmiert, hört der Spaß auf“, so ei­ne Spre­che­rin des An­walts­und No­tar­ver­eins. Oft müs­sen dann die El­tern für sol­che Kin­der­strei­che, die an Sach­be­schä­di­gung gren­zen, ge­ra­de­ste­hen.

Dar­über hin­aus gibt es der­zeit ei­ne De­bat­te über Gru­selC­lowns in den USA und mitt­ler­wei­le auch in Eu­ro­pa, die ver­mehrt Leu­te ver­fol­gen oder er­schre­cken. „Das ist na­tür­lich um Hal­lo­ween her­um nicht nur Ver­gnü­gen, son­dern das be­rei­tet ei­ni­gen Leu­ten auch gro­ßen Är­ger“, so Mar­tin But­ler vom In­sti­tut für Eng­lisch und American Stu­dies der Uni­ver­si­tät Ol­den­burg.

Ganz an­de­re Sor­gen hat die Kir­che: Am letz­ten Ok­to­ber­tag wird auch die Re­for­ma­ti­on der Kir­che durch Mar­tin Lu­ther ge­fei­ert. „Ins­ge­samt wird Hal­lo­ween in der Öf­fent­lich­keit sehr viel stär­ker wahr­ge­nom­men“, er­klärt Pfar­rer Ni­co Sza­mei­tat von der evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Kir­che in Ol­den­burg. Die Kir­che will den dies­jäh­ri­gen Re­for­ma­ti­ons­tag als Auf­takt für die an­ste­hen­de 500-Jahr-Fei­er zum Ju­bi­lä­um in 2017 nut­zen.

Durch öf­fent­li­che Ver­an­stal­tun­gen soll der „Ge­burts­tag“der evan­ge­lisch-lu­the­ri­schen Kir­che wie­der stär­ker ins Be­wusst­sein der Men­schen ge­ru­fen wer­den, so Sza­mei­tat. Die Po­pu­la­ri­tät des ame­ri­ka­ni­schen Fei­er­tags wird das je­doch ver­mut­lich nicht ein­däm­men. FRA­GE: Wie kann der Hal­lo­ween-Hy­pe mit der zu­neh­men­den Ame­ri­ka­ni­sie­rung Deutsch­lands ver­bun­den wer­den? BUT­LER: Wenn wir von Ame­ri­ka­ni­sie­rung und von Hal­lo­ween in Deutsch­land spre­chen, dann müs­sen wir ei­gent­lich dar­über spre­chen, dass die deut­sche Po­pu­lär­kul­tur seit der zwei­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts so­wie­so schon im­mer von an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Ein­flüs­sen ge­prägt war. Da ist es ei­gent­lich nur kon­se­quent, dass ein Fest wie Hal­lo­ween ir­gend­wann auch hier ge­fei­ert wird. Nicht zu­letzt bie­tet sich da­mit ja auch ei­ne wei­te­re Ver­mark­tungs­op­ti­on von Kar­ne­vals­kos­tü­men in der zwei­ten Jah­res­hälf­te. FRA­GE: Seit wann wird Hal­lo­ween in Deutsch­land ge­fei­ert? BUT­LER: Das ist noch nicht so lan­ge so. Es hat viel­leicht Mit­te/En­de der 90er-Jah­re an­ge­fan­gen, vor al­lem hat Hal­lo­ween zu­nächst bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen An­klang ge­fun­den. Kri­ti­sche Stim­men se­hen in die­ser Ent­wick­lung al­ler­dings nicht sel­ten ei­ne „Kon­kur­renz“zum St. Mar­tins-Fest so­wie zum pro­tes­tan­ti­schen Re­for­ma­ti­ons­tag. FRA­GE: Wie wer­den Hal­lo­ween-Bräu­che ein­ge­deutscht? BUT­LER: Der Brauch des „Trick or Tre­at“bei­spiels­wei­se, al­so das Ein­sam­meln von Sü­ßig­kei­ten zu sol­chen Fes­ten, das üb­ri­gens auch in Eu­ro­pa ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on hat, „mischt“sich mit der Tra­di­ti­on des kurz dar­auf­fol­gen­den St. Mar­tinsFests, bei dem das Ein­sam­meln von Sü­ßig­kei­ten in man­chen Teil Deutsch­lands ja auch da­zu­ge­hört. FRA­GE: Wie kann man den an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Ein­fluss auf un­se­re Kul­tur im All­tag noch fest­stel­len? BUT­LER: Na­ja, bei­spiels­wei­se in der Gas­tro­no­mie. Es gibt Fast Food-Ket­ten, die sich schon seit ei­ni­ger Zeit auch in Deutsch­land gro­ßer Be­liebt­heit er­freu­en. In den deut­schen Charts fin­den sich re­gel­mä­ßig ame­ri­ka­ni­sche In­ter­pre­ten. Au­ßer­dem be­nut­zen wir im Deut­schen mitt­ler­wei­le fast selbst­ver­ständ­lich ei­ne gan­ze Rei­he eng­li­scher Be­grif­fe wie z.B. Soft­ware, App, Sto­re, Shop­ping etc. Das zeigt, dass die ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur gro­ßen Ein­fluss in an­de­ren Tei­len der Welt hat.

T. V. REEKEN

Be­reit fürs De­ko­rie­ren: Di­cke Kür­bis­se im Hof­la­den des Kös­ter­hofs am Vah­len­horst zeigt Mit­ar­bei­te­rin Ka­rin Rohé.BILD:

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